„Jeder, der dieses Grabmal betritt, wird elend zugrunde gehen beim Anblick der Mumie des Pharao!“
Der gebürtige Ägypter Frank Agrama („Queen Kong“) beendete seine Regiekarriere im Jahre 1981 mit dem in US-amerikanischer Produktion entstandenen Mumien-Horrorfilm „Die Mumie des Pharao“. Dass sage und schreibe drei Personen am Drehbuch beteiligt waren, merkt man dem Film nicht an, aufgrund seiner in der ungekürzten Fassung mitunter recht herben Splatter/Gore-Effekte gehört er jedoch zum Kanon jener Filme der 1970er und -80er, die vermutlich jeder Genre-Fan allein aus diesem Grunde zumindest einmal gesehen hat.
„Es gibt kein Gold hier, sondern nur… diesen Scheiß!“
Ägypten: Eine Bande Grabräuber (George Peck („Curse of the Puppet Master“), Ibrahim Khan („Daerat al shak“) und Ali Gohar („Alexandria... warum?“) dringt in die Grabkammer des Pharaos Safiraman ein, wird jedoch nicht nur von rivalisierenden Ganoven gestört, sondern auch von einem US-amerikanischen Tross von Fotomodellen samt Fotograf (Barry Sattels, „Cagney & Lacey“). Dieser ahnt nichts von den begehrten Reichtümern, sondern entdeckt das Pharaonengrab als Kulisse für Modefoto-Shootings. Doch Safiramans Mumie wird der ganze Trubel bald zu viel, sie fühlt sich empfindlich in ihrer Totenruhe gestört. Also erhebt sie sich aus ihrem Grab und geht zusammen einer Armee Zombies zum Angriff auf die Störenfriede über…
„Diese verdammten Amerikaner!“
Der erste Teil des Prologs unternimmt eine Zeitreise ins Ägypen des Jahres 3000 b.c. und zeigt einen brutalen Überfall auf Nildelta-Bauern, eine Totenzeremonie sowie bereits eine Gore-Einlage in Form einer Organentnahme. Am selben Ort in der Gegenwart sprengen die Grabräuber sodann die Grabkammer auf, was Xena (Laila Nasr, „Harry Boy“), eine zauselige, hysterische Alte mit schlechten Zähnen wie aus dem Nichts auf den Plan ruft, um als Warnerin zu fungieren. Nachts quatscht sie direkt die Nächsten voll, eine Gruppe Kameltreiber, doch natürlich werden alle Warnungen in den Wind geschlagen. Stattdessen bringt sie sie auf die Idee, selbst in die Grabkammer vorzudringen. Dabei erleiden sie jedoch Verbrennungen im Gesicht durch das ausströmende Giftgas, das die eigentlichen Grabkammer in weiser Voraussicht zunächst verfliegen lassen wollten. Der plötzliche Übergang zu einem vom Vorspann begleiteten Fotoshooting in New York City zeigt, dass es sich bei den vorausgegangenen Szenen um den zweiten und letzten Prologteil handelte. Der Vorspann bildet einen schönen Kontrast, auch durch das saxophonlastige Titelstück.
„Glaub mir: Es ist nichts Ungewöhnliches an der Sache!“
Die New Yorker Delegation reist also kurzerhand auf der Suche nach passenden Kulissen nach Ägypten und kurvt zwischen den Pyramiden herum, was Agrama zum Anlass für viele Landschaftsaufnahmen nimmt. Mit dem Horror wird die Gruppe erstmals konfrontiert, als sie beim Herumtollen im Sand auf den abgetrennten Kopf eines der Kameltreiber bzw. verhinderten Grabräuber trifft – ein weiterer nett gemachter Kontrast. Die noch lebendigen Grabräuber vom Beginn sprengen sich im Inneren der Pyramide weiter vor, während parallel die ersten Fotoshootings stattfinden, und stoßen auf die noch friedlich daliegende Mumie. So langsam dürften einem die Ohren von den klischeedurchtränkten Dialogen klingeln, mit denen ich in einem Genrefilm aus dem Jahre 1981 jedoch nicht allzu hart ins Gericht gehe.
Endgültig am Verstand der Protagonistinnen und Protagonisten zweifeln muss man jedoch, wenn diese mitten in der Wüste – wohlgemerkt nach einem Leichenfund – kampieren, statt sich ein Hotel zu nehmen. Als Erklärung soll anscheinend eine Reifenpanne herhalten. Als beide Gruppen – die US-Amerikaner(innen) und die Grabräuber – aufeinandertreffen, geben sich letztere als Archäologen aus. Nassforsch verschafft sich der Fototross Zutritt zur Grabkammer und ist ganz begeistert von der Stätte. Wer möchte, darf an dieser Stelle etwas Kritik am typisch US-amerikanischen Gebaren gegenüber fremden Ländern und Kulturen hineininterpretieren, kann aber auch gern darauf verzichten. Wenn im Anschluss also munter vor der Mumie fürs Shooting posiert wird, inszeniert Agrama diese Sequenz in einer Mischung aus Suspense und Spannung: Man weiß, dass etwas passieren wird, aber nicht, was genau. Doch Agrama lässt den Moment ungenutzt und die Sequenz verpuffen, denn die Mumie sifft nur etwas vor sich hin und Stylistin Jenny (Joan Levy, „Freunde bis zum Tod“) grabscht in etwas herumliegenden Gore, woraufhin ihre Hand zu faulen beginnt – die aber niemand zu behandeln gedenkt. Befremdlich.
Kurz darauf finden die Räuber den Schatz, doch einer von ihnen wird unbemerkt durch eine sich wie von Geisterhand öffnende Tür gezogen. Und, verdammt: endlich erwacht die Mumie zum Leben – und mit ihr die Zombie-Armee! Eine Mumie greift an, woraufhin die Amis „den Verdacht, dass irgendetwas nicht stimmt“ hegen. Nicht minder unfreiwillig komisch: Fotomodell Gary (John Salvo, „Perfect Crimes“) spielt am Lagerfeuer Gitarre und singt – und gleichzeitig gehen die Pferde durch… Ein ausgeweidetes Höttehü wird entdeckt, das jedoch wirklich nicht Gary angelastet werden kann, Xena ist nicht mehr panisch, sondern freut sich regelrecht über den Anblick der wandelnden Mumie, und je mehr Tote zu beklagen sind, desto mieser wird die Stimmung bei den Amerikaner(inne)n. Letzteres ist durchaus als seltenes Indiz nachvollziehbaren menschlichen Agierens in diesem Film zu verstehen. Der Handlungsspielraum wird erweitert, wenn die Kreaturen nach empfindlicher Dezimierung beider Gruppen schließlich eine Hochzeitsfeier in der nächstgelegenen Stadt stürmen und dort kräftig wüten dürfen, was so etwas wie den vorfinalen Filmhöhepunkt darstellt.
Brenda King („Rocky II“), die das Mannequin Lisa spielte, war seinerzeit die einzige halbwegs ernstzunehmende Schauspielerin in diesem ziemlich uninspirierten, stumpfsinnigen und bisweilen geradezu dämlichen Film – dem es aber immerhin gelang, das Mumien- und das Zombie-Sujet miteinander zu kreuzen. Stärker als Brenda King dürfte George Pecks ausgeprägte Neigung zum Overacting in seiner Rolle als Grabräuber Rick im Gedächtnis bleiben; die eigentlichen Stars des Films aber sind die ordentlichen, hübsch ekligen Make-up- und blutigen Spezialeffekte sowie das landschaftliche Ambiente, denn es wurde tatsächlich an Originalschauplätzen gedreht. Die Kamera deutet bisweilen Kreaturen-Point-of-View-Perspektiven an, viele Szenen sind jedoch arg dunkel und matschig ausgefallen. Die Mumien-/Zombie-Terrorszenen sind konventionell und, verglichen mit der Genre-Konkurrenz, weitestgehend unspektakulär, gehen aber in Ordnung. Musikalisch bietet „Die Mumie des Pharao“ unauffällige Standardkost, in einigen Actionszenen gibt es treibende Synthies zu hören.
Etwas nordafrikanische Folklore vermengt sich hier mit einigen Seitenhiebe auf die Modebranche und deren Zynismus, Culture Clash und Branchenschelte bilden also einen zarten Subtext. Dem Ende fehlt jedoch leider so etwas wie ein Epilog, der die Handlung vielleicht ein wenig abgerundet hätte. Nein, dieser Mumienschanz ist wahrlich kein guter Film – aber manchmal glotzt man eben auch so etwas weg, um sich anspruchslos innerhalb des Horrortopos unterhalten zu lassen.