Acht Jahre nach dem fulminanten Original-Dracula der britischen „Hammer Film Productions“ konnte man sich endlich auf eine Fortsetzung mit Christopher als Darsteller des Grafen einigen; die erste Fortsetzung musste ja leider ohne Lee auskommen. Auf dem Regiestuhl nahm wieder der erfahrene Terence Fisher Platz, das Drehbuch stammt von Jimmy Sangster und Anthony Hinds. Leider war der eigentlich unersetzbare Peter Cushing als Draculas Widersacher van Helsing nicht greifbar, mit Andrew Keir als Pater Sandor besetzte man dessen entsprechend abgeänderten Part aber sehr passabel. Die Religiosität seiner Figur ist nur eine von mehreren christlichen Motiven und Metaphern, die die Handlung durchziehen. Wie auch andere Charaktere erlebt Sandor eine charakterliche Wandlung, in diesem Falle vom sehr weltlichen Geistlichen, der nicht an die Existenz Draculas glaubt, zum Gegenpart des Grafen, der ihn bekämpft. Andere werden beispielsweise vom asketischen Fräulein zur sexualisierten Wollüstigen. Die Erzählweise erscheint zunächst recht behäbig, das erste Todesopfer ist erst nach über 40 Minuten zu verzeichnen und Christopher Lee tritt gar erst ab Minute 47 auf den Plan. Vom ganzen Vorgeplänkel mag man halten, was man will, doch muss man es dem Filmteam lassen, einmal mehr in prachtvoller Ausstattung eine hochgradig stimmige, mysteriöse Gothic-Horror-Atmosphäre erschaffen zu haben, die für den typischen Wohlfühlfaktor sorgt. Im Prinzip gibt es nur zwei blutige Szenen, diese haben sich aber gewaschen, beispielsweise die superstarke Wiedererweckungssequenz Draculas, für die es sich gelohnt hat, den Grafen im ersten Teil sterben lassen zu haben. Dieser reinkarniert direkt mit seinem Ring am Finger und ist so mies gelaunt, dass er kein einziges Wort spricht. Die Begründungen dafür gehen auseinander; Sangster & Co. behaupten, dass Lees Rolle von vornherein so konzipiert war, Lee hingegen sagt, dass ihm seine Texte zu mies waren und er sich weigerte, sie zu rezitieren. Wie dem auch sei, es passt zu Draculas animalischer als zuvor erscheinenden Charakterisierung dieses Streifens. Dazu passt auch der zeitgemäß („Dracula“ erschien 1958, diese Fortsetzung 1966) etwas hochgeschraubte Erotik-Faktor, der Bram Stokers ursprünglicher Literaturvorlage ebenso etwas gerechter werden dürfte wie einige weitere klassische Motive der Geschichte, die hier erstmals aufgegriffen wurden. Ein Geniestreich wie der meilensteinige erste Teil ist „Blut für Dracula“ nicht geworden, aber eine interessante, gelungene Fortsetzung, die Freunde der Reihe befriedigen dürfte.