Review

Ein Bullterrier als Sympathieträger und nicht als Gegenstand austauschbaren Tierhorrors, - man könnte meinen, so etwas Merkwürdiges bekommen nur die Franzosen hin.
Wer hier bissige Action a la „Cujo“ erwartet, dürfte wohl eher enttäuscht werden, denn im Mittelpunkt stehen die drei Lebensstationen des Hundes Baxter, erzählt aus dessen Sicht.

Angefangen vom Aufenthalt bei einer alten Dame, die sich aus Altersstarrsinn immer mehr in ihre Wohnung zurückkriecht, über die glücklichen Wochen bei einem jungen Ehepaar, bis ein Baby zu Eifersucht und Vernachlässigung führt, bishin zu einem dreizehnjährigen Jungen, der von seinen Eltern vernachlässigt wird und sich in eine einsame Welt zurückzieht, die von der Verehrung zu Eva Braun und Hitlers letzten Stunden dominiert wird und Baxter im Gegenzug zu Höchstleistungen anspornt.
Unterstützt wird Baxters Sicht durch Voice-over, die tiefe, raue und zugleich beruhigende Stimme von Helmut Krauss verleiht den Gedanken der vierbeinigen Titelfigur eine angemessene Tonlage.

Baxters vertonte Gedankenwelt fasziniert entsprechend, denn man begegnet der Mensch/Tier – Beziehung mit Hundelogik, die absolut nachvollziehbar ist.
Da die Wahrnehmung des Hundes stark von Gerüchen geprägt ist, legt man eine besondere Betonung auf Umschreibungen, das wohlige Gefühl beim Buddeln in der Erde, die anfängliche Angst der alten Dame ihm gegenüber, die junge Frau, die mit ihrer Schwangerschaft (er nennt sie krank), nicht mehr so riecht wie zuvor.
Und natürlich die wesentlichen Grundbedürfnisse eines Hundes, die Baxter zu einem bestimmten Handeln verleiten, sobald diese nicht mehr gegeben sind.
So muss er die alte Frau die Treppe herunter schubsen, weil ihm der Auslauf im Garten fehlt, das Neugeborene des jungen Paares aus dem Weg räumen, um den Mittelpunkt des Interesses zurück zu gewinnen und dem Nachgeben seines Geschlechtstriebes rechtfertigen, der ihm zu einem bestimmten Zeitpunkt einfach keine Wahl ließ („Sie war mir zuwider, aber ich würde es jederzeit wieder tun“).

Allerdings geht die Erzählweise nicht konsequent vor und verlässt phasenweise zu lange Baxters Gedankenwelt, um den menschlichen Figuren aus neutraler Sicht beizuwohnen, was manchmal etwas unnötig ausgeschmückt wirkt (Der Freund der alten Dame hat nicht wirklich eine bedeutende Funktion) und gerade bezüglich des jungen Paares wird kaum ein Charakterprofil deutlich.
Besser gelingt dies bei Baxters drittem Besitzer, dem Jungen Charles, der im Verlauf die komplette Verachtung des Zuschauers auf sich zieht.
Anfänglich gefällt es dem Hund von Charles gefordert und gedrillt zu werden, doch mit der Zeit erweist der Vierbeiner eine moralisch weitaus höhere Kompetenz als sein verbohrter Besitzer.
Insofern vermag das Ende auf emotionaler Ebene keineswegs zufrieden stellen, was dem zwar latent bedrückendem Grundton Rechnung trägt, einem aber mit einem leicht missmutigen Gefühl zurück lässt.

Er dachte, er könne von Menschen lernen, heißt es da gleich zu Beginn. Am Ende zeigt sich, wer von wem lernen kann, soviel hat „Baxter“ zumindest erreicht.
Vielleicht ein wenig unterkühlt und distanziert, was die menschlichen Konflikte betrifft, der Sicht eines Hundes kommt man hingegen, soweit man das überhaupt beurteilen kann, tierisch nahe.
Ruhig erzählt, von jeder Warte aus betrachtet sauber gespielt, nur innerhalb der Erzählform leider nicht konsequent, um vollends zu begeistern.
Dennoch, nicht nur für Hundefreunde einen Blick wert,
7 von 10

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