The man who wasn't there.
Nein, es ist nicht die Rede vom Film der Coen-Brüder, sondern es ist mal wieder ein skandinavisches Kleinod, das mich durchaus begeisterte und mir kurzweilige Unterhaltung lieferte. "Jonny Vang" heißt der Typ, der dort die Hauptrolle bekleidet und einen herrlich sympathischen Loser spielt, der überhaupt nichts auf die Reihe bekommt. Die Frau eines Freundes braucht ihn nur zum Sex, den sie bei ihrem Ehemann nicht bekommt, mit seinen Eltern lebt er auch in zwischenmenschlicher Distanz und sein großes Ziel ist es, seinen Lebensunterhalt durch die Regenwurmbranche zu sichern. Noch erschwerend hinzu kommt, dass nun seit geraumer Zeit Anschläge auf ihn verübt werden. Er bekommt mit Spaten einen übergebraten, wird mit Luftgewehren beschossen und so weiter. Der Täter bleibt jedoch stets unbekannt und -erkannt und somit macht sich Jonny auf die Suche nach ihm, was gleichzeitig in einer Art Selbstfindungstrip mündet.
78 Minuten wirklich Kurzweile vom Feinsten, ein sympathischer Antiheld, lakonischer Humor und Situationskomik. "Jonny Vang" hat typische Elemente des skandinavischen Films vorzuweisen, nur dass hier der Tiefgang ein wenig in den Hintergrund gestellt wird und das Hauptaugenmerk auf die Nutzlosigkeit Jonnys und die Sinnlosigkeit dessen Lebens. Der Film jedoch schafft es gekonnt, nie deprimierend zu werden, denn trotz aller Misslichkeiten, in denen sich Jonny zweifelsohne befindet, macht es dem Zuschauer stets Freude, den Unglücken zuzuschauen und irgendwie ist es auch wirklich lustig, was Jonny Vang alles so mitmachen muss. Er ist der typische Verlierertyp, der aber dann schon irgendwann anfängt, dagegen anzukämpfen. Kurzzeitig dachte ich an einen Wandel wie es Arvid in "In China essen sie Hunde" durchmachte, doch bei Jonny ist das nicht so kontrastreich. Dennoch entwickelt er sich zu einem optimistischeren, lebensfreudigeren Menschen. Zuviel Tiefgang sollte aber bitte nicht erwartet werden, denn vielmehr sind es die vorangegangen knapp 75 Minuten, die den Film ausmachen und nicht die Pointe gegen Ende.
Der Film lebt von seinem tollen Soundtrack, für den Calexico verantwortlich waren, und den wirklich tollen Kameraeinstellungen, die viel aus Naturbildern bestehen. Noch dazu kommt wieder ein recht beliebtes Mittel in skandinavischen Filmen, den Hauptcharakter ein Loser sein zu lassen, der dennoch unglaublich sympathisch bleibt. Dabei ist "Jonny Vang" sicher nicht der anspruchsvolle, tiefgründige Film, aber das ist hier auch gar nicht nötig. Da sind die lustigen Übergriffe auf den armen Jonny viel zu lustig dafür.
"Jonny Vang" ist tolle Unterhaltung mit sympathischem Loser-Hauptcharakter, grandiosen Bildern und schön anzuhörendem Soundtrack, wobei der Film auf jegliche Höhepunkte verzichtet. Es plätschert vor sich hin, wobei das hier alles andere als ein Störfaktor ist, im Gegenteil, irgendwie wird somit Jonnys trostloses Leben dadurch nur noch besser betont. Und es ist auch ein Beweis dafür, dass Komödien nicht sonderlich viele Lacher bieten müssen, um dennoch wirklich unterhaltsam und lustig zu sein.
Die Skandinavier mal wieder. Nicht schlecht, was die so machen.
8/10 Punkte