Joe D`Amato, eine der wohl bekanntesten Namen des italienischen Schmuddel-Kinos, brachte 1979 einen Streifen mit dem Titel „Buio Omega“ heraus, der in Deutschland unter so reißerischen Titeln wie „Blutiger Wahnsinn“ (mit dem Vermerk „schrecklichster Film dieser Zeit“) und zuletzt „Sado – Stoss das Tor zur Hölle auf“ vertrieben wurde. Das billig produzierte Werk genießt unter Genrefans einen relativ bekannten und auch berüchtigten Ruf, der hauptsächlich auf seiner bedrückenden Thematik und seinen brutalen Goreszenen begründet ist.
Ersteres weiß da teilweise durchaus zu gefallen: Der junge Adlige Frank verliert seine Verlobte durch eine Krankheit, kann sich aber emotional von ihr nicht lösen und nimmt ihren Leichnam kurzerhand mit zu sich nach Hause. Als wäre das alleine nicht schon krank genug, präpariert er die Tote auch noch – in einer Sequenz, die man ohne weiteres mit Mumifizierungspraktiken aus dem alten Ägypten vergleichen kann und die dementsprechend auch ziemlich unappetitlich anzusehen ist. Der Rest der „Geschichte“ handelt dann im Grunde nur noch davon, wie der psychisch labile Frank unter dem Einfluss seiner herrischen Haushälterin Iris, die es anscheinend nur auf die Burg und die Ländereien der reichen Familie abgesehen hat, junge Frauen in sein Haus bringt, um deren tote Körper anschließend wahlweise durch Verbrennung oder in einem Säurebad zu entsorgen, wobei man sich in letzterem Zusammenhang fragt, wozu jemand fässerweise Salzsäure in seinem Badezimmer stehen hat. Auch ein herumschnüffelnder Privatdetektiv wurde in die ohnehin schon reichlich krude Handlung mit einbaut - dessen Präsenz ist aber wie so vieles in diesem Streifen überflüssig wie ein Kropf.
Einzig sehenswert bleibt somit das gespannte Verhältnis zwischen Frank und Iris, die den recht naiv wirkenden Sonnyboy, der aussieht wie aus einem Modemagazin entsprungen, voll unter ihrer Kontrolle zu haben scheint. Hätte D`Amato dieser Beziehung und Franks Liebeskummer mehr Aufmerksamkeit geschenkt als den plakativen Zerstückelungsszenen, hätte der Film vielleicht sogar noch einen anspruchsvollen Touch bekommen. Auch spannungstechnisch und atmosphärisch wird hier weitesgehend auf Sparflamme gekocht – erst am Ende wird es noch mal interessant, wenn die Schwester der toten Verlobten die Bildfläche betritt und den Protagonisten endgültig durchdrehen lässt. Das ganze ist schön düster und dreckig gefilmt und entschädigt zumindest teilweise für die Langeweile zuvor.
Überraschend ist allerdings, dass die schauspielerischen Leistungen von Kieran Canter und Franca Stoppi durchaus zu gefallen wissen. Vom Drehbuch schmerzlich im Stich gelassen, können die beiden aus ihren Rollen noch ein Maximum an Präsenz und Überzeugungskraft herausholen, was den Film insgesamt zwar nicht wirklich aufwertet, aber doch einen guten Eindruck hinterlässt. Ähnliches gilt für den Synthie-Score der Band Goblin, der schön anzuhören ist und das Geschehen zufriedenstellend, aber wenig stimmig, begleitet.
„Buio Omega“ ist ein weitesgehend belangloses Italo-Splatter-Vehikel mit einer soliden Grundidee und relativ guten Darstellern, leidet aber unter einer spannungsarmen und langatmigen Inszenierung, die sich zu sehr auf unnötig ausgiebig und äußerst unappetitlich dargestellte Gewaltakte denn auf Handlungs- und Charakterentwicklung konzentriert. Nur für beinharte Genrefans noch einen Blick wert.