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Die Italiener und ihre Trilogien: Während die Tiertrilogie Dario Argentos mit ihren animalischen Hintergrundmotiven titelseitig dezent auf die Schlüsselszenen des jeweiligen Werkes anspielte war Lucio Fulci mit seinem im Nachhinein als "Gates of Hell" - Trilogie betitelten Reihe zwischen 1980 und 1981 etwas direkter: in jedem der Filme ist das Tor zur Hölle von Anfang bis Ende neugierigen Zuschauern geöffnet. Ob gerade aufgeschlossen ("Ein Zombie hing am Glockenseil"), spaltbreit zugezogen ("Das Haus an der Friedhofsmauer") oder sperrangelweit aufgerissen wie in diesem Film, jeden dieser Filme durchdringt die Zugluft der Hölle wie das Gejaule gequälter Seelen und angewiderter Zensoren. Die Gorebauern der damaligen Zeit werden indes trotz durchaus hohem Effektanteil durchaus verdutzt geschaut haben, ist der Film doch noch mal eine ganze Stufe kunstvoller ausgefallen als der hammereske Vorgänger. Aber eines nach dem Anderen:

Catriona MacColl, das schauspielerische Gesicht der Trilogie, verkörpert hier Lisa, eine Jungunternehmerin mit dem Ziel, einen maroden Gasthof am Rande von New Orleans zu renovieren und neuzueröffnen. Die Neueröffnung scheint dabei unter dem denkbar schlechtesten Stern zu stehen, sterben der jungen Dame neben einem Anstreicher, einem Klempner samt Familie und später auch ihr Assistent / Kumpel Martin vor den Augen weg, mal durch gnädigen Genickbruch nach Gerüststurz erlöst, mal grotesk durch Zombiehand oder Spinnenzähne verstümmelt oder auf andere Arten dahingerafft. Zudem häufen sich unheimliche Spukphänomene, welche vom mysteriösen Zimmer 36 auszugehen scheinen.

Lisas neue Gefährtin, die blinde Emily, weiß zu berichten, dass dort einst der berühmte Maler und Okkultist Schweick wohnte, der seine Visionen vom Jenseits dort auf die Leimwand bannte und entdeckt haben will, dass das Hotel auf einem der Portale zur Geisterwelt ruht. Diese Entdeckung erregte zu jener Zeit den Zorn des Stadtpöbels, die Schweick im Keller des Hotels regelrecht hinrichtet, wobei sich die Beteiligten nicht entblöden, wie im finstersten Mittelalter mit Fackeln und Mistgabeln in das Hotel einzudringen. Dass die darauffolgende Tortur, mit der Schweick sein Ende findet, sich gewaschen hat, sollte sich bei einer Fulciproduktion von selbst verstehen. Dass Lisa trotz aller Warnungen nicht von ihrem Erbe ablassen will ebenso. Der Spuk nimmt letztlich Überhand, sodass New Orleans bald von lebenden Toten heimgesucht wird. Ob von den Untoten gekascht, von herumfliegenden Glassplittern zerfetzt, zombiefiziert niedergeschossen oder resigniert durch die Jenseitspforte schlurfend, der Ausweg aus dieser Misere ist in jedem Fall der Tod und der Film damit einer der miesesten Downer aus Fulcis generell schon nicht besonders erbaulichem Katalog.

Einer der Filme, nach denen ich grundsätzlich Schnaps, eine leichte Komödie oder eine Monatspackung Zoloft brauche, um wieder runterzukommen: die derbe Mischung aus Splatter und Geisterhorror verquirlt mit depressiver Atmosphäre aus Altbaukulissen, Nebel und Fabio Frizzis düsterstem Score der Reihe sind eine schwer zu löffelnde Suppe am äußeren Rande der Genießbarkeit. Fulci bedient sich hier sämtlicher Tropen des klassischen Horrorfilms und dreht sie 81 durch den Goremixer der Moderne: das stets präsente Übersinnliche ist hier ein bitterböses, dass sich gerne mit Donner und Blitz oder kurzgeschlossenen Zimmerläuten ankündigt, so es denn nicht bereits als mordlustige Hand aus dem maroden Mauerwerk des verfluchten Hauses springt. Emily als einzige gutmütige, aber dennoch energisch warnende Stimme des Jenseits wandelt zwischen diesen Szenen hin und her wie eine Kundschafterin, die sich Lisa dann schließlich erstmals auf einer menschenleeren und großartig gefilmten, anderweltlich wirkenden Straße annähert, die wirkt wie eine Schnittstelle zwischen ihrer beider Welten.

Lisa selbst, zunächst die Ratio in Person, bricht im Laufe des Filmes immer tiefer zusammen und selbst der inzwischen angefreundete Arzt John, ein knallharter Atheist vor dem Herren, muss sich dem die Stadt durchsetzenden Wahnsinn beugen. Das kryptische Ende bestätigte mich als Zuschauer dann letzten Endes darin, dass die Protagonisten es mit etwas nicht greifbarem zu tun hatten, wobei Fulci selbst das grandios inszenierte Leichenfeld (eine Rekonstruktion von Schweicks mehrfach gezeigtem Bild) angeblich als Repräsentation seiner atheistischen Weltanschauung begriffen haben will, wie ich an anderer Stelle las. Apropos Fulci: der hat hier nicht nur einen Cameoauftritt als Beamter, sondern watscht im Prolog gleich mal seine verhassten Kritiker ab. Zumindest deutet die Symbolik des wütenden Pöbels, der einen unliebsamen Künstler kreuzigt, doch recht deutlich in diese Denkrichtung.

Auch wenn man die Filme der "Gates to Hell" - Trilogie losgelöst voneinander betrachten kann empfiehlt sich der Film nicht gerade für Neulinge in Sachen Fulci, kann das surreale Gesamtpaket doch mitunter etwas überfordernd sein. Nach einem gelungenen Einstieg in die Materie sollten Interessierte hier aber dringlichst zugreifen. Aber Obacht: Der Film schmerzt wie Brandkalk im Gesicht. Und daran ist bei Leibe nicht nur der Blutgehalt Schuld.






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