Review

Jeff Bridges fragt sich ob Nachbar Tim Robbins ein Terrorist ist...

Story:
Nach dem Tod seiner Frau führt Michael Faraday (Jeff Bridges) mit seinem Sohn ein mittelmäßiges Leben in einem Washingtoner Vorort. Eines Tages trifft er auf einen verstörten, blutenden Jungen, den er ins Krankenhaus bringt. So lernt er seinen Nachbarn Oliver Lang (Tim Robbins) kennen. Besonders deren beiden Söhne werden unzertrennlich. Doch der misstrauische Michael bekommt Zweifel an der Identität seines Nachbars und glaubt einen Terroristen als Nachbarn zu haben. So beginnt Michael zu recherchieren.. Ist er verrückt oder stößt er auf eine ungeheure Wahrheit?
Arlington Road ist ein spannender Thriller, der eine noch recht unbekannte Form des Terrorismus darstellt. Der Film beginnt mit einer spannenden Einleitung, um danach etwas zu lange im familiären Drama der Familie Farady zu verharren. Spannender wir es da schon, als Michael zu recherchieren beginnt. Leider wird dem Zuschauer aber spätestens hier die wahre Identität Olivers klar, da kann sie noch so verleugnet werden. Vor allem das bombastische und ungewöhnliche Ende entschädigt aber für viel. Böse und außergewöhnlich für einen Hollywoodfilm.....

Musik:
Musikalisch gibt es nicht viel an Arlington Road auszusetzen. Besonders die dramatischen Höhepunkte, wie die anfängliche Rettung des Jungen oder die finale Bombenhatz nebst Autojagd sind klasse mit Musik aufbereitet worden. Auch während seiner Recherchen oder seiner Schnüffelei in Langs Haus gelingt es der Musik eine spannende und bedrohliche Atmosphäre aufzubauen. Sehr sorgfältige und gute Arbeit...

Atmosphäre:
Der Film beginnt mit einer verwirrenden Einleitung, die den Zuschauer praktisch „kalt“ erwischt. Völlig verwirrt verfolgt man Michael, wie er den verletzten Jungen ins Krankenhaus bringt und glaubt den falschen Film eingelegt zu haben. Nach dem hektischen Anfang beginnt man mit der Vorstellung der Figuren. Ob dieser Anfang nun schon von Oliver geplant wurde, oder ob die Begegnung zufällig ist bleibt ungeklärt..
Michael Faraday ist ein Witwer und muss sich um seinen Sohn kümmern, der sich seit dem tragischen Tod der Mutter recht schüchtern verhält. Der erste längere Part leidet ein wenig an Belanglosigkeit. Michael lernt eine neue Frau kennen, mit der sein Sohn sich aber noch nicht anfreunden kann und lehrt Geschichte an einer Universität. Dabei bleibt er oft im Terrorismus stecken.. Die spätere Rückblende um den Tod seiner Frau läuft in Zeitlupe und recht blutig ab. Mir wurde das Gemetzel zu ausführlich dargestellt. Ein emotionell erzählender Michael hätte hier besser ins Konzept gepasst.
Michael freundet sich nun langsam mit seinem Nachbarn Oliver an, besonders deren Söhne werden unzertrennlich. Als Michael aber falsch adressierte Post von Oliver öffnet, kommt ihm ein schlimmer Verdacht. Ist sein Nachbar möglicherweise ein Terrorist? Während sich der Familiendramapart etwas zu sehr in die Länge zog, offenbart der Film hier eine seiner stärkeren Seiten. Der Zuschauer ist genauso unwissend wie Michael und schwitzt mit ihm. Seine Recherchen scheinen erfolgreich, doch niemand will ihm so recht Glauben, denn die Beweise fehlen. Also steigt Michael in Olivers Haus ein, Ein Fehler, denn Oliver reagiert recht ungehalten, tischt ihm aber eine akzeptable Story auf, warum er seinen Namen ändern lies und eine neue Identität annahm.
Obwohl der undurchsichtige Oliver gut gespielt wird, liegt hier das größte Manko des Films. Die Inszenierung und Kameraführung inklusive der Musik lässt den Zuschauer nicht lange an der wahren Identität Langs zweifeln, während Michael nun aber doch ziemlich verwirrt ist.
Nur dank eines Zufalls und eines tragischen Unfalls beginnt Michael noch mal nachzuharken.
Aber weil man seinen Sohn kidnappte ist er machtlos. Das Ende möchte ich nicht spoilern, liefert nach einer spannenden Autojagd ein phänomenales Ende, dass so bestimmt kein Zuschauer vorhergesehen hat. In den letzten Minuten stockt einem schier der Atem ;-) Der Film klingt mit einem zynischen Schluss rund um Medien und Vertuschung von Terrorismus aus. Genau die Dinge, die Michael in Vorlesungen immer anprangerte...
Der Film greift ein Thema auf, dass so bisher noch nie so gut verfilmt wurde: Den Terrorismus aus dem eigenen Land. Geschickt spielt der Film dabei mit den untypischen Ängsten (Welchem Nachbar kann ich trauen?) und lässt dabei die Hauptfigur völlig schutzlos zurück. Zu dem liefert der Film eine eigene Aufklärung zum Thema Terrorismus und dessen Vertuschung gegenüber der Bevölkerung. Geschickt wird den Menschen eine falsche Wahrheit vorgespielt, um sich in Sicherheit zu wiegen. Unverständlich, dass der Film kaum Beachtung findet. Liegt wohl daran, dass der Film, insbesondere der Schluss, harter Tobak ist...

Schauspieler:
Der oft unterschätze Jeff Bridges liefert hier eine grandiose Leistung als paranoider Professor ab. Der langsame Verfall seiner, nach dem tragischen Tod seiner Frau, wieder geheilten Welt zerbricht Stück für Stück. Und genau das passiert auch mit dem Nervenkostüm des Hauptdarstellers. Emotionen und seine Verwirrtheit genauso wie den Kampf um seinen Sohn bringt Bridges dem Zuschauer sehr nahe. Dank der Leistung kann man sich ungewöhnlich gut in ihn hineinversetzen. Besser geht`s nicht...
Tim Robbins bringt seine beiden Gesichter ebenfalls gut rüber. Dank seines braven Looks nimmt man ihm den Nachbarn von nebenan ohne Bedenken ab. Dafür glänzt er auf den alten Fotos aber vor Verschlagenheit. Sein wahres Gesicht (welche verrate ich nicht), dass er am Ende offenbart geriet sehr befremdlich. Auf der einen Seite schauspielert er hier noch als lieber Nachbar , auf der anderen Seite als verschlagener...... Man will sein wahres Ich nicht so recht akzeptieren. Doch auch wenn Robbins nicht an Bridges heranreicht, ist er ein würdiger Gegner.

Fazit:
Guter Terroristenthriller mit attraktivem und frischen Thema. Leider wird die wahre Identität Langs dem Zuschauer zu früh auf’s Auge gedrückt. Außerdem geriet die Familientragödie etwas zu ausführlich. Dafür überzeugt der Film aber mit einem bombastischen Ende, guten Schauspielern und einer sehr spannenden Atmosphäre. Nicht perfekt, aber verdammt gut.

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