Review

BUIO OMEGA dürfte wohl die D´Amato-Version des Hitchcock-Klassikers PSYCHO sein. In einem abgelegenen Schloß wohnt zusammen mit seiner Haushälterin der junge Aristokrat Frank, der unter anderem seine verstorbene Verlobte ausgestopft hat und auch ansonsten nicht ganz dicht ist. Zu seiner Haushälterin hat er nämlich ein fast schon inzestuös zu nennendes Verhältnis und die anderen Frauen, die er kennenlernt tötet er auf bestialische Art und Weise.

Es versteht sich natürlich von selbst, daß D´Amato lange nicht so distanziert und formvollendet an seine lose auf dem Fall Ed Gein basierende Geschichte herangeht, wie dies Hitchcock tat. Trotzdem ist BUIO OMEGA sehr atmosphärisch und streckenweise recht spannend geraten. Die Musik der Rockgruppe Goblin, die Genre-Fans vor allem durch die Filme Argentos bekannt sein dürfte, wertet den Film ebenfalls beträchtlich auf. Der Schluß ist übrigens auch recht lustig geraten, verraten wird hier jedoch nichts...

Problematisch ist hingegen die graphische Intensität der gezeigten Tabuverletzungen. So wird ausführlich gezeigt, wie Frank seine Verlobte präpariert, die Morde sind an Sadismus kaum zu überbieten und werden darüberhinaus in quälender Länge vorgeführt, und die abschließende Entsorgung der Leichen ist ebenfalls nichts für einen schwachen Magen. Hinzu kommt wie bereits erwähnt eine durch und durch kranke Geschichte um Nekrophilie und Inzest, sowie generell ein gestörtes Verhältnis zu Frauen. Verständlich, daß der Film dann auch der Staatsanwaltschaft besonders gut gefallen hat, die ihn prompt bundesweit beschlagnahmte.

Schade eigentlich, denn trotz ekelerregender Schauwerte wie ausgerissenen Fingernägeln, entnommenen Gedärmen und einem Säurebad zur Leichenteilentsorgung, zählt BUIO OMEGA wohl zu den besten Filmen D´Amatos. es wird gekonnt mit den Versatzstücken der klassischen Gothik-Novel gespielt (Frank beißt einem seiner Opfer gar wie ein Vampir in den Hals) und nebenher ein gekonnter Einblick in die dunkelsten Winkel der Perversion und Dekadenz geboten; D´Amato wurde nach diesem Film von den Schreiberlingen eines Horrorlexikons gar selbst ein Besuch beim Psychiater angeraten. Andererseits macht aber gerade die Tatsache, daß D´Amato hier etwas formales Geschick durchblicken läßt den Film so erschreckend intensiv und schwer verdaulich.

Abschließend bleibt zu sagen, daß BUIO OMEGA längst nicht so schlecht ist wie sein Ruf. Er ist zwar ein Billig-Schocker, der reißerisch, plakativ und ziemlich frauenfeindlich mit den letzten Tabus umgeht, doch innerhalb seiner Preisklasse ragt er durchaus positiv aus dem Angebot heraus. Er war eben wie auch William Lustigs vielgeschmähter MANIAC seiner Zeit zu weit voraus und kann wohl zu recht als einer der kränksten Psychothriller bezeichnet werden.

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