ACHTUNG: Leichte Spoiler zur Handlung enthalten!
"Wahre Erleuchtung erlangt, wer erkennt, dass alles im Leben nur Illusion ist. Unter diesem Aspekt ist es wohl etwas erträglicher in seiner Scheiße zu sitzen."
Der an einer Bank angestellte David Walsh (Matt Dillon) erlebt einen Tag sondergleichen. In der Erwartungshaltung zum Mitarbeiter des Monats gekürt zu werden, erhält er stattdessen seine Kündigung, da er sein Soll nicht erfüllt hat. Parallel steht die Hochzeit mit seiner Verlobten Sara Goodwin (Christina Applegate) vor der Tür. Diese findet aber fremde Dessous in einem von Davids Jackets, stellt ihn abends bei dem gemeinsamen essen vor ihren Eltern bloß und setzt ihn kurzerhand vor die Tür, da sie eine Affäre mit seiner Kollegin Wendy (Andrea Bendewald) vermutet. Zumindest sein drogenabhängiger Kumpel Jack (Steve Zahn) kann ihn noch etwas aufmuntern. Nachdem aber auch Davids Auto geklaut wird, beginnt er am nächsten Morgen seinen letzten Arbeitstag... mit einer 45er Magnum.
Lange Zeit könnte man meinen "You're fired" wäre ein konventionelles Psychodrama, hochgradig gewürzt mit tiefschwarzem Humor. Aber erst in den letzten 15 Minuten verschießt das Werk sein ganzes Potential und wirft alles über den Haufen was vorher geschehen ist.
Von Beginn an dreht sich alles um Herrn "Wenn man denkt es kann nicht schlimmer kommen, gehts erst richtig los" David Walsh. Nach einer Vorblende begleitet man ihn zwei Tage seines Lebens an denen er persönliche Einbrüche erlebt und auf seine Art verarbeitet. Die Charaktere um ihn bilden Begleitpersonen und spielen mal eine größere, mal eine kleinere Rolle.
Auffällig ist die Art des Humors die auf sarkastische Weise das ständige Alltagsgeschehen kommentiert und gar einen Tick Sozialkritik übt. Stets gut pointiert trägt der Witz durchgehend die Handlung und sorgt trotz der tragischen Ereignisse immer wieder für ein schmunzeln oder laute Lacher. Die teils sehr skurrilen Figuren passen dabei wunderbar ins Bild.
Da sich ein Großteil der Handlung dialoglastig entfaltet könnte man meinen, durch Langeweile geplagt zu werden. Dem ist aber nur selten so. Neben dem großspurig eingefädelten, zugegebenermaßen geschmacksorientierten Humor findet sich ein Hauch vielseitiger, psychologischer Aspekte, ein leicht aufdringlicher, effektlastiger Soundtrack sowie einige abwechslungsreiche Zeitraffereffekte.
Das ausgeklügelte Charakterdesign kaschiert die Mängel an Drehbuch und Erzählweise.
In den letzten Minuten wandelt sich das Drama in einen Thriller, in dem plötzlich nichts mehr so ist wie es vorher zu sein schien. Ähnliches hat schon bei "Wild Things" recht gut funktioniert, auch wenn es irreführend oder hoffnungslos überladen war. Letzteres ist auch bei "You're fired" der Fall. In die letzte Viertelstunde wird eine komplette Änderung des Plots, die Erklärung dazu plus dem eigentlichen Finale gepackt, was dann auch etwas hektisch aussieht, seine Wirkung aber erzielt.
Und auch wenn es gegen Ende etwas temporeicher zugeht bleibt der Film durchgehend bodenständig. Nur zu Gedankenvisualisierungen, die nicht ins Ganze passen wollen, bedient man sich überzogener, actionorientierter Mittel, wie beispielsweise die Vorstellung Davids einen Banküberfall zu vereiteln.
Ein wenig fehlt der Feinschliff bei den Details, wobei die Laufzeit eine Rolle spielt. Einige Sideplots werden vernachlässigt oder nicht mehr wieder aufgegriffen. Das trifft auch für einige Charaktere zu die als Randfigur dienen und nur als Mittel zum Zweck in die Handlung eingesponnen wurden.
Die gute Besetzung der Rollen ist fast durchgehend mit Darstellern belegt, die bereits Erfahrung im Komödiengenre vorweisen können. Allen voran bietet Matt Dillon ("L.A. Crash", "Wild Things") durchgehend die flexibelste Handhabung seiner Figur. Die aus der Serie "Eine Schrecklich nette Familie" bekannte Christina Applegate schaut zeitweise etwas gleich drein, Steve Zahn wirkt etwas übermotiviert, beide passen sich aber an. Für eine zusätzliche visuelle Dreingabe ließ sich Jenna Fischer für einen einprägsamen Kurzauftritt überreden.
"You're fired" setzt sicher keine neuen Maßstäbe bietet aber kurzweilige Unterhaltung auf klassischem Niveau. Begeistern kann insbesondere der sarkastische Witz und das temporeiche, überaschende Finale. Handwerklich gelungen bleibt der Film allgemein zu ruhig und standardisiert um in der oberen Liga mitspielen zu können.
7 / 10