ABTEILUNG:
Wer kennt das nicht?
Da verspürt man mal wieder die dringliche Lust in einer schön altmodischen Geisterbahn zu fahren und es befindet sich kein Kirmes in der Nähe.
Hintergrund:
Der Achtungserfolg von Lamberto Bavas "Dämonen" und dessen Sequel lag bereits ein paar Jahre zurück und der italienische B-Horror bewegte sich auch schon zielsicher auf den absteigenden Ast zu.
Was lag da näher, als ein paar lukrative Aufträge des italienischen Fernsehens anzunehmen und eine Serie von salonfähigen Gruselfilmen für ebendiese zu drehen?
Vier lose Filme sollte diese Serie dann letztenendes umfassen (den italienischsprachigen unter uns auch besser bekannt als "Lamberto Bavas Brivido Giallo"), welche vom italienischen RAI gegen Ende der 80er in unregelmäßigen Abständen ausgestrahlte wurde.
Der nun vorliegende (dritte???) Teil der Serie, "Die Gruft", befasst sich mit fünf Teenagern, die sich mit ihrem Kleinbus in der südländischen Pampa verirren und in einer Geisterkneipe (!) dem Tod persönlich (!!) in die Hände fallen.
Handlung:
Schon die allerersten Filmminuten machen hier klar mit was wir es zu tun haben:
Fröhlich schallt dem geneigten Zuschauer typischer 80er Jahre Plastik Wave entgegen, ein zugesprayter Kleinbus (Madonnas Gesicht und das Judas Priest Logo inklusive) fährt vor und fünf verdammt coole italienische Jugendliche (mit Sonnenbrillen, Dauerwellen und Walkman bewaffnet, die aber alle auf noch viel coolere englischsprachige Namen hören) steigen aus um in einem Supermarkt mal ein bisschen zu klauen (was natürlich bemerkt wird).
Der Film verliert keine Zeit und auf der Flucht vor dem tobenden Ladenbesitzer (meines Wissens gar ein Cameo von Meister Bava Himself) und den Carabinieri (= ital. Polizei) verirrt man sich auch schon in einer Wildnis, die von Wolfsgeheul und Nebel durchzogen ist.
Der Kleinbus bleibt freilich im Matsch stecken uns so sind unsere jugendlichen Helden auch schon bald dazu gezwungen, die rasch anbrechende Nacht in einer verfallenen Kirche zu verbringen.
Unterhalb der Kirche befindet sich eine wenig gemütliche Geisterkneipe, deren grimmiger einäugiger Wirt (der mich so verdächtig an den Musikfachhändler meines Vertrauens erinnert) den Teenagern vorschlägt eine Nacht in der von Spuk heimgesuchten Krypta zu verbringen und im Gegenzug einen großen Goldschatz zu erhalten.
Gesagt getan - doch bald schon verirren sich unsere Freunde in dem unterirdischen Labyrinth und schließlich fällt der allesentscheidende Satz "Was, wenn wir alle schon tot sind?"...
Analyse:
Genauso grenzdebil wie sich die Handlung liest ist das Drehbuch tatsächlich, nur tut das dem Spaß nicht den geringsten Abbruch - im Gegenteil!
"Die Gruft" stellt ein absolutes Kuriosum dar, ist es doch der einzige "Wohlfühl Gruselfilm" den ich kenne.
Hier werden Klischees bedient und gleichzeitig dekonstruiert.
Sei es die herrliche 80er Atmosphäre, der alberne Versuch dem ganzen einen US-Anstrich zu verpassen, die wenig überzeugenden Darsteller, die wunderbar altmodischen, von Spinnweben und Nebel durchsetzten Sets oder die vollkommene Absenz von Gewalt.
Kein einziger Teenager kommt im Verlaufe des Films zu Schaden, Zombies eiern lieber stöhnend durch die Gegend und begrappschen andere Zombies statt die Eindringlinge anzugreifen, dinnierende Tote (von denen einer ein T-Shirt der Band KISS trägt!) an einer ekligen Tafel à la "Tempel des Todes" haben vor den Jugendlichen so große Angst, dass sie sich in ihre Särge zurückziehen und der Gevatter Tod selbst lässt sich, nachdem er sich einmal offenbart hat, mit einem ordinären Dolch aufhalten.
Und trotz der verhältnismäßig harmlosen Handlung kommt dank der atmosphärischen Inszinierung und der tollen Ausstattung so etwas wie wohliger Grusel auf.
Das Spiel der Jungdarsteller ist, wie bereits erwähnt, eher bescheiden, allerdings kommen die Dialoge erstaunlich natürlich und wenig gekünstelt rüber.
Auch die Synchro ist gelungen.
Bei dem Soundtrack handelt es sich (das Nostalgikerherz macht einen Sprung) um klassischen Italohorror Synthiescore vom allerfeinsten.
Auch wenn sich der wenig überraschende Plottwist viel zu früh ankündigt (unsere jungen Freunde sind in Wirklichkeit auf ihrer Flucht von der Straße abgekommen, der Bus liegt zertrümmert im Graben und bei der Wette mit Gevatter Tod geht es in der Tat um die eigenen Seelen) und sich alle Beteiligten retten können, so kann man diese kleine Schwäche dem Film nachsehen, während man immer noch in angenehmer 80s-Italo-Grusel-Atmosphäre schwelgt.
"Die Gruft" ist ein Film, wie eine schöne Erinnerung an die Jugend in den 80ern:
Bunt, atmosphärisch, albern, harmlos aber mit viel Herz.
Beileibe nicht der beste Film aller Zeiten, an den man auf gar keinen Fall mit den falschen Erwartungen rangehen darf - wenn man sich darauf einlässt aber ein Riesenspaß.
8 von 10 obernostalgischen Dauerwellen