„Arlington Road“ ist ähnlich wie Edward Zwicks „Ausnahmezustand“ eine fesselnde Auseinandersetzung mit dem Thema Terrorismus.
Der Uni-Professor Michael Faraday (Jeff Bridges) kennt sich mit dem Thema Terrorismus aus und hält an der Universität diverse Seminare über das Thema. Auch seine Familiengeschichte ist mit dem Thema verknüpft, da seine Frau FBI-Agentin war – ehe sie bei einem Einsatz getötet wurde. Seitdem zieht Michael seinen Sohn Grant (Spencer Treat Clark) alleine groß und beschäftigt sich noch intensiver mit dem Thema. Durch Michaels Arbeit wird auch dem Zuschauer einiges über Terrorismus enthüllt, was „Arlington Road“ noch interessanter macht.
Eines Tages findet Michael einen verletzten Jungen auf der Straße und bringt ihn ins Krankenhaus, worauf er feststellt, dass es sich dem Jungen um den Sohn seiner neuen Nachbarn Cheryl (Joan Cusack) und Oliver Lang (Tim Robbins) handelt. Bald freunden sich die Langs und die Faradays an und wachsen zu guten Nachbarn zusammen. Eine perfekte Idylle, doch der Zuschauer ahnt bereits, dass der Schein trügt und sich unter der harmonischen Oberfläche die Gefahr lauern könnte.
So fällt Michael auch bald seltsames Verhalten bei Oliver auf, der vorgibt als Bauingenieur an einem Einkaufszentrum zu arbeiten. Michael beginnt seinen Nachbarn zu überprüfen und nutzt dabei sein Wissen über Terrorismus sowie seine Kontakte zum FBI aus. Doch worauf hofft er dabei zu stoßen?
„Arlington Road“ gehört zu der Sorte Film, die beim ersten Ansehen noch am meisten Eindruck hinterlässt, da man das Ende nicht kennt. Denn bis zum Schluss bleibt man im Unklaren, ob Michael wirklich Terroristen auf der Spur ist, sich nur in Wahnvorstellungen nach dem Tod seiner Frau steigert oder Olivers seltsames Verhalten vielleicht andere Gründe als geplante Terroranschläge hat. Vor allem der Schluss kann mit einem ungewöhnlichen, kaum vorhersagbaren Ende aufwarten, dass beim ersten Ansehen natürlich am besten wirkt.
Doch auch wenn „Arlington Road“ bei mehrmaligem Ansehen nicht mehr das gleiche Überraschungspotential wie bei der ersten Sichtung birgt, so bleibt er trotzdem immer noch spannend, was vor allem Regisseur Mark Pellington und Drehbuchautor Ehren Kruger zu verdanken ist. Die beiden schaffen eine wunderbare Atmosphäre der Bedrohung und verunsichern den Zuschauer, was für Spannung sorgt. Gemächlich, langsam und doch nicht langweilig enthüllt der Film seinem Zuschauer nach und nach alle Details des Puzzles, was auch zu eigenen Vermutungen, was denn nun stimmt, anregt.
Gleichzeitig kann „Arlington Road“ mit einigen sehr intensiven Szenen aufwarten. Da wäre zum einen das Nervenkitzel hervorrufende Finale, doch auch ruhigere Momente. Michaels Zweifel daran, was er eigentlich glauben soll, wirken sehr bedrückend und lassen den Zuschauer so richtig mit dem verunsicherten Familienvater mitfühlen. Die beeindruckendste Szene ist jedoch die Rückblende, in der man die Details über den Tod von Michaels Frau erfährt: Sehr intensiv und mitreißend inszeniert, mit eingängiger Musik untermalt und zudem bietet sie eine interessante Auseinandersetzung mit der Frage, ob man scheinbare Terroristen immer wirklich richtig einschätzt. Allerdings muss man zugeben, dass „Arlington Road“ mehr auf Spannung aus ist und sich nicht ganz so gut mit den Hintergründen von Terrorismus auseinandersetzt wie „Ausnahmezustand“.
Schauspielerisch ist der Film hingegen über jeden Zweifel erhaben, wobei vor allem Jeff Bridges und Tim Robbins mit Glanzleistungen punkten können. Man weiß nie so genau, was man den beiden jetzt glauben soll und wer mit seinen Vermutungen über den anderen recht hat. Hinzu kommt eine großartig aufgelegte Joan Cusack, während der Rest der Darsteller ebenfalls gute Leistungen erbringt, aber nicht an diese drei heranreicht.
Schlussendlich bekommt man mit „Arlington Road“ einen sehr spannenden Terrorismusthriller mit tollem Schluss geboten, auch wenn der Film bei mehrmaligem Ansehen nicht mehr so fesselnd ist wie beim ersten Mal.