Ganze acht Jahre nach seinem "Dracula" schickt sich Terence Fisher an, eine im Gegensatz zum schwachen Lückenfüller "Dracula Und Seine Bräute" direkte Fortsetzung zu seinem Vampirauftakt zu drehen und lässt dieses durch einige einführende Szenen aus dem vormaligen Streich mit Christopher Lee und Peter Cushing Revue passieren. Letzterer ist nicht mehr mit von der Partie und wird vom weltlichen Pater Sandor vertreten, der zwei durch die Karpaten reisende Pärchen vor dem Schloss Carlstein eindrücklich warnt. Trotz guter Vorsätze landen die vier dennoch ausgerechnet bei Anbruch der Nacht in dem finsteren Gemäuer und die Gastfreundschaft des Dieners Gabor soll sich rasch als hinterhältige Falle herausstellen... Aus dem Dilemma, dass der Graf Dracula nun eigentlich schon tot ist, macht das Drehbuch, erneut von Jimmy Sangster, eine Tugend und wartet mit einer der beeindruckendsten Szenen der ganzen Serie um den Vampir aus den Hammer Studios auf: Das erste Opfer nämlich wird kurzerhand getötet und kopfüber aufgehängt, damit das Blut literweise in den Sarg des Grafen fliesst und dessen Asche somit zu neuem Leben erweckt. Man könnte fast glauben, Mario Bava hätte eine Szene aus "Blood Feast" interpretiert, ein zweifelloses Highlight der gesamten Hammer-Saga um den Blutfürsten. Auch im weiteren Verlauf kann dieses Sequel als erstes seiner Reihe mit all den Attributen aufwarten, mit denen Christopher Lee noch heute verbunden wird. Seine Auftritte haben bereits die erhabene Gestik mit der veführerischen und zugleich bedrohlichen Austrahlung, die Ausstattung der Sets von der Dorfschenke bis zum Schloss, bei dem es öfter mal gewittert, ist purer Gothicgrusel. Zum Gelingen tragen auch die illustren Darsteller bei, neben dem Star Christopher Lee mit dem berühmten Umhang Barbara Shelley in der Rolle der Helen, die einzig skeptische, und später auch reizende Vampirin. Ihren Mann Alan verkörpert Charles Tingwell. Dessen Bruder Charles gibt Francis Matthews und seine Frau Diana Suzan Farmer, ein mehr als ansehnliches Line Up. Christopher Lee ist mit seinen blutunterlaufenen Kontaktlinsen in Hochform und verleiht dem Charakter seinen unnachahmlichen Aristokratenlook des geheimnisvollen Unbekannten, der trotz größerer Screentime wortlos bleibt. Interessant ist auch, dass sich das Skript einiger neuer Details aus der Romanvorlage Bram Stokers bemächtigt, wobei die Handlungsabfolge davon schon längst losgelöst ist. So findet sich die Figur des Renfield in Form des geistig verwirrten Buchbinders Lukas wieder und Dracula bietet der potentiell Angebeten das Blut seiner Brust an. Die erotische Färbung ist nicht nur unterschwellig sondern wird, für die Produktionsverhältnisse, recht offen kund getan. Rundum ist die Atmosphäre wunderbar gelungen, etwas fragwürdig ist höchstens die plumpe Trickkulisse des Finales, bei dem der ansonsten graziöse Graf auf einer pappigen Eisscholle umherstelzt. Trotzdem: 1966 war ein exzellenter Jahrgang für die Hammer Studios, Freunde des feinen, englischen Horrors bekommen mit "Blut Für Dracula" sowie "Nächte Des Grauens" zwei unbedingt empfehlenswerte Filme präsentiert.
Fazit: Christopher Lee ist wieder auferstanden. Eines der besten Sequels der Vampirreihe aus den Hammer Studios. 7/10 Punkten