Die Kritik beruht auf der ungeschnittenen DVD-Fassung der auf 666 Exemplare limitierten Veröffentlichung von XT Video in der großen Hartbox!
"Über dem Jenseits" bzw. "Die Geisterstadt der Zombies" (internationaler Titel: "The Beyond") ist ein Horrorfilm des italienischen Regisseurs Lucio Fulci aus dem Jahre 1981.
Seinen ersten von fast 60 Filmen inszenierte Fulci 1959, seinen großen Durchbruch schaffte er jedoch erst 1979 mit dem Film "Zombie 2" ("Woodoo - Schreckensinsel der Zombies"), dem ersten Beitrag einer ganzen Reihe von Filmen mit Zombie-Thematik.
"Die Geisterstadt der Zombies" ist Fulcis dritter Film aus seinem Schaffenszyklus und verbindet Elemente des Zombiefilms mit okkulten Motiven. Fulci galt als Einzelgänger und lehnte eine Zusammenarbeit beispielsweise mit Dario Argento ab und war auf ihn auch nicht gut zu sprechen, da er als sein größter Konkurrent um die Gunst des Publikums galt.
Umso verwunderlicher erscheinen da einige Parallelen zu Argentos Meisterwerk "Suspiria", jenem Horrorfilm und ersten Teil einer Trilogie um drei Hexengeschwister, die an zentralen Punkten der Erde aus alten Gebäuden heraus die Weltgeschicke lenken und Morde dirigieren. "Suspiria" gilt als eines der bekanntesten Werke Argentos, das in neuzeitlichem Ambiente mit Elementen des Gothic Horrors, der Schauerromantik und der Hexenmärchen arbeitet und die Geschichte weniger durch Handlungsverlauf als durch seinen audiovisuellen Stil erzählt.
Lucio Fulcis "The Beyond" handelt ebenfalls von okkulten Phänomenen und schwarzer Magie und von einem alten Haus, das an einem magischen Ort auf einem der sieben Tore des Schreckens steht. Es passieren unerklärliche, unheimliche Dinge, ohne dass im weiteren Verlauf der Geschichte darauf Bezug genommen wird. Fulci beschert dem Zuschauer nichts weiter als eine vollkommen unlogische Handlungsabfolge und Szenen von unglaublicher Brutalität und besticht vielmehr durch eine surreale Atmosphäre in Verbindung mit unheimlichen Geräuschen, einem mystischen Soundtrack und blutigen Splatter-Effekten.
Fulcis Film bedient sich nicht nur bei "Suspiria", sondern zitiert und variiert Kameraeinstellungen und Splatterszenen aus "Woodoo", vor allem die berühmte "Holzsplitter-im-Auge"-Einstellung findet hier Verwendung, wobei der Holzsplitter durch einen langen Nagel ersetzt und das Auge mit dem Gegenstand durch den Hinterkopf ausgestochen wird.
Und so reiht Fulci eine derbe Brutalität an die nächste, läßt Blut von der Kellerdecke regnen, ein Klavier von Geisterhand spielen, Fensterscheiben zersplittern und in einem Krankenhaus die Toten auferstehen. Selbst der Blindenhund aus Argentos "Suspiria" kommt hier zum Einsatz und tötet die blinde Emily.
Das Finale im Krankenhaus mit der anschließenden bösen Storywendung läßt annähernd etwas wie Spannung oder unheimliche Atmosphäre aufkommen, wie der Zuschauer es aus Fulcis grandiosem "Woodoo" gewohnt ist. Obwohl es sich um einen Zombiefilm handelt, wird auf Ausweidungen und Gedärmexzesse vollkommen verzichtet. Die Untoten sind vielmehr die Hüter des Buches Eibon und Vorboten der darin überlieferten Prophezeiung.
Abgesehen von der atmosphärischen Eröffnungssequenz im Jahre 1927 und dem Ende bietet "Die Geisterstadt der Zombies" nichts weiter als Langeweile und Ekeleffekte, die technisch ganz gut umgesetzt wurden, aber sich kaum von anderen Fulci-Produktionen unterscheiden. Kennt der Zuschauer einen Fulci-Film kennt er auch alle Effekte, denn explodierende Köpfe, ausgestochene Augen, aufgerissene Kehlen und Zombies, die Gedärme ausspucken, gibt es in (fast) jedem seiner Werke zu bestaunen.
"Die Geisterstadt der Zombies" mag für viele seiner Fans als das ultimative Meisterwerk angesehen werden, doch wer einen genauen Blick auf "The Beyond" wirft, wird es als Plagiat erkennen.
Lucio Fulcis Film hat zu wenig eigene Ideen, um als eigenständiges Werk zu gelten und ist zu spannungsarm und langweilig inszeniert, um über den Mangel an Kreativität und inszenatorischer Finesse hinwegzutäuschen.
2,5 von 10 Punkte!