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Der Jungadelige Frank von Sager, Freizeittaxidermist und hauptberuflicher Erbe, verliert binnen kürzester Zeit sowohl seine Verlobte als auch seinen Verstand: Iris, seine intrigante, nach des Dienstherren Erbe gierende Haushälterin und Ersatzmutter sandte die gesundheitlich schwer angeschlagene Schönheit jüngst per Haushaltsvoodoo über die Wupper und pirscht sich nun in erbschleicherischer Absicht an den trauernden Sunnyboy ran. Doch sie hat die Rechnung ohne die aufkeimende Nekrophilie des jungen Burschen gemacht: in seiner recht eigenen Auffassung von Trauerarbeit präpariert Frank seine geliebte Anna, die fortan wieder im gemeinsamen Schlafzimmer wohnt. Fortan muss sich der frischgebackene Witwer neugieriger Polizisten und unliebsamer Zeugen Annas wundersamer Rückkehr erwehren, die wahlweise abgelenkt oder fachgerecht beseitigt werden wollen. Als auch Annas Zwillingsschwester hinter das Geheimnis zu kommen droht und Iris auch diese umbringen will eskaliert die Situation endgültig...


In den Händen eines anderen Regisseurs hätte daraus eine unerträgliche Bad Taste - Comedy modernen Zuschnitts werden können. Über die Erträglichkeit des Filmes lässt sich mutmaßlich sehr intensiv streiten, die Ernsthaftigkeit von Joe D'amatos Quasi-Remake der bereits mit einem jungen Franco Nero verfilmten Prämisse ist aber trotz des manchmal unfreiwilligen Humors nicht zu leugnen. Erntshaftigkeit ist trotz der Qualität bitte nicht mit künstlerischem Anspruch zu verwechseln, den der selbst ernannte Geschäftsmann D'amato laut eigener Aussage nie hatte.


Dennoch wirkt der Film gerade im Vergleich mit D'amatos folgendem Regiestreich durchdachter und hochwertiger: statt einem recht farblosen Kannibalen bei der Jagd zuzusehen lernen wir den labilen Frank zumindest etwas kennen und sehen über den Zeitraum des Filmes seine Verwandlung vom Trauernden zum Serienmörder, auch wenn die Darstellung dieser Wandlung bestenfalls mit Küchenpsychologie erklärt wird.

Die gezeigten Taten sind dann auch insgesamt wesentlich sadistischer und schwerer zu ertragen als die Hackfleischeffekte aus Man Eater. Mir zumindest geht die schmerzhafte Zwangsmaniküre der hippieesken Anhalterin immer näher als das Beil im Touristenschädel im Anfangsmassaker des oben genannten Filmes. Die folgende Leichenbeseitigung zeigt zudem recht gut den Unterschied zwischen den beiden Hauptfiguren auf: während Frank seinem nun toten Gast zwecks Leichenentsorgung ein krampf - und gewebelösendes Säurebad einlässt und sich dabei angewidert von Iris abwendet, welche den Kadaver für ihn zerlegt, erfüllt diese ihre Aufgabe mit der Gleichgültigkeit eines Metzgers. Die Tatsache, dass er sich beim anschließenden Mittagessen unter dem Eindruck des Gesehenem deutlich hörbar übergibt während Iris ihn dafür verhöhnt zeigt deutlich, dass Frank im Gegensatz zum Inselkiller aus dem zu diesem Zeitpunkt noch kommenden D'amato-Werk keine abgestumpfte Bestie ist. Noch nicht zumindest. Iris' absolutes Desinteresse daran, Frank auf den dringenden Handlungsbedarf bezüglich seines psychischen Verfalls hinzuweisen, sondern diesen Umstand vielmehr zu dessen Erpressung zu nutzen unterstreicht diesen Negativeindruck von ihr noch zusätzlich, während man mit Frank, der sich nach seinen Taten stets schockiert zeigt, zumindest teilweise Mitleid empfindet.

Einige andere Szenen wiederrum wirken unfreiwillig komisch. Das Rausbaumeln des Leichenarmes in Franks Kleintransporter, das schlechte Englisch der Anhalterin in der deutschen Synchronfassung, Annas Leiche, die brettsteif aus dem Kleiderschrank fällt und andere Momente verderben einem zwar den Film nicht komplett, aber kratzen doch etwas an der Atmosphäre.

Untermalt werden all diese Geschehnisse im Übrigen von einem ungewohnt funkigen Soundtrack der Rockgruppe Goblin, Dario Argentos langjähriger Hofkapelle, die hier ihrem Stammregisseur erstmals fremd gehen. Der insgesamt gute Soundtrack entfaltet seine Wirkung jedoch nicht in jeder Szene wie gewollt: Annas Exhumierung mit dem eher nach fetzigen Discotanzeinlagen schreienden Main Theme zu unterlegen ist eher unpassend gewählt, während die Durchsuchung von Franks Schlafzimmer dadurch einigermaßen stimmig untermalt wird. 

Bei allem Positiven, was über den Film zu sagen ist kehre ich dennoch öfter zum deutlich schwächeren Man Eater zurück, einfach, weil überzogener Kannibalenschlock sich leichter wegguckt als Franks quälende Trauer und sein daraus resultierender psychischer Abstieg. Der Film erreicht nie die Qualitäten eines hitchcock'schen Psycho, aber für das, was er letzten Endes sein will - goriges Psychofutter für den abgebrühteren Teil des damaligen Horrorpublikums - ist dieser Gang durch das titelgebende Tor zur Hölle vollkommen in Ordnung. Kein Kunstwerk, aber ein solides Kommerzprodukt italienischer Exploitationfilmkunst. 

Zum Glück hat Andreas Schnaas, der einst einen anderen beliebten D'amato - Titel als Neuverfilmung verhunzte, nicht versucht, diesen Film durch seinen Remakefleischwolf zu drehen. Dafür ist er nämlich eindeutig eine Nummer zu groß.Der Film, nicht Schnaas.

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