Greenaway ist ein Regisseur, der denen, die ihm nichts abgewinnen können, vor allem deshalb missfällt, weil er unterkühlte, emotionslos wirkende Filme drehe (da sie von einer Distanz aufbauenden, intellektuellen Reflexionssucht - die sich in zahlreichen Zitaten, Verweisen und komplexen Spiegelungen niederschlägt - geprägt sind und zudem in genüsslich arrangierten, hochartifiziellen Prunkbildern daherkommen), während sich eine emotionale Wirkung selten (oder in den Augen einiger Kritiker: nie!) einstelle; aufgrund seines Faibles für barocke Körperwelten, das ihn schöne Körper oftmals nur mit einer Koppelung an Verfall, Entstellung, Innereien & Ausscheidungen in Szene setzen lässt - wenngleich sich auch einige oft übersehene, sinnlich-erotische Momente bei ihm finden lassen! - und einer schwarzhumorigen, ironischen Tönung seiner Filme sehen sich seine Verschmäher noch bestätigt.
"Making a Splash" mag da vielleicht versöhnlich erscheinen, denn dieser kleine Kurzfilm ist - obwohl durchaus ein bisschen elitär und von außerordentlicher Formstrenge - eine Hymne auf das Sein, lebensbejahend und heiter-ausgelassen, wenn auch mit leichter Wehmut die Vergänglichkeit von allem angesprochen wird. "Making a Splash" ist Entstehungs- & Vergehungsgeschichte der Welt, eine Geschichte des - bei Greenaway immer wieder wichtige Rollen spielenden - Wassers, dessen Bedeutung als Lebensursprung und lebenserhaltendes Element hier aufgegriffen wird.
Zu Beginn tropfen regelmäßig Wassertropfen auf eine dunkle Wasseroberfläche. Sehr schnell setzt eine rasche Montage ein, die verschiedene Bilder des Tropfens rhythmisch verknüpft und diese Klänge mit der (wie immer hervorragenden) Musik Michael Nymans untermalt. Die Tropfbewegung geht schließlich in ein Fließbewegung über, rasche Ströme, Sturzbäche und strudelnde Wirbel wechseln einander ab, bis in Unterwasser- & Überwasseraufnahmen zunächst kleine Fische, dann große Fische, Robben, Frösche, Wasserläufer, Nilpferde auftauchen, bis Greenaway schließlich bei dem Menschen ankommt: zunächst bei Säuglingen, die dem Wasser erstmals nahegebracht werden, dann bei Kindern, die sich spielerisch im Wasser ausleben. Diesen Bildern von großer Zärtlichkeit folgen die Aufnahmen junger Männer und Frauen, die nach allen Regeln der Kunst schwimmen, tauchen, von Sprungbrettern springen und Wassersportarten ausüben. Die Bilder fangen mal grazil anmutende Bewegungen ein, mal kämpferische, vitale Wucht; Nymans Musik erreicht einen emphatischen Höhepunkt, als der Film kunstvolles Synchronschwimmen, Wasserakrobatik und Busby Berkeley-würdige Choreographien einfängt: komplexe, symmetrische Muster, komplizierte Anordnungen der Figuren, die dem Ästheten und an Ordnungsprinzipen interessierten Greenaway mehrere Minuten wert sind.
Und schließlich ist alles vorbei: die Evolution ist vom stillen Wasser zum Menschen übergegangen, der Mensch ist - parallel zu seiner Entwicklung vom Säugling zum Erwachsenen im besten Alter - von unbewussten, instinktiven Strampelbewegungen zu hochstilisierter Akrobatik übergegangen, die allmählich eingeleiteten Bewegungen des Films haben ihren formvollendeten Ausdruck gefunden und schließlich versinkt wieder alles in Dunkelheit: dunkelblaue und schwarze Bilder vom Grund eines Schwimmbeckens, leer und bewegungslos. Sein ist entstanden und hat seine edelsten Formen erzielt, aber nichts war von Dauer: Schwarze Kälte steht am Ende, die Ereignisses besaßen einen Sinn nur während des Sich-Ereignens und dessen Wahrnehmung, und letztlich ist alles vergangen, ist alles egal, alles Lebendige entwichen; das fröhliche, aus dem Nichts entstandene Gewimmel ist ins Nichts zurückgekehrt, der Mensch war letztlich auch bloß ein komplexeres, etwas hübscher anzusehendes Pantoffeltierchen - und trotzdem: für die Dauer seiner Anwesenheit ein schöner & ergreifender Anblick.
In diesem Hang zum Relativieren von Sinn & Bedeutsamkeit ist diese strukturelle, sich auf den ersten Blick von Greenaways poststrukturalistisch geprägten Experimentalfilmhöhepunkten ("Windows" (1975), "Vertical Features Remake" (1976)) unterscheidende Arbeit dann doch noch Greenaways Leitmotiv der Relativität von Ordnung und Bedeutung treu geblieben; vor allem aber ist es ein Film, der trotz der wehmütig, aber humorvoll erkannten Vergänglichkeit aller Dinge die Schönheit und Zärtlichkeit des Augenblicks feiert - mittels einer sorgfältig ausgefeilten Montage und einer berauschenden Ton-Bild-Kombination zum streng erarbeiteten, poetischen Kunstwerk stilisiert. Einer der Höhepunkte unter Greenaways Kurz- und Experimentalfilmen.
9/10