Review

Angriff aus Fernost.
Wenn man sich davon überzeugen möchte, warum Ninjafilme heutzutage so einen schlechten Ruf haben, ist man hiermit genau richtig bei der Ursachenforschung angelangt; dies ist zwar nur ein Exemplar von Vielen, aber die Meisten schauen genauso aus und sind auch gleich schlecht. Eigentlich bräuchte man eine ausführliche Betrachtung der jeweiligen Zerrbilder auch gar nicht gewissenhaft vornehmen; die Unterschiede sind so winzig, dass man am Besten mit Makro und Autokorrektur arbeiten sollte, um sich selber das Leben nicht zu schwer zu machen und unnötig Wasser in den Fluss zu giessen.
Viel anders arbeiten Joseph Lai und Godfrey Ho ja auch nicht. Gute Arbeit beruht auf Leidenschaft. Davon spürt man nie auch nur einen Ansatz. Eine in Inhalt und Form verhältnismässige Analyse würde getreu der Vorlagen auch rein und raus springen, Zeitformen ändern, alle 5min vom Pferd erzählen und auch immer mal Truffaut nicht aus dem Zusammenhang heraus zitieren.

Das Letzte Beispiel mag vielleicht etwas überzogen sein; Richard Harrison ist als Schauspieler nicht das, was Truffaut als Kritiker war. Sondern eher ein Franco Nero für Arme. Und da noch nicht einmal den Nero herangezogen, der bereits als Jungspund den Django gab und erst dann seine veritable Karriere loslegte. Sondern den Nero, der sich für Golan / Globus auch in den Tarnanzug schmiss und so tat, als würde er sich in fernöstlichen Waffen- und Kampftechniken auskennen.
Harrison ahmt es ihm nach; nicht Einmal, nicht Zweimal und auch nicht Zehnmal. Sondern unendlich oft. Obwohl man zu seiner Entlastung sagen muss, dass er als prominentestes Opfer ebenfalls unfreiwillig in die Ausbeutungsmaschinerie von Lais IFD Film & Arts geraten sein soll und desöfteren gar nichts von einer Mitarbeit wusste, sondern nur gedrehtes Material mit ihm immer wieder verwendet wurde.
Auch hier hat er kaum etwas mit dem Endprodukt zu tun; taucht zwar immer mal extemporierend auf, aber wirft fast nur Fotos mit potentiellen Zielobjekten an die Pinnwand und streift sich dann den Sichtschutz seiner Maskerade über den Schnauzer. Die Rolle seines Lebens.

Erstaunlich ist dabei eher, dass Harrison überhaupt als Zugnummer ausgewählt wurde. Er hatte zwar in den 70ern einige ebenso ominöse Auftritte in den Chang Chehschen Shaw - Epen Boxer Rebellion und Marco Polo, wo er sogar als titelgebender Held fungierte, aber dennoch kaum eine grosse Rolle spielte. Und seine 60er Jahre Italowestern waren auch weder beim Publikum noch gar bei den Kritikern aufsehenerregend oder anderweitig einschneidend, um mal bei der Nero - Metapher zu bleiben.
Kann man letztlich nur vermuten, was die Produzenten in ihm gesehen haben und ob die Entlohnung so fürstlich war, dafür bis auf sein Lebensende und darüber hinaus als Personifizierung für Actiongülle mit Bart zu gelten.

Der Film selber verfügt jedenfalls nicht über Finanzen. Weder die neugedrehten Anhaltspunkte, die sich eh nur in Dialogaufnahmen, phone ins, Arbeiten des automatic dialogue replacement - Cutters und etwas Ninjahusche ergehen. Noch das originale Material, dass als eigentliche Springfeder der Narration gilt.
Optisch stellt man hier wie da auf Trauerflor um. Bilder sind ausgelaugt und erblasst, als ob die Hazeltine an dem Tag leer war. Auch abgesehen fehlender Farbe schreit man im visuellen Bereich klagend nach Geld; über einen Kostenvoranschlag kam die Finanzierung wohl nicht hinaus.
Diesmal hat man sich bei etwas bedient, dass auf den ersten Blick sehr furchtbar aussieht, aber dann langsam - ganz langsam - wenigstens ein bisschen die Kurve zur Unterhaltung bekommt; auch wenn der Silo für Anspruch und Güteklasse in unerreichbarer Ferne ist und mit jeder Minute noch weiter weg rückt.
Dafür befindet man sich in einem Genre, dass nicht nur die artgerechte Geschichte bereithalten kann, sondern auch die Grundlage für waffenfixierte Scharmützel bereits im Blut hat: Der gemeine Bloodshedfilm, bzw. dessen Triadenableger. Also geht es in den Überlappungen um einen Gangwar: Familie A will Familie B vom Platz fegen, die sich aber mit dem Grosskaliber erwehren.

Dergleichen Plots mitsamt Ausschmückungen sah man vor allem Ende der 80er nach dem Durchbruch von A Better Tomorrow zuhauf, Konsorten und Demimonden bedienten sich danach derselben Erfolgsformel wie auch zuvor schon die gängige Thematik benutzt wurde. Deswegen kommt einem der hier ausgeschlachtete Vertreter trotz arger Kürzungen so sattsam bekannt vor; man hat mehrmals ein ausschweifendes Deja Vu, obwohl das Werk selber unbekannt ist. Die Herstellungsszeit mag angesichts einiger weniger bekannten Gesichter und der allgemeinen Haltung von dernier cri Frisuren und Kleidung in etwa um 1980 herum liegen; eher einen Tick vorher als danach. Die erkannten aufgebotenen Darsteller wie Shut Chung Ting und Wong Hap gehören alle zur Kategorie Nebenrolle; die im Fokus befindlichen Akteure sind unbekannt und inkulant.
Dass die Handlung selber nur Gewohntes abfasst, kommt dem Verständnis zugute; ansonsten ist man nämlich auch eher ein trüber, kleinformatiger Versuch eines Filmes, der eigene Kundmachungen wohl weder erlebt noch verdient hat.

Wenigstens passiert mal häufiger etwas; Waffen werden zwar mehr gezückt und von der Kamera liebkost als abgefeuert, aber wenn es an Pulverrauch und Knallplätzchen geht, erschafft man auch einen gewissen Härtegrad und den Ansatz einer Choreographie. Ein Indoor - Shootout in einem Grosscasino [ = Holzbaracke ] erweist den nachfolgenden bullet ballets seine vorausschauende Aufmachung. Den "Gewollt und nicht gekonnt" - Rest kann man vielleicht schauen, wenn man schon dabei ist, aber man verpasst überhaupt nichts und sollte seine Freizeit lieber anderen Dingen widmen. Das leidliche Ausgangsmaterial und die filmographische Tat, dass man zeitlich mit die Wurzel allen Übels darstellt, kann man vielleicht als Argument fürs Reinschnuppern gelten lassen.

Details
Ähnliche Filme