Review

Wahnsinn! Es gibt Filme, bei denen leidet man mit der Hauptfigur. Solche Filme sind äußerst intensiv, verstörend und auch beklemmend. Genau das trifft auch auf "The Machinist" zu.

Christian Bale ("Equilibrium") verlor für seine Rolle als abgemagerter Fabrikarbeiter satte 30 Kilo und erinnert in seiner Spindeldürre an Bilder von KZ-Überlebenden des Holocaust. Ungesundes Method-Acting sozusagen und auch schauspielerisch eine Meisterleistung. Mit seiner Mystery-Story erinnert "The Machinist" an einen Mix zwischen "Akte X" und "Fight Club" was durchaus als gutes Omen angesehen werden kann. Dazu noch eine gehörige Portion Dramatik und ein solch beängstigender Film kommt dabei heraus.

Es fällt schwer etwas zur Story zu verraten, ohne zu spoilern, aber ich versuche es: Der an Schlaflosigkeit leidende Maschinist Trevor Reznik (Bale) verursacht eines Tages einen Betriebsunfall, bei dem seinen Kollegen Miller (Michael Ironside aus "Starship Troopers") ein Arm abgerissen wird. Ein Zeuge des Vorfalls, Ivan, der im Betrieb anwesend war, scheint spurlos verschwunden und nicht existent zu sein. Reznik sucht Trost bei einer Nutte namens Stevie (Jennifer Jason Leigh aus "eXistenZ") und bei einer Flughafen-Kellnerin namens Maria und deren Sohn, bis sich auch hier Ungereimtheiten auftun und er sich als Opfer einer Verschwörung sieht...

Ist Trevor wahnsinnig? Schizophren? Ist er Opfer einer gigantischen Verschwörung? Wer bricht in sein Haus ein und hängt sonderbare Zettel an seinen Kühlschrank? Warum ist sein Kühlschrank voller Blut? Wer ist Ivan?
All diese Fragen werden am überraschenden Ende genreuntypisch logisch beantwortet und sind in sich schlüssig. Hier erfährt der Zuschauer auch den Grund für Trevors beinahe magersüchtige Unterernährung: Sühne, Schuldgefühle und Verdrängung.

Der Film ist äußerst klug aufgebaut und wirft viele Fragen auf, die aber auch (fast) alle beantwortet werden. In trostlosen, nahezu farblosen Bildern gelingt es Regisseur Brad Andersen ein Gefühl der Beklemmung beim Zuschauer auszulösen und eine ungemein alptraumhaft-düstere Stimmung seines Films aufzubauen. Auch wenn das Ganze (natürlich) Parallelen zu "Fight Club" aufweist, ist "The Machinist" doch kein simples Imitat dessen, sondern wirkt eher wie sein klügerer und logisch-rationaler Bruder, der sich allein auf den Alptraum im Kopf der Hauptfigur beschränkt und weniger anarchisch-subversiv zu Werke geht. Dennoch ist "The Machinist" nicht weniger radikal und schonungslos, sondern ein verstörendes Meisterwerk der Charakterzeichnung eines kaputten, von Schuldgefühlen und Verfolgungswahn zerfressenen, abgemagerten Mannes.

Obwohl das ziemlich düster klingt, gibt es eine Möglichkeit sich dieser Düsternis zu entledigen. Man sollte sich seiner Vergangenheit stellen, um wieder Hoffnung zu haben - das ist allerdings etwas platt und ausgelutscht als Ende, wirkt aber immer noch glaubwürdig. Etwas enttäuschend ist auch, dass J.J. Leigh und Michael Ironside in ihren Charakteren ziemlich blass bleiben und als bloße Staffage verheizt werden, sonst gibt es aber nix zu meckern.
"The Machinist" bleibt ein ungemein packender Film.

Details
Ähnliche Filme