Katastrophenfilme benötigen nicht grundlegend einen erhöhten Aufwand und ein damit verbundenes horrendes Budget. Insofern ist der vorliegende TV-Film nicht mit dem Blockbuster von 1974 zu verwechseln, der mit großen Namen wie Charlton Heston, Ava Gardner oder Walter Matthau aufwartete. Regisseur Gary Sherman („Poltergeist III – Die dunkle Seite des Bösen“) geht den gegenteiligen Weg: Unbekannte Mimen und eine teils dokumentarisch anmutende Aufmachung.
Am 17.10.1989 kam es in der Region um San Francisco und Oakland zum stärksten Erdbeben seit Jahrzehnten, bei dem 63 Menschen starben. Direkt nach dem Beben fanden sich viele freiwillige Helfer, die bei Rettungsaktionen teils ihr eigenes Leben riskierten. Unter anderem auch Jerry, der sich mit einer Motorsäge zu einer eingeklemmten Frau inmitten eines einsturzgefährdeten Hauses durchkämpft…
Die älteren Semester dürften sich noch an einige Bilder aus den Nachrichten erinnern. Wie etwa die eingebrochene obere Trasse des Cypress-Viadukts in Oakland, unter der Dutzende von Fahrzeugen eingeklemmt wurden oder die zerstörten Häuser im Marina District.
Zum Teil griff Sherman auf jenes Archivmaterial zurück, was das Szenario umso glaubhafter gestaltet, während die Studiosets zumindest authentisch erscheinen.
Auf erzählerischer Ebene ergänzen sich drei, vier parallel ablaufende Handlungsstränge mit jeweiligen Rettungsaktionen. So sind etwa zwei Kinder auf der Rückbank eines Autos eingeklemmt und ein Fahrer im Parkhaus hatte ebenfalls Glück im Unglück, da sein Wagen zur Hälfte unter Beton gequetscht wurde.
Die Retter erhalten zwar keine Hintergrundgeschichten, doch sie definieren sich durch ihren selbstlosen Einsatz in teils überaus prekären Situationen, denn bereits ein kleines Nachbeben könnte tödliche Erschütterungen auslösen.
Leider fällt das Treiben nicht übermäßig spannend aus, obgleich Klaustrophobiker über weite Teile Probleme mit recht begrenztem Handlungsfreiraum bekommen könnten. Denn einerseits sind die Sprünge von einem zum nächsten Rettungsszenario schlecht getimt, andererseits stört die wackelige Handkamera ein ums andere Mal, während die Ausleuchtung oftmals zu gering ist. Die weitgehend unbekannten Mimen leisten indes passable Arbeit. Speziell muss hier ein gewisser Nicholas Zaninovich erwähnt werden, der sich als im Fahrzeug eingeklemmtes Opfer selbst spielt und dabei eine ordentliche Portion schwarzhumorige Situationskomik („passen sie auf den Lack auf!“) mitbringt.
Was noch ein wenig hätte intensiviert werden können, sind kleine Konfrontationen am Rande, die bei einer Katastrophe solchen Ausmaßes im Zusammenhang mit Polizei und Feuerwehr nicht selten sind. So wird einem freiwilligen Helfer beispielsweise Sensationslust vorgeworfen, während andere relativ unsanft nach Hause geschickt werden, obgleich sie bereits weit vor den professionellen Rettern vor Ort handelten.
Als kleine Hommage für die damaligen Rettungskräfte vor Ort, von denen einige im Anschluss noch persönlich zu Wort kommen, geht der Streifen völlig in Ordnung, doch wer ein Katastrophenszenario zum regelrechten Mitbangen sucht, wird hier nur bedingt fündig. Angesichts diverser Aktionen in Lebensgefahr ist die Chose tatsächlich nur in Ansätzen spannend inszeniert.
5,5 von 10