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Vor fünf Jahren kam es in der katholischen "Holy Angels"-Mädchenschule zu einer Tragödie, als sich der durchgeknallte Geschichts-Professor Leighton im Heizungskeller zum wiederholten Mal über das Mauerblümchen Nell hermachen wollte. Während des daraus resultierenden Handgemenges hatte dieser versehentlich das Gebäude in Brand gesteckt und durch die anschließende Gas-Explosion kamen nicht nur Leighton selbst, sondern zudem auch noch 30 unbeteiligte Schülerinnen ums Leben. Nun macht sich eine Film-Crew unter der Leitung von Regisseur Tom Craven daran, die Geschichte der "Gefallenen Engel von Blackwood" im Rahmen einer billigen TV-Dokumentation aufzuarbeiten. Aufgrund ihrer prekären finanziellen Lage kehrt die immer noch traumatisierte Nell zusammen mit einigen anderen Überlebenden des Feuers an den Ort der damaligen Ereignisse zurück, um der Produktion beratend zur Seite zu stehen. Mit von der Partie ist zudem auch der Parapsychologe Brett Murray, der mit seinem High-Tech-Equipment klären soll, ob es in der "Holy Angels"-Ruine nicht vielleicht sogar spuken könnte. Anstatt mit Geistern und Gespenstern bekommen es die Filmemacher jedoch mit einem höchst irdischen Killer zu tun, der durch die dusteren Gänge und Korridore der Schule schleicht und sich rigoros durch Cast und Crew mordet... "Fallen Angels" ist nichts weiter als ein vollkommen banaler Direct-to-Video-Müll, der ideentechnisch das eh schon begrenzte Repertoire des wenige Jahre zuvor durch "Scream - Schrei!" wieder in Mode gekommenen Slasher-Genres fleddert und es dabei zu keiner Zeit versteht, innerhalb der veranstalteten Aneinanderreihung bekannter Versatzstücke irgendwelche eigenen Akzente zu setzen. Völlig abgeranzt und vorhersehbar kommt Ian David Diaz‘ Billig-Filmchen ergo daher und der geübte Alles-Gucker dürfte demzufolge auch wirklich überhaupt keine Probleme haben, die entsprechenden Vorbilder auszumachen, an denen man sich hier so schamlos orientiert hat: Die präsentierte Hintergrund-Geschichte und die Schul-Location gemahnen einen folglich an "Düstere Legenden", das oberflächliche Film-im-Film-Geplänkel der Doku-Dreharbeiten gar an "Düstere Legenden 2" (oh je!)... und natürlich gibt es da auch 'nen Verweis in Richtung von "Ich weiß was du letzten Sommer getan hast" samt Fortsetzung in Form des Killer-Outfits (hier wie dort ein dunkler Ostfriesen-Nerz). Einige inhaltliche Verwicklungen zum Ende hin sowie die von Deutschland-Import Kai Wiesinger (wie hat DER sich bitteschön hier rein verirrt?) zum Schlechtesten gegebene, typisch großkotzige Hollywood-Karikatur "Tom Craven" gehen dabei vielleicht noch ganz am Rande als sanfte Verbeugung vor Wes Craven und seiner (damals noch) "Scream"-Trilogie durch, doch größtenteils regiert in "Fallen Angels" eher die ungenierte Klau-Mentalität. Das Netteste an der Chose sind tatsächlich die beiden Name-Actors Michael Ironside und Jeff Fahey, die zwar einen mächtig abgewrackten Eindruck machen, sich aber gewohnt versiert durch dieses hirnlose Derivat schlagen und natürlich auch die übrige Bimbo-Parade in ihren wenigen Auftritten geradezu mühelos an die Wand spielen. Die althergebrachte Slasherfilm-Tradition, mehr oder minder wichtige Nebenrollen mit namhaften Gast-Stars zu besetzen, wird somit rege am Leben gehalten, doch ansonsten gibt es wirklich nicht viel, woran man sich hier erfreuen könnte. Keinen Spaß macht jedenfalls der blutleere und F/X-technisch unspektakulär umgesetzte Body Count, der eh erst im letzten Drittel so richtig in die Gänge kommt, wenn das Skript allem Anschein nach in Torschlusspanik verfällt und die Leichen plötzlich nur so zu purzeln beginnen. Mit der oberflächlichen Spannung, die man sich ja gemeinhin auch von solchen auf die Schnelle heruntergekurbelten Schlitzer-Streifen erwartet, ist es bis dahin nämlich nicht weit her, so dass man sich die Zeit vielleicht doch besser mit dem Zählen der vielen, vielen Film-Fehler vertreibt: Da wurden sämtliche Räume und Flure der Schule offenbar frisch gestrichen, obwohl seit dem Brand vor fünf Jahren laut Handlung ja angeblich kein Mensch mehr einen Fuß in das Gebäude gesetzt haben soll (keine Brandspuren oder Explosionsschäden weit und breit!), und da tauchen auch Video-Kameras und allseits beliebte Paintball-Knarren (die sind dann später noch für einen dämlichen Gag im Finale gut), die in dem damaligen Feuer ja eindeutig hops gegangen sein müssten, in tadellosem Zustand wieder auf. Is’n Ding, oder...? Durch und durch inkompetent gemacht, wähnt man sich also auch aufgrund der abstrusen inhaltlichen Details beinahe schon in einer Parodie, dazu passt dann auch der von Tony Arunah Abbey gemimte schwarze Vin Diesel-Abklatsch (Rollen-Name: "Shaft"...!), der ständig markige Sprüche ablassen darf und bei seiner ersten physischen Konfrontation mit dem Killer spontan einknickt. In der betont ernsthaften, aber dafür tempolosen und von jeglicher Logik befreiten Inszenierung durch Ian David Diaz verkommt "Fallen Angels" allerdings nur zu einem schieren Mist, mit dem man lediglich seine Zeit vergeudet. Außer Spesen nix gewesen. Und in der deutschen Fassung, die absolut unbeteiligt und zu allem Überfluss auch noch sinnentstellend synchronisiert wurde (aus "Tom Craven" wird da "Tom Creighton", die "Holy Angels"-Mädchenschule heißt jetzt "Blackwood Halls", und auch sonst ist so ziemlich jeder Satz anders als im Original) ist das alles natürlich glatt nochmal doppelt so schlimm...

2/10

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