In den USA mitunter eine nostalgische Gruselerinnerung aus der Kindheit, bei uns nicht selten total unbekannt, weil niemals im TV oder auf einem anderen Medium gelandet – das sind die Fernsehgrusel von ehemals.
Die goldenen 70er Jahre haben so einige Serien, Reihen und Events für den kleinen Bildschirm hervorgebracht, mit Network-Nennung voran und einem Wochentag als Blickfang, sei es nur das ABC-Mondey-Mystery gewesen oder der NBC-Movie-Sunday. Und unter all diesen Auffangbecken für verschiedenste große und kleine Ideen waren auch Genrebeiträge – vornehmlich aus dem Gruselbereich.
Die meisten davon dümpeln in unterschiedlicher Qualität im Web herum, einige haben es auf eine Scheibe geschafft, viele aber sind längst vergessen und finden nur wegen eines Darstellers, eines Regisseurs oder Bezügen zu bekannteren Filmen noch Beachtung.
Dass man „She Waits“ von 1972 irgendwann mal dreist „Night of the Exorcist“ re-titelte, ist dann allerdings zuviel der Ehre, denn das sich hier entspulende Ehedrama mit übernatürlichem Bezug hat mit Friedkins Erbsensuppenklassiker ungefähr so viel zu tun wie Filet Welllington mit Beef Jerky.
Wenn ich hier die Erinnerungskiste an goldene Zeiten einen Spalt aufmache, dann liegt das in erster Linie an der Besetzung: Patty Duke als knuffige Zweitfrau, David McCallum (Solo für ONKEL, NCIS) als störrischer Ex-Witwer, das sind schon mal Assets. Aber in den Nebenrollen klingt es lieblich, denn Dorothy McGuire gibt sich als besorgte Mama die Ehre – einst war sie das stumme Mädel in „Die Wendeltreppe“, die sich gegen einen Serienkiller wehren musste. Als Arzt schaut Lew Ayres vorbei, der im Kino der Arzt-Traum vieler Amerikanerinnen war, bis zu dem Tag als er entschied, nicht als Soldat, sondern als Sani in den WW2 zu ziehen, was seiner Karriere mehr als nur ein bißchen schadete. Und die wunderbar verknautschte Beulah Bondi hat als Haushälterin noch einmal einen schön verschrobenen Auftritt.
Inhaltlich kann der Plot gegen den Cast leider nicht mithalten: im Kern scheint die Geschichte ein wenig an Du Mauriers „Rebecca“ zu erinnern, nur dass hier die Mutter eher etwas ablehnender rüberkommt denn die Haushälterin. Aber das fällt alsbald auseinander, denn viel passiert nicht eben über eine gewisse Zeit und die Figuren müssen sich einigermaßen nebulös verhalten, um das Mysterium am Laufen zu halten.
Zentral ist der Tod von McCallums erster Ehefrau im Haus und eine Menge Zeit geht drauf, um zu spekulieren, ob es ein Unfall, Mord oder Selbstmord war, denn jeder darf sich verdächtig machen. Bis der Geist dann tatsächlich mal in Erscheinung tritt, dauert es noch sehr, sehr lange und es wird nie ganz geklärt, warum der enorm spröde McCallum die Duke überhaupt mit sanfter Gewalt im Haus seiner Mutter unterbringen will.
Zur Auflösung sage ich mal nur so viel, als dass man alle roten Heringen getrost in die Tonne kloppen kann, weil das Skript auf der Schlussgerade noch eine neue Wendung aus der Hosentasche zaubert.
Bis es soweit ist, bin ich aber dem spröden und wenig aufregenden Geschehen schon längst entschlummert, da helfen auch große Namen nichts, wenn solche Kammerspiele ihr Potential nicht in Schauwerte oder Dramatik umsetzen können.
Das US-TV hat jedenfalls Besseres geleistet in den frühen 70ern – das hier ist mehr was für Komplettisten. (3/10)