Review

Ein Film vom Gott des atmosphärischen Horror- und Splatterfilms:

Lucio Fulcis „The Beyond“ zu germanisch „Die Geisterstadt der Zombies“.


Nach dem sehr aufwändig produzierten und erfolgreichen „Gates of Hell“ (dt.Titel:„Ein Zombie hing am Glockenseil“), welcher meines Erachtens der beste Film Fulcis ist, dachte sich der Meister wohl, dass es gerade die günstige Zeit wäre einen weiteren filmischen Erguss im Stile des vorangegangenen zu produzieren.
Um es vorweg zu sagen: Dies ist Fulci sehr gut gelungen, doch ganz so perfekt wie bei „Gates of Hell“ leider nicht. Mehr dazu im Folgenden...

Der Plot konstituiert sich ganz im Sinne Fulcis: Pseudometaphorisch und ohne jeglichen Sinn und Verstand, was er jedoch gut zu retuschieren weiß, indem er drastische und atmosphärische Bilder präsentiert, welche dem Zuschauer partiell einen tieferen Sinn suggerieren mögen; doch der Fulci-Kenner fällt da nicht mehr drauf rein...


Zur Story, auch wenn sie im Großen und Ganzen wirklich nicht der Rede wert ist und einem irgendwie aus „Gates of Hell“ bekannt vorkommt (zumindest fragmentarisch) ist eigentlich nicht viel zu sagen. Lisa (Katherine MacColl) ist jung, blond und hat ein Hotel geerbt, in dem 1927 der Maler Schweik ermordet wurde. Das Hotel mit dem so prophetisch anmutendem Namen „Seven Doorrs“ ist nicht nur ein wenig renovierungsbedürftig, sondern auch noch auf einem der sieben Tore, welche ins Jenseits führen, erbaut worden. Wie es denn der Zufall dann auch so will öffnet sich dieses Tor natürlich auch und der ganze Zombieschlamassel nimmt seinen blutrünstigen Lauf. Zum Glück stehen Lisa Dr. John (David Warbeck) und die blinde, aber mit seherischen Fähigkeiten ausgestattete Emily (Sarah Keller), zur Seite. Werden sie es schaffen das hundsgemeine Tor zu schließen und gegen die Zombiemassen bestehen können???


Ja, da habe ich wohl nicht zuviel versprochen in Sachen Story. Nun gut, bekanntlich kommt es bei Fulcis Werken ja nicht unbedingt auf den Inhalt an. Vielmehr vermag er mit einer düsteren und surrealen Atmosphäre, den geneigten Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Verwirrt und fasziniert starrt das Publikum auf die Mattscheibe und muss einen verheerenden Strudel an reizüberflutender Gewalt, welche bis ins ekligste Detail zelebriert wird, über sich ergehen lassen. Das dies natürlich gewisse geschmackliche Präferenzen in Sachen Filmkonsum voraussetzt, soll durch folgende Beispiele verdeutlicht werden.
Augen sind für Fulci (Kenner mögen wissend nicken) etwas ganz besonderes. Er stellt sie nicht nur gerne in Close Ups filmisch dar, sondern sie können auch dem Menschen entfernt werden und das wiederum auf eine mehr oder minder nette (schmerzfreie) Art und Weise. Fulci entscheidet sich kategorisch für die minder nettere Version der Augenamputation. Falls man denkt das die Kamera diesen Prozess des Augeentfernens (natürlich) nicht in Großaufnahme festhält, ja ,der zählt wohl noch zu den glücklich unbedarften Geschöpfen dieses Planeten, welcher bloß die Finger von so desillusionierenden Machwerken lassen sollte. Neben „Augenspielereien“ präsentiert uns Fulci sein breites Repertoire an durchaus kranken und wahnsinnigen Tötungsphantasien, welche für die damalige Zeit ziemlich realistisch in Szene gesetzt wurden. Kleinere faux-pas in Sachen FX, exemplarisch die Vogelspinnenszene, verzeiht man dann dem Großmeister Fulci dann mal und macht sich eine weitere Flasche Bier auf.

Darstellerisch sind unsere „Helden“ echter Italo-Horror- Durchschnitt. Sarah Keller in der Rolle der erblindeten Emily, vermag noch als einzige das Schauspielniveau zu heben.
Phantastisch wirkt Fabio Frizzis Score des Films, der sich perfekt in die düstere und surreale Atmosphäre eingliedert und maßgeblich zur kontinuierlichen Spannung des Films beiträgt.


Man merkt das Fulci seiner Tradition treu bleibt, welche er in seinem Vorgängerwerk „Gates of Hell“ geschaffen hat. Dies merkt man zum einen Storytechnisch am Repetieren des „Tor zur Hölle“ Gedankens und zum anderen, an den abstrusen Darstellungen, wie Menschen denn so das zeitliche segnen können. Hier liegt jedoch auch das Hauptmanko des Films, denn er kann auf Seiten der Effekte nicht die herrliche Kombination von Ästhetik und Abscheu bei mir provozieren, wie „Gates of Hell“.


Fazit:
Auch wenn „The Beyond“ „Gates of Hell“ nicht ganz das Wasser reichen kann auf den Ebenen: Atmosphäre und ästhetisierte Gewalt, ist er jedoch einer der besten Filme die Fulci gedreht hat- Auch wenn „The Beyond“ eher als ein leicht verändertes Plagiat von „Gates of Hell“ auf mich wirkt.

8 von 10 Punkten

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