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Was hat mir Christian Bale bloß angetan, daß ich ihm nie die Höchstwertung für seine Filme geben kann? Eigentlich nichts, der Mann hat Klasse. Und ginge es jetzt nur nach körperlichem Einsatz, dann gäbe es 10 Punkte deluxe für seine Darstellung des zum Skelett abgemagerten Fabrikarbeiters Trevor Reznik, der sich scheinbar in einer Verschwörung gegen sich wiederfindet oder einfach nur Opfer einer mysteriösen Realität wird.

„The Machinist“ ist Schauspielerkino pur, eine darstellerische Tour-de-Force, für die Bale so viel abnahm, daß man jeden Augenblick um seine Gesundheit fürchtet. Charismatisch bis in den letzten Rippenbogen schafft er es, nie Ekel zu erregen, sondern Mitleid und Sympathie für einen Gebeutelten des Schicksals.

Wenn nur der Rest der Films auch so gut wäre.
Oder haben wir in der letzten Zeit einfach zu viele von diesen mysteriösen Thrillern gesehen, in denen sich scheinbar alternative Realitäten überlappen, um dann am Ende als Hirngespinst des Protagonisten oder außerirdische Verschwörung zu reüssieren?
Brad Andersons Film schreitet die ganze Palette der Verwirrung ab, legt Bilder übereinander, läßt Gegenwart und Vergangenheit miteinander verschmelzen und erschafft so einen ausgebleichten Alptraum eines Mannes, der seit einem Jahr nicht mehr geschlafen hat.

Geschickt verknüpft er die Auflösung mit den im Film aufgesuchten Orten und schafft so in manchen Momenten wirklich alptraumhafte Momente, den stärksten sicherlich die Fahrt in der Geisterbahn in Begleitung des epileptischen Jungen. Was real und was eingebildet ist, wird für den Zuschauer zum Knackpunkt, aber spätestens seit Filme wie „Identity“ die Wahrscheinlichkeiten des Abgebildeten ins Unendliche und Unwahrscheinliche erweitert haben, wollen die Zuschauer letzten Endes nur noch das Geheimnis knacken, das hinter der Geschichte steht.

Und da hat „The Machinist“ nichts zu bieten, was uns am Ende noch mal den Boden unter den Füßen wegziehen könnte. Der Film steuert auf den Durchbruch in die Realität zu, aber nicht, indem es die Filmrealität auf den Kopf stellt (wie z.B. in „Die üblichen Verdächtigen“), sondern indem der Held eine Art Katharsis erlebt, sich in sein Schicksal ergibt und endlich reinen Tisch macht. Und leider, leider deutet sich das an, sobald die ersten Stakkato-Rückblenden (ein wirklich langsam zu vernachlässigendes Stilmittel) über den Zuschauer hereinbrechen. Am Ende geht’s dann doch um das Innenleben, um Schuld und Sühne, um Trauer und Erlösung.
Das macht dann 10 für Intensität, aber nur 5 für Originalität und wer jetzt sagt, solche Stories würden sich in „Twilight Zone“ immer gut machen (und seien deswegen schon ein wenig abgedroschen), bekommt vom Lehrer einen Stern. (7,5/10)

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