Review
von Leimbacher-Mario
Traumwandlerische Taxidermie
In dieser bizarren und berüchtigten Kreuzung aus Alptraum und einer makabren Menage-a-Troi folgen wir einem reichen Muttersöhnchen, der den tragischen Tod seiner Freundin mit nekrophiler Geschicklichkeit und fehlenden gesellschaftlichen Normen umgehen will - doch dabei gerät er immer weiter in eine modernde Spirale aus Leichen(flüssigkeiten), Kummer und Einsamkeit…
Später geraderaus Pornoregisseur, zuvor sich auch schon mit Nackedeis wie Laura Gemser als „Emanuelle“ einen Namen gemacht. Doch so richtig dankbar, dass es den guten alten Joe D'Amato gab, sind wir Schockrocker natürlich wegen schlimmen Dingern wie „Antropophagus“, „Absurd“ oder eben „Buio Omega“. Dieser Letztere ist klar „Psycho“-inspiriert und dabei atmosphärisch und inszenatorisch sicher D'Amato at the top of his game. Besser und dichter wurd's nicht. Ein ganz unangenehmer und doch morbide-humorvoller Film zwischen fehlgeleiteter Romantik, ewigem Tod und einer legendären Leichensuppe. Natürlich muss der eigene Humor für Normalos schon deutlich schräg hängen, wenn man hier lacht. Natürlich wird auch nicht alles vom guten Pornojoe genau so akzentuiert und geplant gewesen sein. Aber es ist eben die Wirkung auf mich. Ohne die meisten seiner Schocks zu sehr zu schmälern. Für viele mag das alles Müll sein - und oft nicht im eher positiven Sinne unserer modernen Filmanschauung. Taucht man in diese fiese Ursuppe allerdings aufmerksamer, wohlwollender und offener ein, kann „Buoi Omega“ schon fesseln bis entzücken. Wäre mir diese bunte Tüte an Perversitäten jedenfalls damals im Bahnhofskino zufällig vor die Flinte gekommen - ich kann nicht garantieren, dass ich den eigentlich eingeplanten Zug bekommen hätte. Sei es wegen den einlullend-genialen Goblinklängen, wegen den hübschen (wenn auch meist toten) Damen oder einfach seiner magisch-schmutzigen Stimmung, als hätte man die Gebrüder Grimm süditalienisch und in einem Sack voll Krankenhausabfällen wiedergeboren. Selbst wenn das Tempo gewöhnungsbedürftig sein kann.
Fazit: „Buio Omega“ ist kein Funschocker. Und dennoch hat er seine kurios-schmutzigen Seiten, die gleichwohl zum Schmunzeln wie Schaudern einladen. Schmuddeliger kam Italokino selten. Verboten, verkannt, verbannt.