Baxter ist ein hässlicher Bullterrier. Niemand will ihn haben. Alle seine Besitzer werden unglücklich mit ihm. Eine alte Witwe verbittert und vereinsamt in seiner Gesellschaft. Ein junges Paar gibt ihn weg, als Baxter versucht den Nachwuchs zu ertränken. Erst in dem einsamen Teenager Charles glaubt Baxter einen Seelenverwandten gefunden zu haben. Doch das Glück hält nicht lange, als sich Charles als Sadist entpuppt…
Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich als Dreikäsehoch mal drum gebettelt habe, länger aufbleiben zu dürfen, weil ich den Horrorfilm BAXTER anschauen wollte. Er lief damals auf ZDF irgendwann nach 22 Uhr. Und nur zu gut weiß ich noch, wie enttäuscht ich von dem Streifen war. Erwartet hatte ich wohl einen klassischen Tierhorror mit Killerhund im Stile von CUJO, DIE MEUTE oder DER WEISSE HUND VON BEVERLY HILLS. Doch BAXTER ist ganz anders. Der französische Film bietet erwachsenen, psychologisch angehauchten Horror zum Mitdenken. Apropo „Mitdenken“: Baxter ist ein intelligenter Vierbeiner, der ständig inneren Monolog hält. Seine Gedanken werden dem Zuschauer mittels Erzählerstimme mitgeteilt. Doch Baxter ist trübsinnig, missmutig und lebensverneinend. Ernest Hemmingway als Hund sozusagen. Menschen, so meint er, sind dumm und stinken. Besonders alte Leute. Viel lieber sieht er dem jungen Paar von gegenüber beim Sex zu. Als diese ihn aufnehmen, reagiert er neidisch auf das Baby und möchte es abmurksen. In dem jungen Außenseiter Charles findet er einen Ebenbürtigen, einen Sadist und Psychopath wie er selbst einer ist. Charles ist verliebt in Eva Braun und fasziniert vom Dritten Reich. Mit dem Drill der Nationalsozialisten erzieht er Baxter, welcher zu Beginn noch brav gehorcht. Als aus Dressur aber Folter wird, setzt Baxter zum Gegenschlag an.
BAXTER oder BELL MIR DAS LIED VOM TOD (bescheuerter Titel!) ist alles andere als seichte Tierhorror-Unterhaltung. Viel mehr ein Sozial-Drama über die Grausamkeit des Menschen, pathologische Mensch-Tier-Beziehungen und darüber, welche dunklen, geheimen Triebe im Umgang mit einem schwächeren, uns ergebenen und willenlos gehorchendem Subjekt zum Vorschein kommen.
„Dann hat er dieses Geräusch gemacht. Und ich hab gehorcht, wie er es mir beigebracht hat. Ich konnte nicht anders. Man darf nie gehorchen!“
Fazit:
MENSCHENFEIND als Tierhorror. Was dein Hund wohl über dich denken würde…?