Der Maschinenschlosser Trevor Reznik (Christian Bale) ist in seinem Leben an einem Tiefpunkt angekommen. Abgemagert bis auf die Knochen und unter Schlaflosigkeit leidend bekämpft er seine Einsamkeit beim Callgirl Stevie (Jennifer Jason Leigh) und bei seinen nächtlichen Besuchen im Flughafen-Café, bei denen er nach und nach eine zarte Beziehung zur Kellnerin Maria aufbaut. Als er bei der Arbeit einen schweren Unfall verursacht und zudem Bekanntschaft mit einem zwielichtigen Arbeitskollegen macht, beginnt seine Wahrnehmung der Realität nach und nach zu bröckeln.
Die Tatsache, daß die Handlung vollständig aus der Sicht des Protagonisten erzählt wird, macht es dem erfahrenen Zuschauer relativ leicht, über den weiteren Verlauf der Geschehnisse diverse Vermutungen anzustellen, die sich aber in der Mehrzahl der Fälle als falsch erweisen dürften. Die Auflösung kommt, ohne zuviel darüber verraten zu wollen, angenehm unspektakulär und sehr bodenständig daher, dafür aber umso nachdenklicher und einprägender. Welche Ereignisse, welche seelischen Lasten können einen Menschen zu einem solchen Wrack werden lassen ? Die schreckliche Wahrheit liegt einmal mehr irgendwo in der Vergangenheit, begraben im hintersten Winkel des menschlichen Unterbewusstseins.
Betrachtet man den Hauptdarsteller, so fährt uns zunächst ein kalter Schauer über den Rücken: Die nicht selten im Bild zu sehende, ausgemergelte Statur von Trevor Reznik ist keinesfalls ein Werk der Maskenbildner, sondern Christian Bale selbst - Method Acting der besonders extremen, aber auch beachtlichen Art. Seine Leistung hier aber ausschließlich auf seine physische Vorbereitung zu beschränken, wäre ebenfalls ein Hohn. Die Intensität, mit der Bale den psychischen Verfall seiner Figur darstellt, ist beeindruckend, schockierend – schlicht und einfach genial. Ohne Zweifel die absolute Idealbesetzung, die in jeder Szene im Focus des Geschehens steht. Da ist es kein Wunder, dass die weiteren Figuren trotz ihrer nicht unwichtigen Präsenz etwas verblassen, aber dennoch glaubwürdig in das Storykonstrukt eingewoben sind.
Echte Mankos sind bei der Inszenierung nicht feststellbar. Die Geschichte verläuft trotz der subjektiven Erzählweise und einiger Rückblenden sehr gradlinig und bleibt stets gut überschaubar, so dass man zu keiner Minute Gefahr läuft, den Überblick zu verlieren. Einziger Wermutstropfen ist die dramaturgisch etwas unglückliche Maßnahme, den Film mit einer Vorwegnahme eines späteren Ereignisses beginnen zu lassen – unglücklich in dem Sinne, dass dies für den Erzählfluss im Grunde überflüssig ist. Doch dies trübt die allgegenwärtige, düstere Atmosphäre, die bis zur letzten Einstellung fesselt, zu keiner Sekunde.
Regisseur Brad Anderson gelang mit „The Machinist“ ein verstörendes Psychodrama der Extraklasse. Christian Bale ist als Geläuterter eine Offenbarung, initiatorisch ist der Film sehr ruhig und bedächtig gehalten, aber jederzeit spannend und auf ein Finale hinauslaufend, dass trotz der vollständigen Entmystifizierung der Ereignisse tief berührt und uns ebenso wie Trevor Reznick mit der Erkenntnis zurücklässt , dass die Wahrheit zwar manchmal hart ist, es aber ein beruhigendes Gefühl sein kann, sie zu kennen und zu akzeptieren.