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Ein außerirdisches Wesen, genannt The Dark und gespielt von John Bloom (Frankensteins Monster in Al Adamsons Über-Baddie Dracula vs. Frankenstein), ist unterwegs in den Hollywood Hills von Los Angeles. Nachts schleicht es durch die Straßen, auf der Suche nach neuen Opfern. Es fühlt sich wohl in der Finsternis. Vielleicht weiß es, daß es viele Menschen mit der Angst zu tun bekommen, wenn sie sich alleine im Dunkeln befinden. Oder auch nicht ganz so alleine, schließlich lauert The Dark auf den richtigen Zeitpunkt, um zuzuschlagen. Wenn das elektrische Licht zu flackern beginnt, wenn die Leuchtstoffröhren ihren Geist aufgeben, wenn ein blinder Mann vorbeispaziert (fragt mich nicht wieso; ich habe keinen blassen Schimmer!), wenn irgendjemand ständig "The Dark" zu flüstern beginnt, dann ahnt man, daß The Dark nicht weit ist. Dieses Geräusch! Sind das nicht scharfe Krallen, die über brüchiges Mauerwerk schaben? Diese Fratze! Da gefriert einem fast das Blut in den Adern. Diese Augen! Oh, Gott, diese Augen! Wenn sie zu glühen beginnen, dann weißt du, daß dein Leben in wenigen Sekunden vorbei sein wird. Denn The Dark verschießt laserähnliche Strahlen mit seinen Augen, und wo die auftreffen, wächst kein Gras mehr. Im besten Falle explodiert das Opfer sofort. Hat es Pech, verbrennt es bei lebendigem Leibe, ohne zu wissen, warum es nun sterben muß. Über seine Motive hüllt sich die Kreatur in Schweigen. Doch The Dark ist unberechenbar. Manchmal packt es mit seinen kräftigen Händen auch einen Menschenkopf und reißt ihn glatt ab. Wieso? Nun, weil es The Dark ist, natürlich, und weil es das kann. Und weil Stanford Whitmore es in seinem Drehbuch so geschildert hat.

The Dark ist ein Paradebeispiel dafür, wie man einen Monsterfilm nicht machen sollte. Grundsätzlich gibt es ja zwei Herangehensweisen. Entweder man stellt a) das Monster in den Mittelpunkt der Geschichte, oder man legt b) den Fokus auf die Figuren, die es mit dem Monster zu tun bekommen. Wenn man Variante b) wählt, wie es The Dark tut, sollte man jedoch unbedingt darauf achten, daß der Drehbuchautor interessante und gut charakterisierte Figuren liefert, mit denen die Schauspieler etwas anfangen können. Schließlich soll der Zuschauer mit diesen Menschen gut und gerne neunzig Minuten verbringen, und wenn das dann allesamt uninteressante Pappnasen sind, deren Schicksal einem am Allerwertesten vorbeigeht, dann ist das natürlich fatal. Im Falle von The Dark heißt das konkret: Man sieht Polizisten (u. a. Richard Jaeckel und Biff Elliot) dabei zu, wie sie in der Gegend herumfahren, mit ihren Vorgesetzten debattieren und am Ende gegen das Monster kämpfen. Man sieht einer Reporterin (Cathy Lee Crosby) dabei zu, wie sie über den Fall berichtet, mit diversen Leuten spricht und am Ende gegen das Monster kämpft. Man sieht einem Schriftsteller (dem Vater des ersten Opfers, gespielt von William Devane, dem James Heller aus 24) dabei zu, wie er mit seinem Schlitten durch die Stadt kurvt, auf eigene Faust Ermittlungen anstellt, den Polizisten Druck macht und am Ende gegen das Monster kämpft. Und man sieht einer hellseherisch begabten Dame (Jacquelyn Hyde) dabei zu, wie sie Visionen hat, die Polizei vergebens auf kommendes Ungemach hinweist und es in ihrer Wohnung mit poltergeistähnlichen Aktivitäten zu tun bekommt.

Und das Monster? In der ersten Stunde des Streifens ist die mordlüsterne Kreatur maximal eine Minute zu sehen. Hier eine Pranke, da eine Nahaufnahme der Augen, dort eine Totale des Aliens, wie es einen Kopf abrupft. Erst im finalen Showdown läßt man das Ding so richtig dolle wüten, doch da ist es längst zu spät, um den Film noch zu retten. Begonnen wurde The Dark von Tobe Hooper, doch der wurde bereits kurz nach Drehbeginn gefeuert und durch John 'Bud' Cardos ersetzt. Cardos, ein recht verläßlicher Genreregisseur (Kingdom of the Spiders, The Day Time Ended, Night Shadows), trifft meines Erachtens die geringste Schuld am Debakel. Man springt kurzfristig ein, hat keine Vorbereitungszeit, bekommt ein fertiges oder auch nicht so fertiges Drehbuch vorgelegt (aus dem ursprünglichen Zombie wurde z. B. dank des Erfolges eines gewissen Films von Ridley Scott flugs ein Alien)... da kann man halt keine Bäume mehr ausreißen und bloß noch versuchen, das Projekt irgendwie zum Abschluß zu bringen. Und so fühlt sich der Großteil des Streifens auch an. Zwar kompetent inszeniert, aber ohne einen Funken Leidenschaft, ohne jede Energie, nur um die eine Aufgabe lustlos zu erfüllen: Schadensbegrenzung. Und das überträgt sich leider voll auf den Zuseher, weshalb sich der Unterhaltungswert auch stark in Grenzen hält. Leider ist The Dark - trotz Laserstrahlen aus seinen Augen verschießendem Außerirdischen - bei weitem nicht schlecht genug, um als Trashheuler zu funktionieren. In kleinen Nebenrollen sind Radiolegende Casey Kasem (American Top 40), Philip Michael Thomas (Miami Vice) und der kleinwüchsige Angelo Rossitto (Freaks) zu sehen. Nicht, daß dies den Film aufwerten würde, aber ich wollte es nur mal erwähnt haben. Unterm Strich bleibt somit ein sehr ödes Monster-Movie mit zwei, drei ansehnlichen Suspense-Szenen und einem ordentlichen Finale in einem alten Kloster. Der Rest schafft lediglich eines. Zu langweilen.

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