Wenn vermeintliche Superlative zusammen kommen: Anno 1963 drehte Robert Wise „Bis das Blut gefriert“, welcher zweifelsohne zu den besten Gruselfilmen aller Zeiten gezählt werden darf. Und ein Anthony Hopkins gehört zu jenen Charakterdarstellern, auf die man eigentlich gar nicht mehr verzichten möchte.
Hopkins gibt hier den Einzelgänger und Esoteriker Elliot Hoover, der davon überzeugt ist, dass seine verstorbene Tochter Audrey Rose im Körper der elfjährigen Ivy (Susan Swift) wiedergeboren wurde. Er beobachtet und verfolgt die Familie, woraufhin Dad Bill (John Beck) ihn am liebsten aus den Verkehr ziehen würde. Doch als Ivys Alpträume zunehmen und scheinbar nur Hoover sie zu beruhigen vermag, gerät Mutter Janice (Marsha Mason) ins Wanken…
Der Streifen hatte es wahrlich nicht leicht, denn ein Jahr zuvor, also 1976 entstanden gleich drei Knaller: „Das Omen“ veranschaulichte, wie Gruselkinder in Szene zu setzen sind und wenn sie mal ein wenig ausrasten, war „Carrie“ im selben Jahr zuständig. Selbst der oftmals unterschätzte „Landhaus der toten Seelen“ bot insgesamt mehr Horror und Atmosphäre als vorliegendes Werk.
Für den Roman und das Drehbuch war Frank De Felitta verantwortlich und dieser musste wohl irgendwie auf dem falschen Indien-Trip gewesen sein, weshalb auch halbseidene Archivaufnahmen mit irgendwelchen Pilgern noch hinein gepuzzelt wurden. Überhaupt ist der Streifen auffallend sparsam inszeniert, - da ist ein Autounfall gleich zum Einstieg die wohl aufwändigste Szene, während man das Paranormale, sofern es denn überhaupt vorhanden ist, erst gar nicht zur Geltung kommen lässt.
Oder anders gesagt: Erst ist Hannibal Lecter ein Stalker im Regen und später gibt es einen kaum ernst zu nehmenden Gerichtsprozess, bei der Typ aus „Magnum“, der nicht Magnum ist mitmischt. Dazwischen tummeln sich Cops, die später in Musikvideos von „Frankie Goes To Hollywood“ auftauchen, während die Synchro von Ivy gar nicht geht. Eine gewisse Heidi Klein, die damals bereits fast dreißig Jahre alt war, hat es zwar versucht, scheitert jedoch gnadenlos. Den Spaß mit kein Foto für dich sparen wir mal aus, weil der Streifen bis auf eine Stelle mit einem Lieferanteneingang überdies nie lustig ist.
Das größte Manko ist das Ausbleiben mehrerer Ebenen. Was könnte Hoover von der Familie wollen? Will er die Frau, den Mann ausspannen, das Kind entführen oder ist er schlicht irre?
Das Rätselraten hält sich in Grenzen, stattdessen erklärt Hopkins in deutlich zu ausgiebigen Exkursen, wie seine Weltanschauung einzuordnen ist, während es hüben wie drüben an Suspense mangelt und man einen Anwalt im Schlumpf-Pullover schon in den Siebzigern nicht ernst nehmen konnte.
So bleibt vieles nur Behauptung, während die wenigen Spezialeffekte kaum über das Verschütten eines Gun-Powder-Tees (aus China) hinauskommen. Der Score von Michael Small („Der Marathon-Mann“) ist zwar eine Klasse für sich und wertet das Treiben in etwa so auf, wie der damals bereits sehr präsent performende Hopkins, doch innerhalb vieler Genreperlen der Siebziger ist das Endergebnis eine klare Ernüchterung.
Im Kontext einer leicht verklärten Jugenderinnerung (ohne Hypnose mit Rückführung) noch knapp
6 von 10