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Jeff Bridges spielt einen Universitätsprofessor und Terrorismus-Experten, dessen Frau, eine FBI-Agentin, bei einem Anti-Terror-Einsatz ums Leben kam. Zufällig rettet er dem Sohn seines neuen Nachbarn, gespielt von Tim Robbins, das Leben und verbringt von da an viel Zeit mit dem Mann, der behauptet ein Architekt zu sein. Dann kommt ihm jedoch zunehmend der Verdacht, dass es sich bei seinem Nachbarn um einen rechtsradikalen Bombenleger handelt, der das FBI-Gebäude in die Luft sprengen will. Als ihm niemand Glauben schenkt, beginnt er selbst zu zweifeln.

Bekanntlich ist Tim Robbins unter den Schauspielern Hollywoods einer der engagiertesten Aktivisten und schon lange ein prominenter Kritiker der Bush-Regierung. So inszenierte er auf dem Regie-Stuhl bereits "Dead Man Walking" mit seinem Freund Sean Penn und seiner Frau Susan Sarandon in den Hauptrollen und startete damit seinen Feldzug gegen die Todesstrafe. Nachdem er nach seiner Glanzleistung in "Die Verurteilten" sein Talent in "Nix zu verlieren" und "I.Q. - Liebe ist relativ" verschenkte, weist er diesmal mit einer hervorragenden Leistung auf die Gefahr des Terrorismus hin und vermeidet dabei, wie schon bei "Dead Man Walking" jegliche Klischees und liefert damit einen rundum vielschichtigen Film ab und seine politischen Ansichten mit in das Werk ein.

Im Wesentlichen zeichnet sich "Arlington Road" dadurch aus, dass das geniale Drehbuch einige Überraschungen für den Zuschauer bereit hält und es ihm damit immer wieder gelingt, den Zuschauer auf falsche Fährten zu locken. Vor allem im Mittelteil bleibt unklar, ob es sich bei Robbins wirklich um einen brutalen Bombenleger handelt, oder ob Bridges nur ein Opfer seiner berufsbedingten Paranoia geworden ist und nach dem Tod seiner Frau Gespenster zu sehen beginnt. Allein diese quälende Unklarheit erzeugt schon Spannung. Das Finale ist ebenfalls einfach brilliant gelungen und überrascht gleich in mehrfacher Hinsicht und erzielt, wie schon "Dead Man Walking" eine erschreckende und verstörende Wirkung mit seiner knallharten finalen Wendung. Die Charakterkonstruktion ist ebenfalls sehr gut gelungen, so geht man das Thema Terrorismus hintergründig an und wählt sich für den Anschlag weder einen psychisch gestörten Soziopathen, noch einen brutalen Fundamentalisten, sondern einen ganz normalen Bürger, der im Prinzip jedermanns Nachbar sein könnte. Dabei werden auch die Ermittler und die Öffentlichkeit kritisiert, die bei Anschlägen weder Gründe, noch die eigentlich Ursachen wissen will, sondern einen Sündenbock sucht, um ruhig schlafen zu können. Den letzten Schliff erhält der Film, da auch die innere Zerrissenheit der Hauptfigur realistisch und vielschichtig dargestellt ist. Schade, dass es nur wenige solcher wirklich viel versprechenden Storys gibt.

Mark Pellington, der hier seine erste größere Regie-Arbeit abliefert, schöpft das Potential der vielschichtigen Story im Großen und Ganzen aus und feiert damit einen sehr guten Einstand, wobei er den guten ersten Eindruck mit "Mothman Prophezeiungen" nur teilweise bestätigen konnte. Anfangs lässt er sich Zeit, um seine Charaktere zu konstruieren, baut mit der soliden Filmmusik und der Frage, ob Robbins nun ein Bombenleger ist, oder nicht, konstant Spannung auf und kreiert nach und nach eine gespannte Atmosphäre. Dabei steigert er konstant die Dramatik und spielt geschickt mit der Sympathie des Zuschauers, die er immer wieder auf andere Figuren lenkt, ohne dabei Gut-Böse-Klischees oder Ähnliches zu verwenden. In der zweiten Hälfte kurbelt er das Tempo immer weiter an und erzeugt mit seiner schnellen Spannungsmusik und der bedrohlichen Atmosphäre atemlose Hochspannung, die er bis zum Finale halten kann. Dann lässt er im wahrsten Sinne des Wortes die Bombe platzen und schockiert damit zutiefst. Einziger Kritikpunkt: Stellenweise wirkt das Finale etwas überdramatisiert und bietet eine kürzere Action-Sequenz, aber bei seiner brillianten Story hätte der Film diese konventionellen Mittel aus Profitkalkül sicherlich nicht nötig gehabt.

Tim Robbins spielt gewohnt stark und macht sich nach eher sympathischen Rollen auch in dieser undurchsichtigen, suspekten Rolle in einem bösartigen, unsympathischen Charakter hervorragend. Robbins Darstellung ist durch und durch geschliffen und brilliant, so merkt man dem Weltklasse-Mimen in jeder Szene an, dass er es mit der Botschaft des Films ernst meint. Nur vier Jahre später konnte er schließlich seinen wohl verdienten Oscar für "Mystic River" in Empfang nehmen. Jeff Bridges stellt die innere Zerrissenheit seines Charakters überzeugend dar und bleibt dabei die ganze Zeit über sympathisch, auch wenn er nicht ganz an seine Meisterleistungen, wie zuletzt in "White Squall" und kurz darauf in "Rufmord" anknüpfen kann. Dennoch eine grundsolide Leistung, die neben Robbins und Joan Allen, die sich ebenfalls empfehlen kann, teilweise untergeht, wobei er vor allem beim Finale überzeugen kann.

Fazit:
"Arlington Road" ist ein vielschichtiges Thriller-Drama, wie man es nur selten zu sehen bekommt. Die Charaktere haben Tiefe und werden von den brillanten Darstellern perfekt auf die Leinwand gebracht, das Thema Terrorismus wird vielschichtig behandelt und die Thematik ist spannend inszeniert. Dabei gibt der Film vor allem mit seinem erschütternden Finale zu denken und bleibt lang im Gedächtnis. Unbedingt ansehen!

94%

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