"13 Stühle" scheint sich äußerlich betrachtet nur wenig vom üblichen Heinz-Rühmann-Starvehikel der späten 30er Jahre zu unterscheiden, in denen seine Filme vor allem der Ablenkung dienten und hier ähnlich wie in "Der Gasmann" oder "5 Millionen suchen einen Erben" die Geschichte vom kleinen Mann des Volkes erzählt wird, der plötzlich zu Reichtum gelangt. Mit den typischen Folgen der ersten Versuchung bis zum Erkennen der wahren Werte, die natürlich nicht im schnöden Mammon liegen.
Doch es gibt zwei wesentliche Merkmale, die diesen Film trotz offensichtlicher Anpassung an den damaligen Publikumsgeschmack (der vom Propagandaministerium gelenkt wurde) aus der Masse heraushebt - die Story basiert auf einer russischen Novelle ("12 Stühle") aus den 20er Jahren, die als beißende Satire aufs eigene Volk zu verstehen war, und sie stellt statt des üblichen "lieben Frauchens" diesmal Hans Moser an Rühmanns Seite, die ein deutlich originelleres Paar abgeben. Ausschlaggebend für diese Maßnahme dürfte der gerade erfolgte Anschluss Österreichs an Großdeutschland gewesen sein, weshalb der gebürtige Essener Heinz Rühmann etwas deplaziert in Wien auftaucht, auch wenn er erst mit dem Zug dorthin fahren muss.
Der Grund für diese Reise liegt in der unverhofften Erbschaft seiner Tante, die - obwohl in ihrem Umfang keineswegs einschätzbar - sofort zu kühnsten Fantasien Anlass gibt und mit Lily Walter (Inge List), die Felix Rabe (Heinz Rühmann) im Zugabteil trifft, auch beim weiblichen Geschlecht gleich Begehrlichkeiten erzeugt. Anders als in den meisten Rühmann-Filmen entfernt sich der Film nicht so weit von der literarischen Vorlage, dass er Rabes Egoismus, gepaart mit naiver Dummheit leugnet. Auch wenn der Zuschauer damals einem Heinz Rühmann sicherlich ein solches Verhalten nachgesehen hat, hält der Film erfreulich konsequent dessen Jagd nach Reichtum ohne moralisches Schöngerede durch. Moser und Rühmann geben lange Zeit ein durch die äußeren Umstände zusammen geschweißtes Paar ab, dass sich einerseits herzlich misstraut, andererseits keine Gnade kennt, um wieder in den Besitz des Stuhls zu gelangen, in dem die Erbtante 100.000 Mark versteckt hatte.
Allein das Rabe in diese Situation kam, wirft ein deutliches Bild auf seinen Charakter, denn als er in Wien nur eine leer geräumte Wohnung mit dreizehn alten Biedermeier-Stühlen vorfindet, verliert er schnell die Contenance, beleidigt das kurz vorher noch so "geliebte Tantchen" und verkauft die Stühle an den Trödler Alois Hofbauer (Hans Moser), um wenigstens die Rückfahrt bezahlen zu können. Erst in der Nacht erkennt er das Geheimnis der Stühle, doch am Morgen muss er feststellen, dass Hofbauer diese schon veräußert hatte. Um wieder in deren Besitz zu gelangen, verrät er diesem von dem versteckten Schatz und gemeinsam machen sie sich auf die Suche.
Der Film nutzt die vielfältigen Charaktere und Situationen, bei denen die Beiden auftauchen für respektlose Beobachtungen des mitmenschlichen Verhaltens. Als Felix Rabe aus einem brennenden Haus, wo er fälschlicherweise einen der Stühle vermutete, nebenbei einen Hund rettet, wird dieser zwar mit Begeisterung in die Arme genommen, aber von dem Retter nimmt Niemand Notiz. Vielleicht lag es am Drehort Wien, dass selbst bei kritischen Szenen wie dem Aufenthalt im Kuriositäten-Kabinett oder in der Irrenanstalt, wo Rabe und Hofbauer fast folgerichtig landen, keine Anspielungen auf nationalsozialistisches Gedankengut zu erkennen sind. Sehr positiv kommt dem Film auch Mosers Spiel zugute, der anders als der jugendliche Rabe zwar vordergründig als grantelnder Wiener seine Paraderolle gibt, aber innerhalb der sonstigen egoistischen Gesellschaft der Einzige ist, der echte Sympathien verdient.
Gerade die Frauen kommen in „13 Stühle“ ausschließlich schlecht weg, da sie entweder als herrische Ehefrauen oder geldgeile Luxusweibchen auftreten. Trotzdem ist diese Gestaltung im Vergleich zur üblichen Filmware dieser Zeit erfrischend, denn durch den Verzicht auf ein „Love-Interest“ für Rühmann (auch wenn dieser das erst spät begreift), bleibt einem diesmal die idealisierte Frauengestalt mit sicherer Anwartschaft auf das Mutterkreuz erspart. Die Frauen dürfen wenigstens richtig fies sein und reihen sich damit getreu der russischen Originalvorlage (die damals in Nazi-Deutschland Niemand erwähnte) gleichberechtigt in die Männerwelt ein.
Nur die beiden männlichen Protagonisten ragen letztlich positiv heraus, was durch ein etwas aufgesetztes, aber wenigstens kurz gehaltenes Happy-End betont wird. Diese Abweichung von der Vorlage kann nur als Anbiederung an die damaligen Erwartungshaltungen verstanden werden. Trotzdem auch aus heutiger Sicht eine erfrischende, schnelle Komödie mit einem dezent respektlosen Charakter (6,5/10).