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Nach etwa achtzig Minuten ist es soweit. Der überaus schlecht gelaunte Zombiepudelmutant (er hört auf den Namen Floofsoms) macht den Überlebenden seine Aufwartung. Sein Anblick ist nichts für schwache Nerven, und selbst Dana (Denise Young), die bis zu diesem Zeitpunkt schon so einiges durchgemacht hat (u. a. einen Selbstmordversuch), beginnt beim Anblick des grotesken Ungeheuers irre zu kichern. Ihre Reaktion ist nachvollziehbar, hat sich Floofsoms, der nervende, angriffslustige weiße Pudel von Miss Poopinplatz (Phyllis Diller, Doctor Hackenstein), doch stark verändert und ist kaum wiederzuerkennen. Das übermenschengroße Ding stapft nun auf seinen Hinterbeinen umher, und wo seine Pranken hinschlagen, wächst kein Gras mehr. Aber tief in seinem Inneren ist das flauschige Grauen mit dem niedlichen roten Mascherl auf dem Kopf noch immer ein Hund, und das wird ihm schließlich zum Verhängnis. Achtzig Filmminuten früher ist vom monströsen Schrecken, welcher über unsere Helden hereinbricht, noch nichts zu ahnen. Jersey Callum (Ed Nelson, ein Veteran des phantastischen Kinos, der in den 50er-Jahren schon in Filmen wie Attack of the Crab Monsters, Invasion of the Saucer Men, Night of the Blood Beast und A Bucket of Blood mit von der Partie war) und Gordon Mullen (James Eustermann), zwei ungleiche Polizisten, stecken mit ihren Ermittlungen in einer Sackgasse und wenden sich an die psychisch begabte Alley Oates (Deborah Rose, Ski Patrol), die Licht ins mysteriöse Dunkel bringen soll. Es geht um den Fund von drei nackten, mumifizierten Kinderleichen, welche vor ihrem Tod anscheinend mit Menschenfleisch gefüttert wurden. Leichenbestatter Chen (Robert Yun Ju Ahn), der Hauptverdächtige, macht nur vage Andeutungen über uralte, chinesische, Kyoshi genannte Dämonen und bringt sich anschließend selbst um. Als sich Callum, Mullen und Oates in Chens Leichenhalle einfinden, um die toten Kinder näher in Augenschein zu nehmen, bricht plötzlich die Hölle los.

Ah, die Achtziger! The Boneyard mag zwar erst 1991 das Licht der Videotheken erblickt haben, aber er wurde bereits Ende 1989 in North Carolina gedreht und folgerichtig entströmt seinen Poren auch das liebliche Aroma, das Horrorschlockern, die in diesem Jahrzehnt entstanden sind, so oft anhaftet. Der 1959 geborene und 2010 verstorbene Texaner James Cummins, der diesen Streifen schrieb und inszenierte, arbeitete zuvor bereits an den Spezialeffekten einiger bekannter Horrorfilme mit (wie z. B. Strange Invaders, House, Slumber Party Massacre II und DeepStar Six), bevor er seine Regiekarriere startete, die sich allerdings auf drei Arbeiten (The Boneyard, Dark:30 und Harbinger) beschränkte. Aufgrund seiner so phantasie- wie liebevoll gestalteten Kreaturen, die noch dazu erstaunlich gut und charmant umgesetzt wurden, kann und will ich seinem ambitionierten Debütfilm einen gewissen Kultfaktor nicht absprechen. Wie der ähnlich gelagerte Evil Spookies - Die Killerdämonen (formerly known as Spookies - Die Killermonster) definiert sich auch The Boneyard über seine teils unheimlichen, teils knuffigen Monster, obwohl sie hier nicht in einer solchen Vielfalt aufmarschieren wie in Genie Josephs Heuler. Neben dem bereits erwähnten Zombiepudelmutanten treibt noch eine Zombiemenschmutantin mit riesigen Glubschaugen ihr Unwesen, und natürlich kommen auch die Hauptantagonisten, drei häßliche Ghoul-Kinder, nicht zu kurz. Diese kleinen, schleimigen, fleischfressenden Racker sind richtig coole, originelle und grausige Kreaturen, die noch dazu so einiges einstecken können. Daß die Make-Up-Effekte dann trotz des eher mageren Budgets von ca. US$ 950.000 vollauf überzeugen, hebt diesen Streifen deutlich über vergleichbare Creature Features hinaus. Und einmal mehr gilt: Gegen die computeranimierten Kreaturen aus neueren B-Horror-Movies - und sind sie auch noch so gut getrickst, was selten genug der Fall ist - haben diese Monster definitiv die Nase vorn. Und zwar um Pinocchio-Nasenlänge, nachdem er gerade drei Mal hintereinander gelogen hat.

Leider dauert es seine Zeit, bis der Film in die Gänge kommt. Die erste halbe Stunde tuckert The Boneyard so verdammt langsam dahin, daß man sich fast zwingen muß, nicht die Vorspultaste zu betätigen, zumal kaum etwas Aufregendes passiert. Immerhin ist da eine herrlich abstruse Szene dabei, in der die aus dem Schlaf gerissene Alley Oates den jungen Polizisten nach allen Regeln der Kunst mit einem Kissen verprügelt. Dieser schräge Humor, der bestimmt bei einigen Zuschauern verständnisloses Kopfschütteln verursacht, zieht sich konsequent durch den gesamten Film. Trotzdem zögere ich, The Boneyard eine Horrorkomödie zu nennen. Ja, der Streifen ist phasenweise verdammt witzig (wobei man sich manchmal fragt, ob das auch immer so gewollt ist), aber insgesamt hinterlassen die Horrorelemente mehr Eindruck, sieht man mal vom alles überstrahlenden Zombiepudelmutanten ab. Erfreulicherweise setzt Cummins auf Figuren mit Ecken und Kanten (keine austauschbaren Teenies weit und breit), die so gar nicht dem Genre-Standard entsprechen. Deborah Rose z. B. agiert ziemlich unfreundlich und ist auch nicht sonderlich attraktiv (böse Zungen behaupten gar, sie wäre fett und häßlich), aber mit ihrer resoluten und selbstbewußten Art gibt sie doch eine gute Heldin ab. Gegen Phyllis Diller ist sie allerdings machtlos; die Dame ist nicht nur das schauspielerische Highlight des Streifens, sie gewinnt auch den Hauptpreis für den besten Rollennamen in einem Monsterfilm: Miss Poopinplatz!

The Boneyard
ist ein klassisches B-Movie mit wenigen Locations und einer überschaubaren Cast, dem es zwar manchmal an Tempo, Spannung und Pep mangelt und dem etwas mehr Gore durchaus gut getan hätte, das aber trotzdem gut unterhält. Außerdem gelingt es ihm sogar, das Herz des Genrefans einige Male zum glücklichen Jauchzen zu bringen. Dafür sorgt - nicht nur, aber vor allem - Floofsoms, der unvergeßliche Zombiepudelmutant. Wuff!

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