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Road House 1989 -Der mit den Prolls tanzt

Ein Mann kommt in die Stadt. Viele Worte hat er nicht übrig, weder für das Kaff, noch die lokalen Säufer und Schläger, die die einzige Kneipe bevölkern. Schnurstracks steuert er den Tresen an, ordert einen Kaffee und beobachtet teilnahmslos das prollige Treiben. Auf durch unterbelichtetes Machogehabe motivierte Pöbeleien muss er nicht lange warten. Seine Reaktion hätte auch Clint Eastwood gefallen. Der Eisschrank nebenan bekommt jedenfalls ernsthafte Konkurrenz. Und die Fans lakonischer Oneliner kritzeln eifrig in ihre Notizbücher. 

Der Lange Ritt zum Kultfilm

Was wie das erste Kapitel eines Groschenheft-Westerns von G.F. Unger klingt, ist eine Szene des 1989er Actionkults ROAD HOUSE. Genau genommen ist es DIE Szene des Films, denn damit ist alles gesagt. Hier werden güldene B-Werte wie Coolness, Plakativität und Kompromisslosigkeit gefeiert. Die Helden sind kernig und souverän, die Schurken dumpf und unbeherrscht. Relevante Hirnaktivität ist nur auf der hellen Seite festzustellen, was ja irgendwie auch Sinn macht. Wenn die Sprüche ausgetauscht sind, sprechen die Fäuste, oder die Stichwaffen. Manchmal ist es auch umgekehrt. Alphatiergehabe und Testosteron beherrschen das karge Setting, so oder so.

ROAD HOUSE wurde zu seinem Kinorelease wenig überraschend wenig wohlwollend aufgenommen, zumindest von der Filmkritik. Aber auch die Zuschauer strömten nicht unbedingt in Scharen herbei. Seinen Status als Kultfilm von Genre und Ära hat er sich erst im hart umkämpften Heimkinomarkt erprügelt. Das macht durchaus Sinn, denn dort legt man erstens die Anspruchslatte tiefer und findet sich zweitens leichter mit einer Gruppe Gleichgesinnter zur Männerparty zusammen. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht, denn sonst wäre diese Ochsentour über die DTV-Prärie ein Selbstläufer für das gesamte Genre.

Vom Flirty Dancer zum Dirty Bouncer

Nein, ROAD HOUSE hat schon noch etwas mehr zu bieten als ein Trigger-Sperrfeuer für tumbe Männerphantasien. Witzigerweise dürfte der Hauptdarsteller damals in erste Linie schmachtende Frauenphantasien bedient haben. Für ein rüdes Rausschmeisser- und Kampfsport-Ass hätte anno 1989 wohl jeder auf Jean Claude VanDamme oder Sly Stallone gesetzt, stattdessen bekam man den Südstaatenbeau (Fackeln im Sturm) und Tanzlehrer-Schwarm (Dirty Dancing) Patrick Swayze. Diese vermeintlich schräge Wahl ist die größte Trumpfkarte. Als ausgebildeter Ballett-Tänzer ist Swayze durchtrainiert, diszipliniert und fokussiert, alles Attribute die auch ein professioneller Rausschmeissen sehr gut gebrauchen kann. Die totale Körperbeherrschung erfordert aber auch ein mentales Gegengewicht in Form von innerer Ruhe und Konzentration. Swayze muss das also gar nicht spielen und so wirkt er als studierter Philosoph mit Profi-Schläger-Vergangenheit völlig überzeugend. Man stelle sich hier nur Stallone und VanDamme vor, dann macht die Casting-Entscheidung noch mehr Sinn.

Aller coolen Dinge sind drei

Patrick Swayze ist mit Sicherheit das größte Pfund mit dem der schlichte Rausschmeisser-Streifen wuchern kann, aber ein Dreiklang aus Setting, Plot und 80er-Flair (Frisuren, Sound und Garderobe) veredeln das Ganze dann zum Kultprodukt. Die Geschichte um den Profi-Rausschmeisser Dalton, der im ländlichen Missouri den ordentlich abgetakelten Club „Double Deuce“ wieder flott machen soll, mag simpel und klischeehaft bis zum Abwinken sein, sie ist aber auch klassischer (B)-Western-Stoff. Sie hat damit etwas Archaisches, etwas allgemein Gültiges, auf jeden Fall etwas allgemein Verständliches. 

Hier setzt sich ein einsamer, aufrechter Held gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung ein - und vor allem durch. Denn natürlich gibt es einen lokalen Magnaten (Ben Gazzara als schmieriger Großgrund-Gangster Brad Wesley), der mit einer zusammen gekauften Truppe von Schlägern und Rüpeln die besagte Kleinstadt regiert und terrorisiert. Dalton dagegen kann nur auf das überforderte Club-Personal und seinen alten Mentor (Sam Elliott als Wade Garrett), der auch noch durch ein steifes Bein gehandicapt ist zurückgreifen. RIO BRAVO lässt grüßen, zumal mit 80s-Schönheit Kelly Lynch als Daltons Ärztin und Freundin auch noch das Pendant zu Angie Dickinson mit an Bord ist.

Autor Hilary Henkin wurde seinerzeit für die goldene Himbeere nominiert, was beweist, wie wenig die Razzie-Verantwortlichen von der Wirkungsmächtigkeit simpler Plots verstanden haben bzw. wie wenig Respekt sie davor haben. In ROAD HOUSE sind Simplizität und Schwarz-Weiß-Schemata Trumpf, hier ächzen keine Scharniere, hier knarzen keine Balken, hier läuft alles wie ein gut geöltes Kugellager. Etwas Leerlauf im Mittelteil ist verschmerzbar, zumal das Finale ordentlich aufdreht und die für den Kultstatus essentielle FSK-18-Freigabe einfordert. Um ganz sicher zu gehen, dass ROAD HOUSE nicht im Sumpf seiner 80er B-Perlen-Kollegen versinkt,  hat man ihn dann kurzerhand auch noch indiziert. Sicher ist sicher.

Wem all dies als Begründung für den Status des Films noch immer nicht reicht, für den gibt es noch ein paar finale Handkantenschläge: Dalton trägt Vokuhila. Dalton näht seine Wunden selbst. Außerdem liebt er Pferde und setzt sie auch als Alarmglocke ein. Er hat immer ein Reserverad vom Schrottplatz dabei, falls mal wieder einer seine Reifen zersticht. Für Auszubildende und Fans schließlich hat er drei unumstößliche Rausschmeisser Regeln parat - Be nice. If he won't walk, walk him. But be nice. If you can't walk him, one of the others will help you, and you'll both be nice.-, die er nicht nur stolz weitergibt, sondern denen er auch gerne mit einer vierten, nicht erwähnten, schlagkräftig Nachdruck verleiht. Und sonst? Jeff Healey steuert nicht nur einige Songs bei, sondern spielt auch selbst mit. Die von Kelly Lynch gespielte Ärztin könnte ihren Job sofort gegen eine sichere Supermodel-Karriere tauschen. Und Samuel Pack Elliott zerstreut nun wirklich die allerletzten Western-Zweifel. Noch Fragen?

In Jasper, Missouri, wurden jedenfalls alle beantwortet. Zu völliger Zufriedenheit sämtlicher Einwohner , sofern sie weder Job noch Leben verloren haben. Für Dalton gibt es damit nichts mehr zu tun, außer mit Dr. Clay im See zu plantschen. Für die Fahrt in den Sonnenuntergang ist sicher auch später noch Zeit.

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