In der Wüste New Mexicos geht ein Asteroid mit außerirdischen Kräften nieder: Alle, die ihn berühren, werden auf abstruseste Weise verwandelt (wenn sie nicht direkt platzen). Und so wird aus der Gangsterbraut Candy, die die letzten vier Jahre als untergetauchte Nonne in einem Kloster darauf gewartet hat, dass ihr Geliebter Johnny aus dem Knast kommt, und jetzt in einer abgelegenen Hütte auf seine Ankunft wartet, in ein männermordenden Lack-und-Leder-Girl mit Monsterzunge verwandelt – und ihre vier Pudel zu vier tuntigen Typen, die ihr liebend gern Frischfleisch zukommen lassen.
„Killer Tongue“ ist ein Musterbeispiel dafür, wie man im Trash-Genre mit irrwitzigen Ideen und Mut zum Absurden begrenzte Budgets überwinden kann. Mit reihenweise verrückten Ideen, schrillen Figuren und brachialem Nonsense-Humor bietet die spanische Science-Fiction-Horror-Lack-und-Leder-Parodie einen enormen Unterhaltungswert – wenn man sich auf das abseitige Konzept und die ebenso durchgeknallte wie dünne Story einlässt.
Das Glück des Films ist, dass er sich zu keinem Zeitpunkt selbst ernst nimmt: Ob brutale Gangster, sadistische Gefängniswärter oder unkonventionelle Nonnen, hier benehmen sich alle Figuren wie hemmungslos überzeichnete Knallchargen, das allerdings mit so viel Witz und Charme, dass es eine Freude ist. Selbst die beiden Gangster, die einst von dem Pärchen um die gemeinsame Beute betrogen und in der Wüste zurückgelassen wurden, wirken auf ihrem nun anstehenden Rachefeldzug eher skurril als ernstlich bedrohlich. Absolut idiotische und zusammenhanglose Szenen – der nackte Gangster crasht auf absurde Art einen fremden Truck und stiehlt dem verletzten Fahrer seine Kleidung – machen schnell klar, dass es hier weniger auf inneren Zusammenhang oder Logik ankommt als vielmehr auf möglichst grellen Effekt.
Und den erreicht „Killer Tongue“ nach einer halbwegs gemächlichen Einleitungsphase problemlos. Sobald sich Candy in eine Alien-Domina mit endlos langer Monsterzunge verwandelt, gibt es kein Halten mehr: Da werden blutige Morde mit derben Splattereffekten und -ideen dargeboten (etwa der Doppelmord, wenn die Zunge einem Typen den Kopf durchstößt und durch ihn hindurch dem nächsten ans Gemächt geht!), und wenn die Zunge gar zu sprechen beginnt und etwas mehr Verständnis von ihrer Wirtin einfordert, dreht sich die Verrücktheitsskala ins Unermessliche. Dieser irrwitzige Genre-Mix voll Gewalt, schrill-derbem Humor und Blut wird dann auch noch mit allerhand Sex gewürzt – etwa von stummen Nonnen, die sich in ihrer Gefangenschaft in leicht bekleidete Showgirls verwandeln, oder natürlich Candy, die feststellt, dass ihre neue Riesenzunge ihr auch ganz erquickliche Freuden bereiten kann.
Die Kirsche auf diesem Irrsinns-Trip sind dann auch noch zwei Gaststars aus Hollywood, bei denen man sich wirklich fragt, wie sie in dieser europäischen Low-Budget-Produktion landen konnten: Doug Bradley und Robert Englund! Während Bradley allerdings ohne seine Pinhead-Maske kaum wiederzuerkennen ist und in seiner Rolle als debiler Gefangener auch eher blass bleibt, liefert Englund als sadistischer Gefängniswärter mal wieder die volle intensive Leistung. Schrill überzeichnet gibt er den fiesen Aufseher, der seine Häftlinge mit Vorliebe quält und niedermacht, zwischendurch aber auch in einer erstaunlich sanftmütigen Szene eine verletzte Taube pflegt und im Finale gar zum durchgedrehten Möchtegern-Rambo mutiert und gegen das Alien-Monster antritt. Bei so viel hemmungslosem Overacting kann richtig Freude aufkommen!
So erweist sich diese eher günstig gedrehte Freakshow dank einer grundsätzlichen Scheiß-drauf-Einstellung als herrlich amüsante Trash-Parade voll verrückter Ideen. Schöne Running Gags wie der ausgebrochene Johnny, der den Großteil des Films auf dem Weg zu seiner Geliebten ist und dabei immer mehr Gewalt und Rückschläge einzustecken hat (inklusive Jeep, den er ganz allein einen Abhang hochzieht), überraschend gute Effekte (vor allem die mechatronische Zunge überzeugt tatsächlich erstaunlich gut), hemmungslos schrille, dabei politisch absolut unkorrekte Ideen – man denke an die vier schrillen Pudel-Tunten – und schön schräge Splatter- und Erotik-Ideen machen mächtig Wirbel und lassen die im Kern reichlich luftleere und zusammenhanglose Story oder einige dramaturgische Durchhänger im Schlussteil schnell vergessen. Wer auf schrägen Horror-Trash mit Fetisch-Einschlag steht, ist hier definitiv goldrichtig!