Düster! Sollte ich den Anime in einem Wort beschreiben, dann hätte ich wohl dieses gewählt. SHADOW STAR NARUTARU beginnt ruhig, versprüht aber schon anfangs eine merkwürdig bedrohliche Atmosphäre, die schwer zu beschreiben ist. Selbst der mit seinen großen Augen ziemlich fies auf niedlich getrimmte Hoshimaru kann nicht darüber hinweg täuschen, dass da noch übles auf den Zuschauer wartet...
Der zwölfbändige Manga als Grundlage des Anime ist zwar in Deutschland komplett erschienen, wurde aber wegen zu heftiger Gewaltszenen im sechsten Band zensiert. Leider gibt es von Shadow Star Narutaru nur 13 Episoden, die zusammen etwa die Hälfte der gesamten Story abdecken. Der oben erwähnte, zensierte sechste Manga-Band ist damit das Ende des Anime. Sollte man sich dieser Tatsache nicht bewusst sein, ist es ziemlich schwierig, die Entwicklung der Geschichte richtig einzuschätzen. In diesem Fall würde man wahrscheinlich, so ging es mir zumindest, fest mit bestimmten Ereignissen in den finalen Episoden rechnen, die aber einfach nicht stattfinden. Ist jedoch nicht weiter schlimm. Selbst wenn man den eigentlichen Abschluss der Geschichte um Shiina und Hoshimaru nicht zu sehen bekommt, wird man vom Ende sicher nicht enttäuscht sein, denn dafür ist dieses einfach zu überraschend, zu verstörend, zu gut. Es lässt allerdings auch noch so einige Fragen offen...
Als Hauptcharakter der Serie wird uns die etwa 12-jährige Shiina präsentiert. Shiina ist grundgut, offenherzig, hilfsbereit, aufgeschlossen, mutig. Kurzum, es fällt schwer sie nicht zu mögen. Stets an ihrer Seite, ihr mysteriöser Begleiter Hoshimaru, der mit Shiina auf besondere Weise in Verbindung zu stehen scheint und außerdem ihre "normalen" Freunde, die extrem verschüchterte Akira, die kaum ein Wort gerade aus sagen kann und Hiroko, eine Einser-Schülerin und langjährige Freundin Shiinas, die allerdings bald auf eine andere Schule gehen wird. Darüber hinaus werden noch viele weitere interessante Charaktere vorgestellt, welche aber leider, aufgrund der nicht zu Ende geführten Story im Anime, ihr volles Potential nicht ausschöpfen können. Wieso man nicht noch dreizehn weitere Folgen produzierte, um die Geschichte auch in animierter Form abschließen zu können, bleibt natürlich rein spekulativ. Vielleicht ist das Charakterdesign des niedlichen, kulleräugigen Hoshimaru tatsächlich zu knuffig geraten, und hat dadurch in erster Linie jüngere Anime-Fans angesprochen, während die eigentliche Zielgruppe genau davon eher abgeschreckt wurde. "Narutaru: Mukuro naru hoshi - Tama taru ko", so der Serientitel im Original, lief erstmalig im Juli 2003 auf dem japanischen TV-Sender KIDS STATION, allerdings im Nachtprogramm, denn...
...Shadow Star Narutaru ist auf keinen Fall für Kinder geeignet! An einigen Stellen hat man selbst als Erwachsener ordentlich zu kauen... Selbstmordphantasien, fragwürdige Weltbilder und spärlich, aber effektiv eingesetzte Bilder von Tod und Verwesung sind sicherlich Dinge die bei einem älteren Publikum besser aufgehoben sind. Auch akustisch wird einiges geboten, um bleibende Eindrücke zu hinterlassen. Man stelle sich vor, wie es wohl klingen mag, wenn man nach hundert Metern freien Falls auf dem Boden aufschlägt... Doch das ist alles eher noch harmlos, verglichen mit dem, was in den letzten Folgen über einen hereinbricht. Oberfiese Mobbing-Attacken, die noch mehr schockieren, wenn man sich das geringe Alter der Protagonisten vor Augen hält, gehen Hand in Hand mit heftigen Gewalteskalationen, die zwar grafisch nicht mehr zeigen als unbedingt nötig, aber gerade dadurch länger nachwirken. Natürlich wird hier nicht aus reinem Vergnügen gematscht und gequält, die Ursachen dieser Ausbrüche sind eigentlich immer greifbar oder werden zumindest später offensichtlich, wie zum Beispiel bei der tonangebenden Person des Mobbing-Clans. Was hier zwar eher subtil, aber dennoch als potentielle Ursache der Übergriffe im Raum steht, ist wohl ebenso krank wie die Wirkung selbst.
Shadow Star Narutaru ist ein Anime voller Gegensätze. Wo es beim Opening noch ein fröhliches (und hörenswertes!) "Mundharmonika-Liedchen", untermalt von kindgerecht inszenierten Animationen, auf die Ohren gibt, schlägt das Ending andere Töne an und kommt dafür mit einem wehmütigen, traurigen Song daher. Der von mir schon oft erwähnten, niedlichen Aufmachung stehen diverse Grausamkeiten physischer und psychischer Natur diametral entgegen. Desillusionierte Charaktere, die an sich und ihrer Umwelt zu zerbrechen drohen, haben in Shiina einen sehr starken, charismatischen Counterpart. Durch ihre ansteckende Fröhlichkeit kann sie immer wieder über die pessimistische Grundstimmung hinwegtäuschen, aber nie für lange..., und von einigen düsteren, existenzphilosophischen Grüblereien ist auch Shiina nicht vollkommen befreit.
8,5 Punkte