Nach einem Film wie erschlagen in der Couch zu erstarren - seltener Augenblick im Leben eines Cineasten. "Arlington Road" ist genau das. Eine Keule, ein Baseballschläger auf Deinem Kopf. Du weißt es, Du ahnst es von der ersten Minute an. Und der Schluß bestätigt Deine schwarze Vorahnung. Die Story ist schlimm, das Ende schlimmer.
Selten fehlen für eine distanzierte, objektive Schilderung einem so die Worte wie hier. Die Story ist simpel und doch schwer zu begreifen: ein Nachbar scheint nicht das zu sein was er vorgibt. Professor Faraday, ein Terrorismusexperte und angesehener Professor, stellt Nachforschungen an und zweifelt am redlichen Lebenswandel des Herrn Lang, erst Recht als er erfährt, daß Lang zu früheren Zeiten Bombenbastler Fenimore war. Ist Faraday nun völlig durchgeknallt? Oder Lang tatsächlich ein subversiver Charakter?
Jeff Bridges und Tim Robbins geben eine gelungene und spannende Darbietung, ein Hin und Her zwischen Freundschaft und Feindschaft. Regisseur Pellington gibt uns zu keiner Sekunde Zeit zum Durchatmen, da gibts nichts entspannendes, nichts freundliches, nur grau, schwarz und Abgrund. Als Zuschauer weiß man zunächst nicht, was man glauben soll, alles deutet auf die Bestätigung der Faraday'schen Theorie hin, und doch mag man an eine positive Wendung glauben. Doch diese kommt nicht, das Gegenteil tritt ein.
Der Film tritt Dir in die Magengrube. Und wenn Du gekrümmt vor Schmerz auf dem Boden liegst, wirst Du gestiefelt. Das reicht nicht, kurz drauf bekommst Du noch die Faust auf die Nase. Auch bei "Heat" ist man erschlagen, doch hier geht alles schneller, rasanter, kompakter. "Arlington Road" hat mit einem Happy End soviel zu tun wie Tschernobyl mit einer Grillparty.
Schauspielerisch bewegen wir uns ebenso wie die Dramaturgie auf höchstem Niveau: Tim Robbins zeigt sich von einer gänzlich anderen Seite und beweist, daß mehr als ein Witzbold in ihm steckt, für mich mit Abstand die beste Besetzung. Bridges ist im letzten Drittel zu hysterisch, mimisch zu einseitig. Dafür glänzen die beiden Mädels Cusack und vorallem Hope Davis, die meines Erachtens die beste Rolle ihrer Karriere bis dato hinlegt.
Untermalt ist das ganze von einem perfekten Soundtrack Angelo Badalamentis, dem Haus- und Hofmusikant von David Lynch. Nicht zuletzt dadurch verstört der Film auch musikalisch genauso wie ein typischer Lynch.
Nach dem Film solltest Du Dir nicht mehr viel vornehmen. Du könntest etwas neben der Spur laufen.
(9/10)