Die Stilrichtung des Gotik ist vor allem in Deutschland sehr beliebt. Das Leben in vorzüglich komplett schwarzem bzw. dunklem Umfeld verbringen, eigentlich nahezu ausschließlich gruselige Musik und Filme schauen und sich einmal im Jahr zu einem großen Treffen mit Gleichgesinnten in Leipzig treffen, dass gehört für manchen einfach zum Leben dazu. Deswegen allerdings von einigen schräg beäugt zu werden und als "Todesfanatiker", "Satansfanatiker" o.Ä. verschrieen zu werden, ist definitiv ungerecht. Denn trotz alledem sind eigentlich auch die Goths größtenteils nette und normale Menschen. Aber natürlich gibt es auch bei ihnen Ausnahmen und um so eine Ausnahme dreht sich "Goth", in der eine blutdürstende Gotik-Fanatikerin auf einen blutigen Feldzug geht. Leider aber ist dieses Amateurfilmchen dennoch Schrott vor dem Herrn, wenn auch nicht ganz fazinationslos.
In "Goth" dreht sich logischerweise alles um die Szene und bietet genau das, was man als Goth eigentlich durchaus leiden könnte. Die Geschichte handelt, wie schon erwähnt, von einer Gotik-Fanatikerin namens "Goth", die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Gotik-Jünger zu bekehren und auf ihre blutrünstigen Pfade zu geleiten. Denn aus ihrer Sicht ist ein wahrer Goth nur jemand, der keine Scheu davor hat, andere Menschen zu quälen, zu peinigen und durchaus auch aus Spaß umzubringen. Dieses mal hat sie sich dafür den Gotik-Frischling Chrissy sowie deren Freund Boone ausgesucht. Zuerst läuft auch alles soweit nach ihrem Plan, doch als Chrissy erkennt, dass Goth die Mörderin ihrer Schwester ist, will sie blutige Rache nehmen... Ja, die Geschichte hätte durchaus etwas werden können, denn so schlecht ist sie gar nicht mal durchdacht. Es gibt düstere Figuren, einige schaurige Ideen und natürlich alles, was das Gotik-Herz so begehrt. Die Geschichte spielt nahezu komplett in dieser Szene und hätte deshalb ideal als guter Gotik-Film Erfolg haben können. Leider happert es allerdings gehörig an der Umsetzung.
Denn diese ist, milde ausgedrückt, übermäßig beschissen. Gut, von einem Amateur-Filmchen sollte man nie allzu viel erwarten, doch hier steckt leider keinerlei Talent drin, was man hätte ausbauen können. Angefangen bei der Ausleuchtung, die so furchtbar mies geraten ist, dass sie keinerlei Atmosphäre versprühen könnte. Man wollte den Film, verständlicherweise, durchgehend duster ins Licht rücken, doch so eine schlechte Ausleuchtung wie hier, verursacht eher gehörige Augenschmerzen, als das man davon irgendwelche Gruselgefühle erhalten könnte. Danach die schaurige Auswahl der Locations. Der Goth-Club zu Beginn des Films mag ja noch einigermaßen angehen, doch sobald sich das Treiben in Goths Van verlagert, geht einem die öd einseitige Umgebung bald gehörig auf den Senkel. Zumal die einzige Raumausstattung hier aus unterschiedlichen Totenköpfen besteht und man deshalb irgendwann auch Zweifel hegt, ob dies wirklich der einzige "Raumschmuck" ist, den sich so manches Szenenmitglied wohl in die Wohnung, bzw. ins Auto stellt. Ich denke mal, da gibt es doch so einiges mehr, was ebenfalls ansprechend daher gekommen wäre.
Und auch die restlichen Inszenierungspunkte geben leider absolut nichts her. Die Kameraführung ist extrem verwackelt und hat mitunter fascht schon Blair Witch-Qualitäten, nur das man hier ja eigentlich keinerlei Authensität mit Wackel-Kamera aufbringen wollte. Die Schnitte sind grausig und so mancher Spezial Effekt, wie Traumüberblendungen etc., wirkt einfach nur furchtbar dillethantisch. Allerhöchstens die wenigen Bluteffekte zwischendurch können noch so etwas wie Überzeugung auffahren, denn diese sind, wie so oft bei Amateur-Produktionen, noch das Beste am ganzen Film. Natürlich geht es hier in keinster Weise zimperlich zur Sache, dass Blut fliest, wenn es fliest, in Strömen und das auch durchaus in Lebenssaft ähnlicher Farbe. Desweiteren können sich zudem die Arbeiten aus der Maskenabteilung sehen lassen. Vor allem Goth sieht wirklich so aus, wie man sich ein zutiefstes Szenenmitglied vorstellt. Schade das da der Score wieder komplett einbricht.
So richtig gruselig wird es dann allerdings, wenn man auf die Darstellerleistungen zu sprechen kommt, denn diese sind nun leider dem Genre vollkommen ebenbürtig, sprich dilettantisch bis zu letzt. Kennen tut man die Gesichter, vielleicht mit Ausnahme von Phoebe Dollar, allesamt nicht, weder als Gotik-Freund und schon gar nicht als Außenstehender. Aber selbst dafür wirkt deren Darstellerleistungen durchgehend hölzern und vollkommen lustlos. Und wenn es ums Dialoge aufsagen geht, wird es erst recht schauderhaft, denn die dusseligen Worthülsen gehen den Darstellern auch noch völlig emotionslos von den Lippen. Hier kann wirklich nur sagen, bitte nie wieder vor die Kamera treten.
Fazit: Durchaus gut gemeinter, aber leider völlig versiebter Horrorschocker aus dem Gotik-Bereich, der zwar durchaus eine (fürs Genre) nette Geschichte hat, aber diese in jeder Hinsicht vollkommen unzureichend umsetzt. Das Drehbuch ist Müll und die Inszenierung so gewollt dunkel und schusselig geraten, dass man wohl nicht einmal als Szeneanhänger seinen Spaß daran haben könnte, da einem wohl eher bald die Augen schmerzen, als das man so etwas wie Atmosphäre verspürt. Auch wenn die gekonnten Splattereffekte, sowie die gelungene Arbeit aus der Maskenabteilung, den Film vor dem absoluten Tief retten kann, so muss man sich diesen Streifen dennoch nicht wirklich antun. Lieber zum X-ten Mal zum Szenentreffen nach Leipzig reisen, da hat man dann doch mehr davon.
Wertung: 2,5/10 Punkte