I Can't Get No Sleep
Für manche ein „Memento“-light oder ein industriellerer und unreligiöserer „Angel Heart“, für andere nur „Der Film, für den Christian Bale sich unfassbar abmagerte“, für wieder andere nur ein eher oberflächlicher Mix aus bekannten Psychomustern a la Hitchcock, Polanski oder Fincher. Für mich (und wie man an den Kritiken hier sieht zum Glück auch viele andere) nicht weniger als eines der packendsten Psychogramme zwischen Schuld, Sünde, Schlaflosigkeit und Schizophrenie seines Jahrzehnts. Regisseur Brad Anderson konnte dieses eindringliche Niveau nie wieder erreichen - aber manchmal reicht ein Meisterwerk, um sich unsterblich in seinem Job zu machen. Und „Der Maschinist“ kommt dieser Leistung extrem nah. Erzählt wird von einem Fabrikarbeiter, der schon Monate nahezu gar nicht schlafen kann und völlig abgemagert und psychisch am Ende neben sich steht. Auf der Arbeit ist er mehr als nur unkonzentriert, sozial findet er nicht mehr statt, körperlich gleicht er einem Knochengerüst. Und plötzlich taucht da auch noch dieser fremde Mann auf, dessen Spur er folgt und als einzigen Ausweg sieht…
Schuld essen Seele auf
Ich will nicht lügen, „Der Maschinist“ ist eines der besten Mood Pieces, das ich kenne. Grau, deprimierend, spannend und grausam, psychologisch wie körperlich. Das hängt einem nach, wie eine graue Gewitterwolke. Da ist Anderson und Bale schon etwas Tolles/Fieses gelungen. Viel mehr als nur eine Kopie der genannten Einflüsse - und wenn dann ein sehr erfolgreicher Remix dieser. Bale verschwindet wortwörtlich in seiner Figur. Selten hatte sich bis dato ein Schauspieler mehr in einen Part geworfen. Fast schon unangenehm und ungesund gut. Dazu kommt eine faszinierend-monochrome Bildsprache mit der man mithilfe von Barcelona erfolgreich L.A. verzerrt, spiegelt und alptraumhaft kippt - ein weiterer genialer Schachzug. Dazu der industriell-elektronische Score (die Hauptfigur ist nicht umsonst nach Trent Reznor benannt), das unterschwellige Unbehagen, die enorme Atmosphäre und das unausweichliche Übel, das auch noch funktioniert, wenn man die twistige Auflösung schon kennt. „Der Maschinist“ hat sehr viel auf der Habenseite. Wer also auf nihilistische Charakterstudien und schauspielerische Tour de Forcen steht, kommt um diesen metallisch-unterkühlten Thriller kaum herum. Visuelles Storytelling at its best. Gefühle in Bilder gegossen. Insomnia meets Intellekt, Buße trifft Bildercollage, Trauma küsst Tagträume. Schönes, getriebenes Ding!
Fazit: eine Performance für die Ewigkeit, eine schneidbare Atmo und heftige Themen, eine klasse Auflösung und genau das richtige, gezügelte Tempo und Timing - „Der Maschinist“ ist ein legendärer Geheimtipp der 00er und noch immer ein niederschmetternder psychologischer Thriller! Sehr gut!