Unter einer „Kreuzfahrt des Grauens“ würde man sich wahrscheinlich einen Luxus-Liner in exotischen Gewässern vorstellen, deren Passagiere von einer unheimlichen Macht terrorisiert werden. Doch bei Regisseur Guido Leoni gerät alles eine Nummer kleiner, so dass aus dem großen Schiff eine Yacht mit einer Handvoll Passagieren wird.
Monsieur Henry hat einige Geschäftsleute, Politiker und deren weibliche Begleitung auf seine Yacht geladen, um einen ominösen Deal abzuschließen. Als man im offenen Meer eine Kiste findet, offenbart diese drei Schiffsbrüchige, die sich rasch als geisteskranke Ganoven entpuppen und fortan Terror verbreiten…
Vier Jahre nach diesem Krimi/Psycho-Thriller drehte Leoni eine Komödie mit dem bezeichnenden Titel „Ran an die hübsche Paukerin“ und auch hier legt er viel Wert auf halbnackte Damen, die sich trotz des Terrors relativ unbekümmert räkeln. Obgleich die Paare noch vor Antritt der Reise kurz vorgestellt werden, kristallisiert sich weder ein Sympathieträger, noch eine markante Figur heraus, wonach die Voraussetzungen fürs Mitfiebern eher ungünstig ausfallen.
Mit Herbert Fux hat man immerhin einen halbwegs markanten Wortführer der Ganoven auserkoren, welcher im Gegensatz zu seinen grenzdebilen Kompagnons ein paar verkappte Demütigungen in die Wege leitet und die Situation an Bord weitgehend kontrolliert. Doch der Terror hält sich wahrlich in Grenzen, da sich niemand zur konkreten Gegenwehr berufen fühlt und die unberechenbaren Spacken mehr saufen, denn mit übergriffigen Aktionen aufzufallen.
Entsprechend ereignet sich an Bord eher wenig, wirklich bedrohlich wird die Situation nur allzu selten und erst als jemand im letzten Drittel ein Messer zückt, kommt kurzfristig ein Hauch von Spannung auf. Dennoch ist das Treiben weit von einer Eskalation entfernt, welche man unter den gegebenen Voraussetzungen erwarten würde.
Auch handwerklich vermag das kammerspielartige Geschehen nicht zu überzeugen. Gesichter in Nahaufnahme werden gnadenlos überstrapaziert, der Score kann sich kaum zwischen zeitgenössischen Beats und konventioneller Untermalung mit Orchester entscheiden und selbst bekannte Mimen wie Rainer Basedow oder Karin Schubert performen deutlich unter ihrem eigentlichen Niveau. Trotz kurzer Zwiegespräche gehen die Dialoge zu keiner Zeit in die Tiefe, so dass die Chose oft willkürlich und beinahe konzeptlos anmutet.
Am Ende können ein paar Bikinifrauen nichts mehr retten, wenn der Rest weder blutige Schauwerte, noch sonstigen Psychoterror hervorbringt. Die Yacht schippert ohne sonderliches Aufsehen vor sich hin und nach nur 79 Minuten ist die Fahrt bereits beendet. Zum Glück.
3 von 10