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Wieder einmal einer aus der Abteilung "Mensch, das waren noch Zeiten...": Als Sarah noch nicht crazy in love with Marc war, Nerv-Heidi noch keine Supermodels suchte, Casting-Bands ein Fremdwort waren und Pro Sieben stattdessen in schöner Regelmäßigkeit Filme der Marke "Den letzten schnappen die Fische" zeigte, meistens sogar Werktags zur besten Sendezeit. Der Titel "Das turbogeile Gummiboot" passt in diesem Fall allerdings deutlich besser, denn wenn schon niveaulos, dann richtig: Da sollte der Filmtitel mit gutem Beispiel vorangehen.

Man muss zu dieser, in bewährter "Animal House"-Tradition angelegter, Geschichte um vier Chaos-Studenten, denen im Falle des Sieges eines Wildwasserrennens ein Doktortitel ihrer Wahl winkt, schon einen persönlichen Bezug haben, um aus dem Ganzen ein paar positive Aspekte herausfiltern zu können. Denn als kleiner Pimpf bekam man eine nicht überfordernde Story, reichlich (bemühten) Slapstick, eine am laufenden Band sprücheklopfende und betont lässige Hauptfigur und nicht zuletzt genauso viele Brüste zu sehen, wie es damals zu dieser Sendezeit möglich war. Passend zur abenteurlichen Szenerie (der Film spielt größtenteils in abgelegenen Flussabschnitten in abgeschiedener Wildnis) wurde der Film stets im Sommer gezeigt und war damit die perfekte Einstimmung für die großen Ferien.

Im Nachhinein betrachtet lassen sich die eklatanten Schwächen freilich nicht übersehen. Schon die Einführung ist reichlich dämlich und unglaubwürdig, denn kein Rektor der Welt würde auf die Idee kommen, vier Studenten für ihr behäbiges Dasein auch noch mit Doktortiteln zu belohnen. Die Truppe ist zudem ein bunter Haufen aus dem Klischeebaukasten für Teeniekomödien: Der chaotische Fresssack (eine schlechte Kopie von John Belushis 'Bluto' aus "Animal House"), der Nerd, der coole Anführer und der Normalo begeben sich in einen Wettkampf gegen ebenso stereotypische Feindbilder: Blonde, gelackte Snobs in rosa Poloshirts, denen kein Trick zu fies ist. Das ergänze man mit einen wildgewordenen Armeegeneral, dessen Motivation ein wenig verschwommen bleibt und der seine Untergebenen auf das komplette Teilnehmerfeld hetzt, und schon hat man reichlich Gelegenheiten für Slapstick der brachialeren Sorte. Das Frauenbild wird selbstverständlich grob vernachlässigt und auf das Nötigste (blond, willig, Brüste...) reduziert, was auch für Love Interest Heather gilt, die sich von Bob reichlich schnell flachlegen lässt. Aber was will man gegen den Charme einer so coolen Sau auch ausrichten?
Wahrscheinlich aber ist einem "Up the Creek" gerade wegen dieser Einfachheit und der Reduktion aufs Wesentliche damals irgendwie ans Herz gewachsen. Da kann man diese Klamotte Jahre später auch problemlos um ein paar Nostalgiepunkte aufwerten.

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