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Die Resozialisierung von Sexualstraftätern: Im Kino wie in der Gesellschaft ein heikles Thema. Doch weitab von Klischees und reißerischem Voyeurismus gelingt es dem großartig aufspielenden Kevin Bacon („Mystic River", 2003) in seiner Rolle als Pädophiler auf Bewährung ein intensives Charakterporträt eines von verbotenen Leidenschaften getriebenen und kranken Mannes zu zeichnen - kein Wunder also, dass „The Woodsman" auf so ziemlich jedem großen Filmfestival zu sehen war.

Es geht um Walter (Kevin Bacon), vor 12 Jahren verurteilt wegen sexuellen Missbrauchs minderjähriger Mädchen, der auf Bewährung aus dem Knast entlassen wurde. Nach dieser für ihn harten Zeit versucht er ein normales Leben zu führen und beginnt eine Beziehung mit Vickie (Kyra Sedgwick, „Geboren am 4. Juli", 1989). Doch die Gesellschaft glaubt nicht an seine Wandlung und dann kommen seine unterdrückten Triebe wieder zurück. Im Stadtpark begegnet er einem kleinen Mädchen...

Vorweg: Was uns Regisseurin und Drehbuchautorin Nicole Kassell („The Green Hour", 2002) hier zeigt, ist ziemlich harter Tobak. Die ruhig und bedächtige erzählte, einfühlsame Charakterstudie ist äußerst bitter und trostlos geraten, erhält aber gerade dadurch seine Glaubwürdigkeit und Intensität. Von der Verachtung der Menschen in seinem persönlichen Umfeld über die Probleme, sich in einer fremd wirkenden Umgebung und Gesellschaft zurechtzufinden bis hin zur Brandmarkung und sozialen Isolation: „The Woodsman" spart gängige Klischees aus, um ein realistisches, hartes Porträt zu zeichnen, welches das Gefühlsleben des Menschen hinter der Krankheit, hinter den unverständlichen Taten zeichnet und reflektiert ohne für ihn Partei ergreifen zu wollen. Blaugraue Farbtöne und die - hier stimmige - dröge wirkende, langsame Inszenierung tragen dazu bei, dass Kevin Bacon in seiner Rolle als in sich gekehrter, gestörter Mann - wie er sich selbst sieht - brillieren kann. Und gerade gegen Ende entfaltet „The Woodsman" eine ungedacht verstörende Wirkung, als Walter alias Bacon im Park ein junges Mädchen anmacht und daraufhin durch Konfrontation mit Pädophilie in der Familie seine Katharsis erfährt. Spätestens in der Schlussviertelstunde macht sich ein Gefühl der Beklemmung breit, welches zuvor durch den trostlosen Realismus aufgebaut wurde. Bravo!

Fazit: Intensive, unbequeme und glaubwürdige Charakterstudie eines Pädophilen. „The Woodsman" ist mit seinem Thema ein Tabubruch, allerdings ein verstörender und intelligenter. Auch wenn einigen ungeduldigen Zuschauern die Inszenierung etwas zu langatmig vorkommen dürfte: Eine großartiger, wichtiger Film!

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