Tja, hier haben wir den Film, der für Bronson Segen und wohl auch Fluch war. Nach "Spiel mir das Lied von Tod" ist Death Wish/Ein Mann sieht rot sicher sein bekanntester Film und hat Bronson einen übermächtigen Stempel aufgedrückt.
Charles Bronson, der einsame Rächer, der Vigilante, Mr. Selbstjustiz.... Man muss nur den Nachnamen "Bronson" erwähnen und schon hat das Publikum das Bild des Rächers vor Augen.
Schade, das Bronson nie mehr wirklich aus diesem Schema ausbrechen konnte, denn er wurde fortan in immer ähnlichen Rollen besetzt (und vier Death Wish Folgeteilen, bis hin ins "Rentenalter").
Nun, hier haben wir den ersten Teil. Paul Kersey (Bronson), New Yorker Architekt, kommt frisch aus dem Urlaub zurück und schon legt der Film los. Frau und Tochter werden nach dem Einkauf zu Hause von einigen Straßengangstern überfallen. Sein Frau kommt dabei ums Leben und die Tochter erlebt dadurch ein Trauma.
Fortan muss Kersey hilflos mitansehen, wie ihm seine Tochter und sein eigenes Leben immer mehr entgleitet.
Als er dann auch noch Abends selber überfallen wird, den Angreifer aber in die Flucht schlagen kann, ist er erst einmal komplett neben der Spur. Sein Arbeitgeber sendet ihn daraufhin zu einem Kunden in einen anderen Bundesstaat, aufs Land, weitab der großen Metropolen. Dort kommt er ein wenig zur Ruhe und erhält als Abschied von seinem Kunden, mit dem er sich angefeundet hat, eine Waffe.
Zurück in New York dauert es nicht lange, bis Paul Nachts im Park erneut bedroht wird, diesmal zieht Kersey die Waffe und erledigt den Gangster.
Geschockt zu Hause angekommen, muss sich Paul erstmal übergeben. Weitere Taten folgen (eher zufällig) und schnell schreiben die Zeitungen über den nächtlichen "Rächer". Dann folgt ein Wendepunkt. Paul beginnt Gangster absichtlich zu locken, zu provozieren. Er hat längst "Blut geleckt" und kann nicht mehr anderes. Wo vorher noch Zufälle sein Eingreifen bestimmten, geht er nun gezielt auf die Jagd....
Tja, ich bin mit den Death Wish Filmen groß geworden und mag Charlie in dieser Rolle. Zu Beginn (bis auf den Überfall) von ruhiger Hand inszeniert, kippt die Stimmung aber der zweiten Hälfte des Films (speziell nach dem ausgiebeigen Urlaub auf dem Land, wenn Kersey in das dreckige New York zurückkehrt). Ab hier herrscht dann eine wunderbare urbane New York-Stimmung. Das alles sehr gut unterstützt vom hervorragenden jazzigen Soundtrack von Herbie Hancock.
Bronson überzeugt recht gut in der Verwandlung vom Architekten zum gnadenlosen Rächer. Schön, das sich die Macher nicht hinreissen ließen und irgendetwas konstruiert haben, um gezielt die (unbekannten) Peiniger seiner Familie zu finden. Kerseys Hass richtet sich allgemein gegen alle Verbrecher.
Schön auch, das man nicht in das Klischee verfallen ist und die Polizei als strunzdumm darstellt. Detective Ocha ist Kersey recht dicht auf den Versen
SPOILER:
und stellt ihn schließlich auch am Ende...
SPOILER ENDE
Michael Winner hat hier einen hervorragenden Film abgeliefert, eine Blaupause für ettliche Plagiate, die in den späten 70er und dann in den 80er folgten. Bronson war hier auch noch nicht der unzerstörbare Superheld, sondern bekommt auch mal heftig was ab, was auch Detective Ochas Verdacht erhärtet.
Die urbanen Nachtszenen sind schön eingefangen und bilden einen harten Kontrast zu Kerseys Alltag, der schön in 70er Jahre Stimmung schwelgt. Die Schlußszene läßt einen nochmal ein Grinsen auf die Lippen zaubern.
Charles Bronson in einer Paraderolle, speziell auch in den USA ,wo er zwar auch durch seine Filme aus Europa bekannt war (und auch schon einen Golden Globe in er Tasche hatte), aber mit Death Wish einen richtigen Durchbruch hatte.
Schade, das er aus dem Image nie mehr herauskam, denn ich denke, Bronson hatte mehr auf dem Kasten. Trotzdem ist Death Wish absolut gelungen, auch wenn er nach heutigen Sehgewohnheiten recht gemächlich inszeniert ist. Die Rolle des Paul Kersey hätte wohl keiner besser als Bronson ausfüllen können und das Publikum gab dem auch recht.