Die Geschichte eines Bullterriers als Spiegelbild der menschlichen Gesellschaft der Moderne – das ist das Wesentliche, was man aus diesem französischen Film mitnehmen kann, der immer wieder fälschlich als Horrorfilm apostrophiert wird.
Baxter, offenbar ein Zwingerhund aus einer Zucht, durchlebt in diesem recht kurzen Film drei verschiedene Stationen seines Lebens bei Menschen, deren Schicksale miteinander verwoben sind. Die Frau des Züchters schenkt ihn zunächst ihrer gebrechlich werdenden Mutter, die aufgrund ihrer natürlichen Angst vor dem Hund schon mal kein achtungsvolles Herrchen ist.
Baxter selbst ist und bleibt über die gesamte Filmlänge ganz Hund, der sich zwar über die Menschen Gedanken macht, diese und ihre Handlungen aber nicht versteht, sondern seine Bedürfnisse nach Hundelogik ausrichtet.
Er will frei sein, in der Natur, er will dominiert und herausgefordert werden und er hat ein ganz einfaches Gerechtigkeitsbewußtsein, einen simplen Kodex.
Letztendlich ist es nicht Bösartigkeit, die ihn einen Unfall inszenieren läßt, der die alte Dame das Leben kostet, sondern simple Lebensnotwendigkeit. Als die alte Frau nämlich ihr Alter und die damit verbundene Eingeschränktheit einsieht, verdrängt sie sie zugunsten eines Rückzugs in die Unselbständigkeit, wird zur schrägen Einsiedlerin, die keinerlei Hilfe annehmen will, bis sie in ihrem eigenen Dreck zugrunde geht.
Baxters nächste Station ist dann ein junges Ehepaar, dessen sexuelle Stimulation sich auch auf den (nicht kastrierten) Hund auswirkt – bis ein Kind im Haus ist und sich simple Eifersucht einstellt, da die Vergrößerung der Familie eine Veränderung bewirkt: die Frau hat das Kind, der Mann muß mehr arbeiten, der Hund wird latent vernachlässigt.
Schlußendlich landet er bei einem Jungen, dessen Vater ein Verhältnis hatte (mit seiner Lehrerin, die wiederum die Tochter eines Freundes der alten Dame war – hier sind alle Episoden miteinander verwoben), der eine Faszniation für das dritte Reich und Eva Braun entwickelt und den Hund zum Kampfhund abrichtet, bis die eigene Grausamkeit selbst für den Hund zuviel wird.
Es liegt eine zynische Ironie in diesem letzten Kapitel, das ganz offensichtlich stark von Stephen Kings „Der Musterschüler“ beeinflußt, aber nicht recht fertig gedacht wurde. Die ganz große Konsequenz wird vermieden, der Hund genießt erst die Dominanz, schreckt dann aber vor der übergroßen Härte zurück und entwickelt ein neues Gewissen, das ihn schließlich zu einer eher unerwarteten Konfrontation führt.
Interessanter wirkt da schon der eher zurückgezogene Junge, der eigene schräge Ideen entwickelt und dessen sexuelles Erwachen stark dämonisiert und degeneriert wirkt, da er keine familiäre Leitfigur hat (der Vater ist untreu, die Mutter hilflos).
Geschickt subtil aufgetragen dabei die Gesellschaftskritik: die Vernachlässigung der alten Dame durch ihre Familie, die Auflösung der Familie bei dem jungen Paar (Kind =Stress=weniger Körperlichkeit), die Wertemutation des Jungen, der von seinen eigenen Gewaltphantasien davongetragen wird.
Am Ende ist Baxter besser dran, während der Junge in einem finalen Dreh Baxters Rolle als sexuelle deformierter Voyeur einnimmt, jedoch nicht von seinen Instinkten, sondern schlicht vom Animalischem getrieben.
Der Mensch macht sich so also selbst kaputt...bösartiger hätte man es nicht formulieren können, wenn auch vielleicht sarkastischer inszenieren. (7,5/10)