Da ich schon im Review zum schmutzigen Harry diesen Film erwähnt habe, soll auch der erste Film der Death Wish-Reihe (die unterschiedlich spekulativ viermal fortgesetzt wurde) an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, handelt es sich um die literarische Vorlage von Brian Garfield doch um einen Klassiker des urbanen Westerns, dessen Thematik erst kürzlich in James Wans „Death Sentence“ wieder aufgegriffen wurde und der in der Folge (wegen seines großen Erfolges) eine Welle ähnlich gelagerter Vigilanten-Filme nach sich zog.
Charles Bronson alias Paul Kersey ist eigentlich ein ganz friedlicher Mann. Er hat den Kriegsdienst verweigert und ist von seiner Art her sehr liberal bis eines Tages seine Frau und seine Tochter von widerwärtigen Punks (im Film passend „Ratten“ genannt) überfallen und aufs brutalste vergewaltigt werden. Diese durch die deutsche Synchronisation spekulativ ausgeschlachtete Szene suchte in Ihrer Darstellung damalig ihresgleichen.
Exkurs:Bis zu diesem Film wurden solche Greultaten nur selten in groß budgetierten Studioproduktionen gezeigt. Fast schade, dass man „Death Wish“ immer nur mit dieser mehr als nur brutalen Szene am Anfang in Verbindung bringt, die wirklich jedes Detail der Erniedrigung Kerseys Tochter und seiner Frau durch die Ratten darstellt (Jeff Goldblum war jung und brauchte das Geld).
Eine Szene (und deren Folgehandlungen), die Death Wish in Deutschland die Indizierung quasi garantierte, die aber wie ich meine auch in dieser Härte absolut notwendig war. Die Szene ist zwar widerlich anzusehen (jeden, der diese Szene klasse findet, kann ich nur bemitleiden) hat jedoch ihre Berechtigung innerhalb des Films, liefert sie doch das Motiv, warum die Hauptfigur später so dermaßen ausklinken wird. War sie eventuell filmisch notwendig, um den Zuschauer Paul Kerseys Feldzug gegen das Verbrechen New Yorks glaubhaft und schmackhaft zu machen, nicht zuletzt um später vielleicht über sich selbst nachzudenken, so war sie ganz sicher moralisch notwendig: Dreht man einen Film über einen Mann, dessen Frau und dessen Tochter quasi aus Lust und Laune von Gewaltverbrechern richtiggehend vernichtet werden, so ist es meines Erachtens überhaupt nicht zulässig auch nur irgendetwas zu verniedlichen oder zu verharmlosen. Es ist die Pflicht des Regisseurs uns so etwas dann auch realistisch in seiner ganzen Grausamkeit zu zeigen. Ansonsten sollte sich ein Regisseur an solch einer Thematik gar nicht erst versuchen (meine persönliche Meinung).
Spielberg sparte beim Soldaten James Ryan schließlich auch kein Detail aus, nur um uns die Drastik der damaligen Zuständige visuell vor Augen zu führen.
Kerseys Frau stirbt noch im Krankenhaus und seine Tochter ist für alle Zeiten ein geistiger Krüppel.
Kersey selbst versucht einfach das Geschehene, welches er nicht wieder rückgängig machen kann, zu verdrängen und stürzt sich in seine Arbeit. Seine Arbeit führt ihn nach Arizona. Einen Kunden muss er dort beraten und die Prärieluft bekommt ihm gut und er mag auch die Art wie man in Arizona lebt, einem Staat, in dem es noch üblich ist, seine Angelegenheiten selbst in die Hand zu nehmen, auch wenn man dazu Waffengewalt benötigt. Es ist genau diese Mentalität, die sich Kersey langsam aneignet und er soll nicht als unbewaffneter Mann wieder nach New York zurückkommen.
Zum Rächer freilich wird Kersey nicht von hier auf jetzt:
Er fängt an, nachts potentielle Gefahrenpunkte in New York aufzusuchen. Harlem, Bronx, die New Yorker U-Bahn, alles Plätze, wo er sich von nun an nachts rumtreibt. Er begegnet dabei den Ratten von New York und muss sich nicht lange bitten, sie kommen von selbst auf ihn zu. Erste Akte der Gewaltausübung sind noch eher unbeholfen (ausgeübt mit einem mit Münzen gefüllten Strumpf), doch Kersey soll sich als guter Schütze erweisen. Täglich in den Schlagzeilen der Boulevard-Presse als „Rächer“ gefeiert, führt er fortan ein unerkanntes Doppelleben: Tagsüber braver Staatsbürger, nachts der unerbittliche „Rächer von New York“
Ein Zustand freilich, der nicht ewig anhalten kann, denn New Yorks Polizei kommt ihn natürlich, wenn auch spät, auf die Spur…
Letzten Endes ist „Death Wish“ ein ehrlicher und schauspielerisch guter Film. Über seine Aussageabsichten und dem was dahinter steckt, kann man sich endlos streiten. Filmisch gesehen ist dieser Film für mich eine Art Missing Link, was den Film für mich persönlich sehr interessant macht: Die Machart und der Stil des Filmes sind zum großen Teil noch am dramatischen, teils überkandidelten US-Kino der fünfziger und sechziger Jahre angelehnt. Das macht sich musikalisch (Herbie Hancock liefert einen überzeugenden Soundtrack ab), aber auch durch künstliche Kulissen im Hintergrund (z.B. am Anfang des Films, als Kersey mit seiner Frau in Florida urlaubt) bemerkbar. Ansonsten aber ist „Death Wish“ zusammen mit Dirty Harry und „French Connection“ bereits einer der ersten modernen Actionfilme, die über „Stirb langsam“ 1-3 bis zu Filmen wie „Bad Boys“ 1 und 2 reichen mögen.
So umstritten „Death Wish“ auch sein mag, jeder der sich mit dem Thema Film und seiner Geschichte ernsthaft auseinander setzen möchte, muss diesen Film gesehen haben.