"Es gibt keine schlechte Werbung." ist ein Leitspruch, dem die deutsche PR - Industrie gerade in den 70ern treu bis in den Tod ergeben war. Zurecht: Während der irreführende englische Titel "The korean Connection" auf ein friedkineskes Arthouse - Copdrama im asiatischen Drogensumpf hoffen lässt gibt der germanisierte Titelfirlefanz "Die Todeskralle des Karatetöters" mit Schmackes vor, wo die Reise hingeht: Mit Karontz vor die Steilwand! Und danach zur unsanften Landung auf den Boden der Tatsachen, wo unser einer vom gemeinem Volk hingehört.
Auf besagtem Bodenbelag findet sich zu Beginn des Filmes auch Kampfkünstler und Ex - Mafiascherge Billy Cheng wieder, der nach einem verpatzten Job nunmehr ein Leben als Teilzeitalkoholiker und Schaukämpfer fristet. Zuvor hatte der Kriegswaise aus Korea es sich ordentlich bei seinem kriminellen Ziehvater, einem Triadenboss vergrätzt, weil er sein herz an die Tochter eines Konkurrenten verloren hat. Während der potentzielle Schwager sich in einem merkwürdigen Duell auf Leben und Doch nicht so - Tod mitsamt Unterwasserkampf (den wir nicht sehen, sehr wohl aber hören) den Segen aus den gelangweilten Rippen leiern lässt ("Da ich keine Lust habe, stundenlang weiterzukämpfen bleibt mir wohl keine andere Wahl.") muss Vattern anderweitig überzeugt werden, weshalb Sohnemann einen letzten Bruch für das Syndikat durchziehen muss, bei dem ein Assistenzgangster gleich mal den Schwager in spe um sein Leben und wertvolle Unterlagen erleichtert.
Die Braut ist angefressen, Cheng kann sich die Hochzeit in die Haare schmieren und zu allem Überfluss wird er von einer Gruppe prolliger Killer verfolgt, die dem frisch gebackenen Kung Fu - Clochard ans biergegerbte Leder wollen. Wie sich herausstellt war Cheng nicht der Einzige, der im Familienbetrieb Stunk gemacht hat und Vatis rechte Hand, ein Möchtegernsamurai mit Kinskisyndrom, hat den Laden mitsamt Chengs Liebster sowie die wertvollen Geheimdokumente (Umsturzpläne südkoreanischer Rebellen) an sich gerissen. Es liegt nun an Cheng, einigen Mitstreitern und einem mysteriösen Flötenspieler mit überkrassen Kloppskills, den Laden mal ordentlich auszumisten.
Um mal ein US - amerikanisches Sprichwort zu bemühen trifft hier sehr viel Scheiße auf sehr schnell laufende sehr große Ventilatoren, die genanntes schneller an sämtliche Wände, Böden und Decken verteilen, als Billy Cheng "Prost!" sagen kann: die drei Killerprolls vom Anfang mögen zwar hierzulande selbst in jedem Büdchen Hausverbot bekommen, sind aber der schlecht gekleidete Schrecken der chinesischen Unterwelt und ihr Anführer, der psychopathische Möchtegernshogun mit dem Habitus eines dauerbekoksten Clownes trägt mit seinem Getue nicht sonderlich dazu bei, der Organisation einen seriösen Anstrich zu verpassen. Billy - Boy hingegen sieht mit seiner Schieflagenfriese plus Schnurrbart und in Nadelstreifen gepresst aus wie ein koreanischer Proto - Emo knapp zwanzig Jahre vor der Geburt der Szene. Das letzte Drittel des Filmes ist übrigens eine reine Hausparty im ehemaligen Gangsterdomizil und daher etwas trockener geraten als der Rest, aber bis dahin unterhalten einen solide inszeniertes Gekloppe und ausgewählte Pöbeleien sowie die starksigen Auftritte der Killertrottel vom Dienst, die wahlweise wie stocksteife Marionetten im Gleichschritt durch die Gegend marschieren (gerade der Einstieg in der Kneipe bietet ein hervorragendes Beispiel für deren strammen Gleichschritt) oder wie blutrünstige Erdmännchen aufgereiht herdenweise am Bahnhof auf unseren unerschrockenen Helden lauern.
Weil das nicht genug ist kommen noch eine Prise schnell abgehandeltes Flüchtlingsdrama mit Blitzadoption sowie ein Hauch Patriotismuskäse aus dem Geheimdienstgenre hinzu. Beides erfolgte wahrscheinlich, um möglichst viele gern gesehene Klischees abzudecken, die das Publikum jener Zeit liebte. Warum der geschasste Billy am Ende aber der Leiche seiner durch Suizid verstorbenen Ex - Geliebten aber die Handkante zu schmecken gibt bleibt hingegen ein kurioses Geheimnis, dass nur Eingeweihte oder komplett Wahnsinnige zu lüften wissen.
Gesehen habe ich den Film im Rahmen des Mondo Bizarr - Filmfestivals "Im Bahnhofskino um die Welt". Während der Vorfilm "Bis die Gänsehaut erstarrt" ein eher psychedelisches Filmerlebnis bot ist das hier eher ein bekokstschwippster Filmgenuss für komplett Irre. In diesem Sinne: Prost, Billyboy! Ich hatte meinen Spaß.