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Ursprünglich war „Über dem Jenseits“ alias „Die Geisterstadt der Zombies“ alias „The Beyond“ mal als reine Geistergeschichte mit ordentlich Geschnetzeltem geplant, doch Finanziers hinter dem Projekt wollen gerne Zombies für bessere Vermarktbarkeit, weshalb Fulci den Film vor allem im letzten Drittel noch mal massiv umschrieb.
Los geht es im Jahre 1927, im Seven Door Hotel in Louisiana, das – Nomen est Omen – über einem der sieben Tore der Hölle erbaut ist. Ein dort ansässiger Maler fängt höllische Impressionen in seinen Bildern ein, ist damit bei den Dorfbewohnern jedoch als Hexer verdächtig und nicht besonders beliebt, die in klassischer Genretradition als wütender Mob mit Fackeln in der Hand antraben. Anstelle einer Mistgabel gibt es hier dann allerdings den Löschkalk ins Gesicht, was zu entsprechenden gorigen Resultaten führt, ehe „The Beyond“ dann in die Gegenwart springt.
Dort hat Lisa Merrill (Catriona MacColl) das Haus geerbt und will es renovieren, was jedoch unter keinem guten Stern steht, denn schon bald segelt der erste Anstreicher unter mysteriösen Umständen vom Gerüst. Doch damit beginnen die Übergriffe des Totenreichs auf die Welt der Lebenden erst…

Was folgt ist eine episodische Aneinanderreihung der Dezimierung des Figureninventars, das beinahe komplett weggehäckselt wird. Fulci hatte nach eigener Aussage keinen Film mit Logik und Handlung im Sinne und hat sein Versprechen auch gehalten, denn der Aufhänger um das Höllentor ist nur der Unterbau für den rudimentär entwickelten Plot. Da machen logische Zusammenhänge auch mal Pause, gerade bei jeder Menge nicht nachvollziehbarer Handlungen der Figuren: Da hat man irgendwann heraus, dass Zombies nur via Kopfschuss erledigt werden können, verballert beim nächsten anrückenden Untoten jedoch wieder jede Menge der kostbaren Munition in dessen Torso, ehe man auf die Idee kommt auf die Stirn zu zielen. Die blinde Emiliy (Cinzia Monreale) ist mal warnende Instanz für Lisa, soll dann mal wieder mit den Geistern zusammenarbeiten, ist aber in erster Linie für reichlich Mystik-Mumbojumbo da.
So geht es dann lustig-zusammenhanglos zu, was man fanseitig teilweise mit Traumlogik zu erklären versucht, die jedoch allenfalls den Schlusspart dominiert und einzelne vorige Szenen, etwa wenn sich Lisa und Emily auf einem aus unerklärlichem Grunde verlassenen Highway treffen und die Blinde als einsame Figur herausragt. Entgegen der Traumlogik steht dann allerdings ein sehr schnurgerades und wenig verspieltes Splatter-Einmaleins, demzufolge pünktlich alle zehn Minuten eine Figur auf blutigste Weise aus dem Leben scheiden muss, wegschmelzende Köppe und rausgerupfte Augen bevorzugt, was auch mit einer derartigen Regelmäßigkeit geschieht, dass man beinahe die Uhr danach stellen kann.
In gewohnter Fulci-Manier werden die entsprechenden Szenen dann auch entsprechend ausgewalzt und mit charmanten, teilweise aber auch durchschaubaren Tricks durchgeführt: Gerade wenn ein Opfer von Killerspinnen angefallen wird, erkennt man die Unterschiede zwischen den realen Taranteln und deren steifen Modellkollegen überdeutlich. Dabei macht der Film keine Verwandten, schnetzelt mit erfrischender Ruppigkeit Frauen und Kinder, Stichwortgeber und Sympathiefiguren weg, an die man aber aufgrund des Mangels an Story und Figurenzeichnung aber eh keinen zweiten Gedanken verschwendet hätte, weshalb es dann letztendlich egal ist, wer denn nun da gerade (kunst)blutreich aus dem Leinwandleben scheidet.

Darstellerisch ist das okay, mit Ausreißern nach oben und nach unten. Catriona MacColl und David Warbeck schlagen sich ganz wacker, wenn auch nicht preisverdächtig in den Hauptrollen, während Cinzia Monreale als mysteriöse Blinde mit Sonar fürs Übersinnlich abfällt. Al Cliver schaut auch vorbei. Aber um Schauspiel ging es hier ja auch nie, weshalb das darstellerische Personal andauernd Dialoge von mal mehr, mal weniger großer Sinnigkeit vorträgt, jedoch ganz klar zweite Geige hinter der Inszenierung spielt.
Und die hat es teilweise in sich. Neben der erwähnten Highwayszene hat es das zwar konfuse, aber stimmig-apokalyptische Finale in sich und auch die Expeditionen in die mörderisch-modrigen Kellerräume haben es in sich. Der finale Abstieg in die Hölle bietet ein tolles Schlussbild, bleibt aber eben – wie so vieles in dem Film – eben auch ein Bild inmitten von vielen. Nicht, dass die sumpfige Südstaatenatmosphäre nicht zu gefallen wüsste und der Film nicht stellenweise auch wirklich creepy wäre, aber gerade den wohligen Grusel und das Surreale ersticken die zahlreichen Metzelexzesse, die eben an solchen Feinheiten nicht interessiert sind.

So bleibt ein Film, der phasenweise toll aussieht und atmosphärisch einiges zu bieten hat, jedoch unter dieser hübschen Oberfläche doch schablonenhaft um Geschnetzeltes im Zehn-Minuten-Takt gestrickt ist ohne Rücksicht auf Verluste, innere Logik oder Feinheiten wie Figurenzeichnung. „The Beyond“ hat seine Qualitäten, hinterlässt aber auch andauernd das Gefühl, das mit mehr innerer Kohärenz noch ganz anderes möglich gewesen wäre.

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