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Jean-Christoph Grangé zum Ersten und besten. Nach seiner eigenen Novelle schreibt er das Drehbuch zu "Die purpurnen Flüsse", dem erfolgreichsten und besten französischen Thriller, in Szene gesetzt für nur 95 Millionen Franc, umgerechnet circa 28 Millionen Euro. Damit trat man eine wahre Thrillerwelle in Frankreich los, das schlechtere Sequel folgte ungefähr vier Jahre später und auch an "Das Imperium der Wölfe" war Grangé beteiligt. Dabei hat Regisseur Mathieu Kassovitz noch nicht die Gelegenheit viel Erfahrung in diesem Genre zu sammeln, aber legt hier mit Abstand den Höhepunkt seiner Karriere hin. Drei Jahre später drehte er den Flop "Gothika" mit Halle Berry. Danach verschwand er in der Versenkung.

An einer Elite-Uni in den französischen Alpen wird die grausam zugerichtete Leiche eines Studenten gefunden. Zur Aufklärung bestellt man extra Kommissaire Pierre Niemans (Jean Reno), der sich zusammen mit der Gletscherexpertin Fanny (Nadia Fares) auf die Suche nach des Rätsels Lösung begibt. Auch der junge Polizist Max Kerkerian (Vincent Cassel) ist in der selben Sache unterwegs. Er ermittelt aufgrund einer Grabschändung und trifft bald auf Niemans. Zusammen kommen die beiden dem Geheimnis der purpurnen Flüsse auf die Spur, dessen Auflösung Niemans und Kerkerian´s Leben in größte Gefahr bringt.

So etwas gibt es selten, einen durchweg spannenden Thriller, der zudem noch mit einer guten Story aufwartet. Man tappt als Zuschauer anfangs völlig im Dunkeln, nur langsam werden Indizien und Informationen zu Tage gefördert, Niemans ist bei seinen Ermittlungen schon vor Ort, während Kerkerian weiter weg ermittelt und erst in der zweiten Filmhälfte zu Niemans stößt. Daher laufen die Ermittlungen parallel. Beide kommen nur sehr schleppend voran, erleben viele Überraschungen, leider ist gerade die Auflösung etwas enttäuschend. Zu sehr hat sich Grangé hier verspinnt, so viel Wendungen wie möglich sollen vorhanden sein und daher wartet man gerade im Finale auf einen Wow-Effekt, doch die hanebüchene Lösung ist sehr simpel. Dies ist jedoch der einzige Fopa, welchen sich der Film leistet. Der Unterhaltungswert samt Spannung ist immer auf einem sehr hohen Niveau, als Zuschauer ist man gefesselt. Allein Jean Reno wegen sollte man diesen Film schauen, denn er ist in Hochform und spielt alle an die Wand. Selbst der aufbrausende Vincent Cassel, trotz kerniger Verkörperung des Kerkerian, hat gegen Reno keine Chance.

Obendrein wartet der Thriller mit jeder Menge Grusel auf. Die französichen Alpen sind eine triste, zugleich düstere Kulisse. Dem entgegen setzt Kassovitz einige tolle Natur und Gletscheraufnahmen. Richtig unheimlich ist der Score, welcher mich ein bisschen an "Shining" erinnert hat. Läuft leise, nie richtig aufdringlich, im Hintergrund mit und hat die Wirkung dem Zuschauer viele Schauder über den Rücken zu jagen. In der zweiten Halbzeit müssen sich Niemans und Kerkerian erst zusammenraufen, anfangs machen sie sich das Leben ganz schön schwer. Auch einige Actionszenen, wie die akrobatische Prügelei in der Bar, kleine Schusswechsel, Verfolgungsjagden und das Finale auf dem Berg hat der Film zu bieten. Doch in Punkto Brutalität übertreibt man es nie, nur die gefundenen Leichen sind doch recht deftig anzuschauen.

Spannender Thriller, mit bedrohlicher Kulisse, unheimlichem Score und einem grandiosen Jean Reno. Die Story selbst ist wendungsreich, fesselnd, nur das Finale enttäuscht. Aber immer noch das Maß aller Dinge, im Genre Thriller bei den Franzosen.

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