Anno 1978-1981 wurde das die Kinos geradezu geflutet vor allerlei Gruselware, die guten Slasher, die namhaften Horrorfilme, das italienische Schmodderkino, überall wurden Türen eingetreten und Tabus gebrochen. Dass bis heute da einige Kuriositäten dabei sind, die man sowohl weitestgehend vergessen wie auch stillschweigend begraben hat, dürfte wohl klar sein.
Zu dieser seltsamen Gruppe zählt wohl auch „The Dark“, einem, wie mir die Unterschrift glaubhaft vermitteln wollte, Alienthriller der ungewöhnlichen Sorte aus dem Jahr 1979.
Spielt man den schönen Stream jedoch ab, macht sich Verblüffung breit, denn hier hascht ein monströser Unbekannter mit kralligen Händen, die nicht mal die gute Tilly mit Palmolive noch hätte retten können, nach unschuldigen Opfern „in the night“, reißt Köpfe ab und weidet aus. Prosit!
Mit diesen Angriffen einher geht ein seltsames Phänomen: sämtliche elektrischen Lichter löschen sich um die Opfer und eine unheimliche Geisterstimme mummelt irgendwas von „Die!“ und „The Dark“ vor sich hin, wobei nicht ganz klar wird, ob das eine Serviceleistung an die Zuschauer ist oder die Opfer das auch hören können.
In der Folge darf sich dann der Cast vor uns ausbreiten: William Devane spielt den (gar nicht so gram wirkenden) Daddy des ersten Opfers. Er ist Schriftsteller, hat schon mal einen um die Ecke gebracht und jetzt einen neuen Namen, weswegen der ermittelnde Beamte ihn auch behandelt wie einen Eimer Hundepisse – kennt man ja, wer in U.S.A. mal ein Verbrechen begangen hat, gilt bis zum Ableben als Mensch dritter und als Verdächtiger erster Klasse.
Den ermittelnden Beamten, Mooney, gibt Richard Jaeckel, ein wirklich solider Darsteller, der aber von 1 Physiognomie her schon prädestiniert ist, ein formvollendetes Arschloch zu spielen und genau das tut er hier auch. Dann haben wir noch eine TV-Journalistin, die die ganz große Story wittert, später dann aber eher als „love interest“ und Co-Flüchtende dient. Und eine Hellseherin ist auch noch am Start, die tatsächlich mal echte Visionen hat, leider vom (zukünftigen) Tod eines Opfers, was aber logischerweise noch niemanden interessiert.
Derweil erhöht der Killer die Schlagzahl auf ein Opfer pro Nacht und lässt schon mal mittels Laserblick eins davon explodieren. Ein Pathologe klärt die Polizisten wenig schlüssig auf, dass der Mörder wohl aus einer Art totem und blutleerem Gewebe besteht und irgendwer behauptet schließlich, dass nach Opfer Nr.5 der Killer wohl unbesiegbar wäre, ohne jede Datengrundlage.
Das klingt jetzt dramatisch und irgendwie nach flotten B-Movie-Stoff der späten 80er, ist aber in seiner Gesamtlänge ein ziemlich uneinheitliches Stück Film geworden. Die Suspenseszenen sind atmosphärisch, die Angriffe attraktiv und sowohl Ausstattung wie Kamera haben diesen speziellen Großstadtlook, der immer ein wenig besser aussieht als im Hinterhof um die Ecke gedreht. Aber der Plot hinkt wie nach drei Schüssen in jedes Knie.
Immer wieder läuft die Maschine konventionell leer, Devane schlafwandelt sich durch seine Konflikte mit Jaeckel, der wiederum vom Blatt mosert, während er ständig von seinem Chef nur die Dienstanweisung bekommt, den Fall endlich zu lösen, weil er ja dem Bürgermeister berichten muss (gähn!), während Biff Elliot als sein pummeliger und ständig fressender Partner das Klischee als Doof-Cop erfüllen muss. Die Wahrsagerin gibt sich ominös, die Journalistin karriereorientiert und dennoch tuckert das alles betulich und gemütlich vor sich hin, ohne es wirklich mal auf die Spitze zu treiben.
Erst in der letzten Viertelstunde, während einer Verfolgungsjagd in einem alten Kloster, kommt der Film in die Gänge, verwandelt sich dann aber in ein etwas bizarres Massaker rund um einen übernatürlichen Mörder, den 100 Kugeln nicht aufhalten können und der dann an einem Filmklischee verreckt. Erklärungen: Fehlanzeige.
Liest man also nicht die „back story“ dieses Werks, kann man sich berechtigt brüskiert fühlen. Tatsächlich sind die Alien-Hinweise eher spärlich im Film, der Täter wird eher als Untoter beschrieben.
Das liegt vor allem daran, dass es wirklich mal so geplant war.
Ursprünglich war es ein Film über einen jahrelang versteckt gehaltenen Autisten mit übernatürlichen Kräften bzw. über einen untoten Zombiekiller, doch nachdem ein Glanzlicht wie Tobe Hooper auf dem Regiestuhl Platz genommen hatte, lag er im Drehplan auch schon diverse Wochen zurück, weswegen Hooper wieder gehen musste. John „Bud“ Cardos, hauptsächlich ein versierter Stuntkünstler, übernahm und machte – weil ein mysteriöser Film namens „Alien“ gerade dick Kasse gemacht hatte, aus dem Thriller einen Scifi-Film.
Das führte dazu, dass zu den psychischen Kräften des Herrn nun auch noch Laserstrahlen aus den Augen hinzukamen und natürlich explodierende Opfer.
Dass es sich um einen Alienangriff handeln soll, erfährt man auch nur aus der einführenden Laufschrift, die den Täter als eine Art „Predator“ beschreibt.
Wie das dann alles funktioniert, mit der Elektrizität, den Stimmen und wieso der böse Alienist seine Opfer in Stücke reißt, bleibt ungeklärt, im Original war es dann wohl auch Wut eines Zombieautisten auf die Menschheit, die ihn so mies behandelt hat.
Lässt man die mäßig entwickelten Figuren aber mal beiseite, bekommt man ein interessantes Portrait von L.A. in den späten 70ern zur Disco-Ära präsentiert, hervorragend bebildert und teilweise mit solider Action und großem Finalpomp umgesetzt. Sehr solide sind jedenfalls die bedrohlichen "Licht aus!"-Sequenzen, die den Figuren nach und nach den Stift gehen lassen, egal ob hier im Lagerhaus, im Büro oder - besonders effektiv - im Parkhaus. Dennoch ahnt man zwischendurch, wenn das Tempo gegen Null gedrosselt wird, Jaeckel seine sechste Wuttirade ansetzt oder Crosby über ihre große Chance schwadroniert, dass in versierteren Händen darauf ein noch viel besserer Film hätte werden können und nicht eine Kuriosität, die man kurz vor Start noch kurz mit anderer Farbe und ein paar Tricks übergepinselt hat. (5/10)