Review

Den meisten modernen Vampirfilmen fehlt schlichtweg der Biss, der Charme und die Atmosphäre klassischer Stoffe wie die aus dem Hause Hammer.
Neuzeitliche Beißer zeichnen sich eher durch schnelle Action und Akrobatik aus, siehe „Underworld“ oder „Blade“, jedoch, die meisten Aufgüsse bieten auch in dieer Hinsicht keine Abwechslung.
„Out For Blood“, - der wagt mal was, nämlich die Dreistigkeit, sämtliche Vampirfilmklischees der letzten 20 Jahre zu bringen, ohne dabei mit der Wimper zu zucken und sich dabei auch noch unglaublich ernst zu nehmen.

Die Story ist einem kurz vorher bei „Cold and Dark“ fast genauso untergejubelt worden:
Cop sucht vermisste Frau, die ist ein Vampir, er wird gebissen, mutiert ebenfalls zum Vampir, doch bevor dies vollendet ist, will er mit Hilfe seiner Ex den Obervampir töten, um die Verwandlung zu stoppen.

Oh je, scheinbar kommt kein moderner Vampirfilm ohne Gothic-Disco aus, serviert uns Mucke zwischen „Marilyn Manson“ und „Nine Inch Nails“, dazu ein paar Latex-Weibsken, die alle nur das eine wollen, im Hintergrund mindestens 538 Kerzen und neben der Disco gleich die leerstehende Fabrik, in der eine Pimper- und- Blutorgie steigt.
Wer das noch nicht gesehen hat, kennt tatsächlich nur die alten Christopherle-Beißer.

Hier wird keine Vorhersehbarkeit, kein Klischee, aber auch keine Peinlichkeit in Sachen Inszenierung ausgelassen.
Leuchtende Klüsen läuten das Unheil ein, manchmal sind die Kontaktlinsen auch als solche erkennbar, die teilweise glänzenden Latexmasken sind so richtig lieblos auf die Komparsen geklatscht worden und zu allem Überfluss wird Hauptfigur Cop Hank (Kevin Dillon) von Doktor Tod persönlich gebissen (zumindest habe ich mir den als Kind so bei den John Sinclair Hörspielen vorgestellt).
In Wahrheit ist seine Erscheinung aber ein Bild der Lächerlichkeit, die Maske trug ein früherer Schulkollege bereits in den 80ern zu Karneval.

Nur ein paar selten blöde Dialoge, die selbstverständlich ernst gemeint sind, bringen ein wenig Schmunzeln („Du solltest mal den Meister sehen, der ist über 700 Jahre alt“).
Herrlich konstruiert auch die Figur der Ex des Helden. Die schreibt nämlich seit eh und je Vampirbücher und weiß alles über die Untoten, mit dem jüngsten Erguss erscheint sie sogar in einer TV-Talkshow und folgerichtig kann sie dem vollkommen unbedarften Hank in jeder Szene sagen, was er zu tun hat, weil der erstmal sämtliche Schusswaffen entleert, bevor er kapiert, dass die nichts bringen.
Das wird nur von der Einfallslosigkeit übertroffen, dass eben doch nur die seit 100 Jahren bekannten Waffen wie Weihwasser, Knoblauch und Kruzifix helfen.

Nun denn. Hank wird gebissen, Polizeichef und alle anderen glauben kein Wort seiner Erlebnisberichte, nur Ex Susan (die im Übrigen so aussieht, wie „Buffy“ in 20 Jahren) steht ihm zur Seite, weil sein Spiegelbild nicht mehr erscheint. Zuvor veranstaltet sie natürlich den größten Terz, von wegen neuer Freund, Teititei, in Ruhe lassen und feine Dame und heruntergekommener Cop. Kurz darauf, von einer Sekunde auf die andere, die komplette Selbstaufopferung, selbst in todbringender Gegenwart eines Vampirpärchens.

Auch nett, und tatsächlich eine kleine Innovation, sind die beiden Wachmänner des Krankenhauses, in dem die Vampire tagsüber schlafen. Diese sind nämlich Gespenster in Menschengestalt. Im Film wird tatsächlich der Begriff „Gespenster“ gebraucht, wie geil.
Jene sind nicht ganz so stark wie ihre Vorgesetzten, haben aber auch leuchtende Äuglein und leicht übermenschliche Kräfte.
Im Zusammenhang mit diesen gibt es immerhin einen zaghaften Anflug von Action, der im weiteren Verlauf komplett ausbleibt.
Blut-FX-technisch sieht man ohnehin nur einen einzigen Kopf rollen, was okay aussieht im Vergleich zu den übrigen Effekten.

Ansonsten kann der Verlauf der Geschichte in überhaupt keiner Hinsicht überraschen, zugleich auch nicht ansprechen.
Die Vernichtung der Vampire beginnt natürlich erst kurz vor Sonnenuntergang, überhaupt, die Vampire sind einfach da und haben keinen erklärenden Hintergrund und am Ende will man uns mit einem Plot-Twist überraschen, der bereits nach Hälfte der Laufzeit vorhergesagt wurde.

Spannend ist das zu keiner Zeit, die Darsteller sind nur bessere Statisten und auch Matt Dillons kleiner Bruder Kevin hat lediglich das Augenbrauen hochziehen von seinem besser agierenden Verwandten mitbekommen.
Die Story ist schlicht belanglos, bringt keine Höhepunkte, keine erbaulichen Ideen.
Und ob ich mir nun Alufolie ins Auto packe, weil ich von einem Blutsauger attackiert wurde, oder Blut spucke, weil mir das Bier in Dosen nicht mehr bekommt, - das Dasein eines Vampirs wurde auch schon mal leidenschaftlicher dargestellt.
3 von 10

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