Review

Hätte das uneheliche Kind von Herschell Gordon Lewis und einem frühen Peter Jackson von Troma den Auftrag erhalten, einen Film wie Aftermath zu drehen, Cheerleader Autopsy hätte herauskommen können. Dieser Film ist weder das eine noch das andere, irgendwo grenzdebil und dann wieder verschmitzt durchdacht, übermäßig blutig und doch auf schreiend komische Art harmlos. Dabei fragt sich der geneigte Kunde in Anbetracht der Gestaltung zunächst, wie Stu Dodge es in seinem Debütfilm schaffen will, den Bogen vom vermeintlichen Teenslasher zur Autopsie zu spannen.
Nun, eigentlich muß man den Film eher als eine Art politisch inkorrekten Re-Animator ohne Reanimationen mit einem Schuß Blood Diner verstehen. Eine wegen der jugendlichen Animierdamen erwartete Schlitzerhandlung bleibt erstaunlicherweise aus.

Was zunächst wie eine Cheerleader Komödie mit leichter Satire amerikanischer Kultur und Pupskomik, gewürzt von neckischen Oben - Ohne und Spanking Einlagen, wirkt, entwickelt sich schnell so anders, daß es mir vermutlich selbst mit diesen Zeilen nicht möglich sein wird, die eigentliche Rezeption des Zuschauers einzufangen. Absolut an den Haaren herbeigerissen, möchte der Trainer seine Girls bei einer technisch bedingten Buspause auf ihrer Reise zu einem Cheerleading Wettbewerb zu einem spontanen Training bewegen. Ein Hinterwäldler ballert sich in diesem Moment die Birne weg und verursacht gleichfalls die ausschlaggebende Katastrophe, die den gleichzeitigen Sheriff und Gerichtsmediziner des nahegelegenen Kaffs auf den Plan rufen wird: Alle tot.
Hier werden wir nun also erstmalig mit den einmalig dilettantischen Effekten konfrontiert, die zwar relativ viel explizit zeigen, aber immer klar als Puppen und Plastik zu erkennen sind, so daß selbst Deutschland eine FSK 16 Freigabe herausrücken würde. Sogar eine postmortale Entbindung kann man aufgrund des Kunststoffcharakters einfach nicht ernst nehmen. Eine erstaunliche Erfahrung für denjenigen, der bisher glaubte, Splatterkomödien würden den Zuschauer eben aufgrund des hohen und vermeintlich realistischen Gewaltanteils reizen. Dem ist nicht so. Was hier klar herausgearbeitet wird ist schwarzer Humor und siehe da, Cheerleader Autopsy funktioniert genauso prima als hätte Tom Savini persönlich für ein anatomisch korrektes Erlebnis gesorgt.

Dodge konfrontiert seinen Zuschauer mit einem klassischen "was wäre wenn" Szenario, bei dem die Leichen in der Obhut des oben erwähnten Sheriffs ganz seiner Beurteilung unterliegen und die ist bei einem Griff zum $ 3 Import Bier aus dem Kühlfach der Gerichtsmedizin, daß man ein fehlendes Nein der Patienten als Ja zu interpretieren und daß er bei einer natürlichen Todesursache weniger Formalitäten zu erledigen habe, was ihm ermöglicht, die Körper innerhalb 24 Stunden als verbrannt zu deklarieren, ohne eine Nachforschung befürchten zu müssen, während er das Fleisch an die Hundefutterfabrik verkaufen kann.
Wem insbesondere bei der schemenhaft an Return of the Living Dead 3 und Dellamorte Dellamore erinnernde Rahmenhandlung um die Beziehung zu einem scheinbar noch lebendigen Körper und dem psychisch etwas speziellen Handlanger, der sich an einer Leiche Zwecks auto - operativem Schwengelaustausches bedient, das Wasser im Munde zusammen läuft, den muß ich dann aber hier auch schon wieder etwas bremsen. Cheerleader Autopsy funktioniert zwar wunderbar als unterhaltsamer C - Movie, kommt aber in der Gesamtwirkung längst nicht an die Klasse anderer kostenextensiver Perlen wie Bad Taste heran. Dies sollte den bevorzugt Trashfilm erprobten Interessenten jedoch nicht daran hindern, diese schräge Interpretation der amerikanischen Gesellschaft trotz einiger Unebenheiten zu konsumieren. Da sind wir schlimmeres gewohnt - zum Beispiel They Don't Cut The Grass Anymore - und tun es uns für ein bisschen mehr skurile Unterhaltung gerne an, halt nur ungern in falscher Erwartung. Und nun husch, husch zum Händler eures Vertrauens, denn dieser Film wird vielleicht nicht euer Fave, aber eine Begegnung ist schon fast zwingend erforderlich.

Details
Ähnliche Filme