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Aus Fay Weldons rabenschwarzem Racheroman ist unter den Händen von Susan Seidelman eine grelle Komödie geworden, die spektakulär in allen Belangen übertreibt und trotzdem eine ganze Horde von bissigen Gags auf den Zuschauer losläßt. Die sind allerdings grob und finster genug, um gängige bis harmlose Zuseher abzuschrecken.

Interessanter- oder vielleicht sogar unfairerweise ist der She-Devil des Titels aber gar nicht die sonst in ihrer TV-Serie so monströse Roseanne Barr, sondern die vollkommen schrill vom Leder ziehende Meryl Streep, die so eine Rolle wohl noch nie hatte.
So gerät der Rachefeldzug gegen den eigenen Ehemann eher zu lässig nebenbei erledigten Angelegenheit, während die Zerstörung der Mary Fisher viel mehr und auch genußvoller ausgeschöpften Raum einnimmt.

Allerdings ist auch die Gewichtung der Charaktere danach: während Ehemann Bob einfach nur ein von seiner unattraktiven Frau abgestoßener und gelangweilter geiler Bock ist (zugegeben, das verlangt nicht wirklich viel Einfallsreichtum), ist sein Abstieg, der ihn bis ins Gefängnis führt, nur ein Nebenstrang, der sogar mit einer versöhnlichen Note endet.

Aber was ist Mary Fisher für eine großartig hassenswerte Figur: die reiche Romanautorin, die fernab aller Probleme und Nöte, jenseits der Realität, in ihrem weißen Landhaus aus dem Traumländle hockt, dort einen Diener für sexuelle Gefälligkeiten, viele weiche Halstücher und einen Pudel besitzt, ihr Alter gefälscht hat und sämtliche störenden Elemente aus ihrer Wunschwirklichkeit entfernt hat, bekommt den Gegenwind voll ins Gesicht.
Und das gönnt man ihr. Die Kinder ziehen ein und richten Chaos an, der Pudel stirbt, die Mutter, die unter Drogen im Heim war, kehrt zurück und die Presse bekommt von der Vergangenheit (geschweige denn dem Alter) der Fisher Wind.
Ob ihr diese Behandlung nicht letztendlich gut tut, läßt der Film offen, doch es steht zu befürchten, daß wahre Erhabenheit auch das überwinden wird.

Der Film vermeidet die finstere Konsequenz des Romans, der Fisher schließlich sterben läßt, an Kummer und einem Tumor, unversöhnlich bis in die letzte Zeile. Stattdessen bekommt der Film eine Rundung, die mehr ein aufmunternder Aufputsch an alle sich wertlos fühlenden Frauen ist. Auch sie können alles schaffen, sonst gibt es hier keine Moral, nur Spaß an der perfiden Rache.

Streep chargiert zwar auf Teufel komm raus, so daß der Realitätssinn sofort zum Fenster raus geht, dafür hält sich Roseanne mit Mut zu noch mehr Häßlichkeit umsomehr zurück. Begley ist bloß ein Chiffre für betrügerische Ehemänner, während die schön vom Leder ziehenden Linda Hunt (als Altersheimaufseherin) und Sylvia Miles (als Mary Fishers proletarisch-herbe Mutter) ein Fest sind.

Trotz der häppchenhaften Struktur weist der Film einen soliden Spannungsboden auf, der zumeist von der Frage getragen wird, wie weit es der Film noch kommen lassen wird. Und das ist verdammt weit. (7,5/10)

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