Jean Reno spielt einen gefragten französischen Kommissar, der in einem isoliert gelegenen Bergdorf einen Mord aufklären soll. Als er bei seinen Ermittlungen auf eine zweite Leiche stößt, findet er heraus, dass die Mordserie im Zusammenhang mit der dort gelegenen Elite-Uni steht, woraufhin sein Weg den eines anderen Polizisten, gespielt von Vincent Cassel, kreuzt, dessen aktueller Fall wohl mit dem Serienmörder in Verbindung steht.
"Die purpurnen Flüsse" wird oftmals als europäische Antwort auf David Finchers Meisterwerk "Sieben" bezeichnet, das mit seiner enorm dichten Atmosphäre zum Kult avancierte. Und diesen Ruf genießt der vergleichbar gute Thriller im Grunde auch zu Recht, da er weder ein Plagiat noch ein Ableger des Kultfilms ist, sondern vielmehr ein ähnlich gelungener Thriller, der mit seiner inszenatorischen und darstellerischen Virtuosität fesselt, wie kaum ein anderer.
Dabei gebührt besonders der Inszenierung von Mathieu Kassovitz, die handwerklich derart versiert ausfällt, dass es kaum überrascht, dass der französische Regisseur im Anschluss an "Die purpurnen Flüsse" in Amerika Fuß fassen konnte, Anerkennung. Von Anfang an kreiert er mit der meist düsteren Filmmusik eine dichte Atmosphäre, die auch visuell mit den dunklen Bildern unterstützt und durch einige unheimliche, mitunter auch etwas mysteriös anmutende Szenen weiter ausgebaut wird. Zudem sind vor allem die aufgefundenen Leichen verstörend aber doch faszinierend in Szene gesetzt, sodass die Auffindungen der Toten und die Aufnahmen in der Pathologie, wie bei Finchers "Sieben" auch, eine elektrisierende Wirkung entfalten, während auch die Kulisse der französischen Alpen und der merkwürdigen Uni, die in ein sehr geheimnisvolles Licht gerückt wird, einiges hermacht. Unterbrochen wird die Atmosphäre dabei zu keinem Zeitpunkt, vielmehr ergeben sich immer neue Höhepunkte und auch Schockmomente.
Narrativ wird der Plot, der auf Drehbuch und Roman von Jean-Christophe Grange basiert, derweil zügig, aber keinesfalls hastig wiedergegeben, sodass "Die purpurnen Flüsse" durchgehend spannend bleibt. Die Story überzeugt dabei zum einen durch ihre gelungene Charakterkonstruktion, so lebt der Film über weite Strecken durchaus von dem Aufeinandertreffen der beiden Ermittler, die kaum unterschiedlicher sein könnten, aber mehr oder weniger zur Zusammenarbeit gezwungen sind. Des Weiteren ist die Krimihandlung sehr spannend und undurchsichtig gestrickt, gerade, weil zwei verschiedene Ermittlungen schließlich ineinander münden, wobei eine gewisse mysteriöse Note über weite Strecken bestehen bleibt.
Die Idee mit der unheimlichen Elite-Uni entpuppt sich dabei als echter Glücksgriff und bringt das Geschehen ebenfalls weiter voran, sodass bis zum Ende ein hervorragender Unterhaltungswert garantiert ist. Die Auflösung ist dabei insofern nicht ungeschickt, dass sie alle aufgeworfenen Fragen und Vorfälle restlos aufklärt, ohne allzu konstruiert zu wirken, bietet aber auch nicht gerade einen genialen Twist auf, der "Die purpurnen Flüsse" zu einer unvergesslichen Serienkillerhatz machen würde. Ein fader Beigeschmack verbleibt dennoch kaum, da man vorher einen Thriller sehen durfte, der eine atmosphärische Dichte entfaltet, wie kaum ein anderer.
Neben der Inszenierung tragen aber auch die herausragenden Darsteller zum Gelingen des Films bei. So zeigt sich Jean Reno als professioneller, kaltschnäuziger Ermittler von seiner besten Seite und ist derart präsent, dass man sich dem französischen Darsteller kaum entziehen kann. Die unterkühlte Vorstellung passt dabei perfekt in das Gesamtkonzept des Films, während Reno auch die wenigen One-Liner, die punktuell ein wenig Kurzweil aufkommen lassen, perfekt einzubringen weiß. Nachvollziehbar also, dass er später im Sequel und in "Das Imperium der Wölfe" wieder vergleichbare Rollen übernahm. Daneben zeigt aber auch Vincent Cassel eine überragende Vorstellung, die ihm einen erheblichen Karriereschub bescherte, weswegen er auch in Hollywood einige Rollen übernehmen konnte. Die Rolle des etwas unbeherrschten, aber ebenfalls recht cool auftretenden Polizisten steht ihm gut und so präsentiert er eine makellose Leistung, die auch dem Rest des erfreulich guten Casts ohne weiteres bescheinigt werden kann.
Fazit:
"Die purpurnen Flüsse" überzeugt sowohl durch den wendungsreichen Plot, als auch durch seine grandiosen Darsteller, ist aber besonders wegen seiner extrem dichten Atmosphäre ein durchweg spannender Thriller und einer der besten europäischen Filme der letzten zwei Dekaden. Damit ist der Film, der David Finchers "Sieben" in Nichts nachsteht, absolut sehenswert.
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